Monat der Spiritualität

Lässt sich Gott in der Arbeit erfahren?

Passen Arbeit und Spiritualität zusammen? Kann in der eigenen Arbeit Gottes Tun erkannt werden? Diakon Michael Wagner gibt Antworten.

Passen Arbeit und Spiritualität überhaupt zusammen?

Das Verhältnis zwischen Arbeit und Spiritualität ist spannungsreich. Das beginnt in der Antike. Dort war das höchste Ziel des Menschen, Muße zu haben. An der Muße teilhaben hieß Anteil am göttlichen Leben zu erhalten. Folglich mieden die antiken Götter die Arbeit. Um sie zu vollrichten, schufen sie sich den Menschen. Für die Arbeit waren die Sklaven bestimmt. Wer frei war, war auch frei von Arbeit, Der Primat der Muße lebte und lebt auch im Christentum fort. Die Schau Gottes, die Kontemplation, galt und gilt zuweilen als das Ziel menschlichen Handelns und Erkennens. Die Arbeit ist hier hinderlich. Sie stellt sich dem schauenden Menschen vor das Innere Auge. Dieser geschichtlichen Tradition entsprechend erscheint Arbeit auch in der Bibel nicht einheitlich. Einerseits zeichnet sie ein düsteres Bild der Arbeit. Infolge der Ursünde soll der Mensch „im Schweiße seines Angesichtes“ seine Arbeit vollrichten. Bis ins Mittelalter war man der Ansicht, Viehzucht und Landwirtschaft seien die Buße für den Sündenfall. Arbeit ist Mühe.

Teilhabe an der Schöpfung

Andererseits stellt die Schöpfungsgeschichte eine Revolution dar. Gott selber ist einer, der schafft. Gott legt an seiner Schöpfung Hand an. Schließlich erschafft er den Menschen als Ebenbild, um sein Werk fortzusetzen. Der Mensch, der arbeitet, der schafft, der erhält Anteil am Schöpfungswerk Gottes. Diese positive Betonung menschlicher Arbeit wird eigentlich erst ab dem 13. Jahrhundert vorangetrieben. Infolge der innerkirchlichen Reformbewegungen entstand die „devotio moderna“. Diese Bewegung entstand überwiegend in den Städten und fand großen Zulauf bei den dort lebenden Bürgern. Die alltägliche Praxis, die ganz kleinen alltäglichen Aufgaben in Handwerk, Garten und Küche sind auf einmal von Interesse.

Monat der Spiritualität

"Die Ruhe des Herzens" ist auch das Thema des "Monats der Spiritualität 2018" des Sankt Michaelsbunds. Hier können Sie sich dazu informieren und inspirieren: zu Autoren spiritueller Bücher, zu religiösen Büchern, zu Veranstaltungen und zum Thema Spiritualität.

Im Tun Christus entdecken

Die „imitatio Christi“, das Nachahmen, das eigene Tun, sie verwandeln sich in den Ort, wo ich Gott schaue. Das konkrete Leben bietet sich als die Bühne dar, auf der das Evangelium lebendig wird. Der Mensch folgt Christus nach, indem er Neues schafft. Der Handwerker folgt einer Idee und stellt aus dieser Idee etwa einen Löffel her. Indem er äußerlich nachvollzieht, was in ihm innerlich vorgeht, erahnt der Mensch Gottes Gegenwart.Hier bahnt sich eine neue Entwicklung an. Denn wie sich hier Arbeit und Spiritualität verbinden, das geschieht abseits der gelehrten Theologen. Spiritualität und Arbeit schlagen sich eine eigene Bresche. Experte dieser Spiritualität ist nicht mehr der Geistliche oder ein spiritueller Meister, sondern der tätige Mensch selber. Durch sein eigenes Tun entdeckt er Gottes Spuren in seinem Leben und professionalisiert selber seine Spiritualität. Einerseits wird Arbeit äußerlich verrichtet und zieht innerlich Spuren. Andererseits bringt die Arbeit etwas hervor, das der Mensch nicht selber gemacht hat. Die Größe menschlichen Tuns liegt gerade darin, dass aus seiner Arbeit etwas entsteht, das über ihn hinausgeht.

Keine heile Welt

Sich dieser Größe wieder bewusst zu werden, der Spiritualität ihren Platz im eigenen Tun, Schaffen und Arbeiten zurückzugeben, ist die gegenwärtig gestellte Aufgabe. Gott lässt sich in der Welt der Arbeit finden. Natürlich wird Arbeit nie einen paradiesischen Zustand erschaffen.Gerade die Arbeit kann ein Ort sein, wo Menschen leiden oder sogar durch sie in Not geraten. Ihnen solidarisch beizustehen, zu helfen sowie für sie einzutreten, ist eine ebenso notwendige wie wahre Form der Spiritualität. Arbeit und Spiritualität, Glaube und Nachfolge vollzieht sich stets spannungsreich. Das wird auch in Zukunft so bleiben. (Diakon Michael Wagner, Diözesanpräses der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung)

Buchtipps

Manager-Gebetbuch: Spiritualität für Führungskräfte

Führungskräfte sind im Alltag enorm gefordert. Passend zu den vielfältigen Situationen, die Verantwortungsträger in Unternehmen erleben, bietet das Buch eine Vielzahl von Gebeten unterschiedlicher Herkunft an. Zahlreiche Führungskräfte haben dafür Texte benannt, die ihnen bei der Bewältigung ihres Arbeitsalltags besonders helfen. Eine der Textauswahl vorangestellte Einführung ins persönliche Gebet macht das Beten auch für die zugänglich, denen es bislang weniger vertraut ist.

15,00 € inkl. MwSt.

Hier bestellen

Anselm Grün: Leben und Beruf

Viele Menschen stehen im dauernden Zwiespalt zwischen Beruf und Privatleben. Das Hin- und Hergerissen sein zwischen Arbeit und Familie führt zu Krankheiten und Erschöpfung bis hin zum Burn out. Anselm Grün sieht für diese Situation einen Lösungsansatz in einer gelebten Spiritualität: ehrliche Selbstwahrnehmung, Meditation und Gebet und vor allem eine positive Einstellung und loyales Verhalten können im Berufsalltag für jeden zur Hilfe werden.

18,00 € inkl. MwSt.

Hier bestellen

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Monat der Spiritualität und zum Thema Monat der Spiritualität