Ziegel statt Blech

Kuppelrenovierung in Schwabing abgeschlossen

Die Sankt-Ursula Kirche im Münchner Stadtteil Schwabing hat ein neues Kuppeldach. Es wurde nach historischem Vorbild mit Ziegeln eingedeckt und ersetzt das bisherige grüne Kupferblech.

Ein Hauch von Florenz in München: die Kuppel von Sankt Ursula.

München – Sie ist ein kleines Stück Florenz mitten in Schwabing: Die Sankt-Ursula-Kirche, nach italienischem Vorbild, aber durchaus eigenständig von August Thiersch zwischen 1894 und 1897 errichtet. Der Toskana-Flair ist jetzt noch stärker, denn wie die großen Schwestern in Florenz hat Sankt Ursula nun wieder ein Ziegeldach, wie damals nach der Einweihung. Acht Jahre haben die Arbeiten in Anspruch genommen, bei der auch die Innenkuppel saniert wurde. Denn es war nicht einfach ein Dach neu zu decken, sondern es gab Zweifel an der statischen Sicherheit. Die waren nicht neu, wie Pfarrer David Theil dem Münchner Kirchenradio erklärte.

Statische Bedenken

Schon in den 1930er Jahren hätten die Bauexperten der Stabilität nicht mehr ganz getraut: „Deshalb hat man auf die ursprünglich mit Ziegeln verkleidete Stampfbetonkuppel eine neue Betonmütze gegossen und sie mit Kupfer verschalt.“ Dadurch konnte jedoch das Kondenswasser nicht mehr entweichen und es bildeten sich Risse. Das neue Ziegeldach sorgt nun für eine ständige Belüftung. Nach zweijähriger Vorplanung wurde die Kuppel 2013 eingerüstet. „Wir dachten für ein Jahr, dann wurden es sechs“, so Pfarrer Theil und ein kleiner Seufzer ist mitzuhören: „Aber das Ergebnis ist natürlich wunderschön geworden und dann vergisst man schnell wie mühsam der Weg war.“ Jetzt sei wieder alles sicher „und die Kuppel steht wieder wie eine Krone über Schwabing“.

Die Krone von Schwabing: Innenansicht der Kuppel von Sankt Ursula © Witte/SMB

Spender-Lehrlinge und Spender-Meister

Etwa 4.3 Millionen Euro hat die Sanierung gekostet. Weil es sich um Sankt Ursula offiziell um ein Denkmal von nationaler Bedeutung handelt, flossen auch Fördermittel aus Bundes- und Landesstiftungen. Abgeschlossen ist die Sanierung der Kirche aber noch nicht, in den kommenden Jahre sind die Raumschale und die Orgel fällig. „Da werden wir einen langen Atem brauchen“, erklärt der Pfarrer. Allerdings gibt es in der Pfarrei eine sogenannte Bauhütte, die sich um Spenden kümmert. Dabei wird der Euro, den ein Schüler von seinem Taschengeld abgibt, genauso gewürdigt wie ein großer Beitrag. Nach einem Jahr monatlicher Spenden ist man „Lehrling“, nach zwei Jahren „Geselle“, nach drei Jahren „Meister“.

Schmetterlingsfreundliche Beleuchtung

Dabei legt David Theil Wert darauf, dass Erhalt und Pflege von Sankt Ursula im Pfarrverband Altschwabing dem gesamten Viertel zugutekommen. Es ist einer der wenigen Schwabinger Plätze, „der nicht kommerziell genutzt wird“. So können die Menschen „diesen Ort genießen, ohne gleich einen Cappuccino für 3,50 Euro kaufen zu müssen“. Der Platz vor der Kirche ist fast immer belebt und wenn die Sonne scheint, sitzen die junge Leute gerne auf den Stufen. Und auch nachts ist Sankt Ursula ein Ort mit besonderer Strahlkraft. Die Kirchenverwaltung hat sich dazu entschlossen, die Kuppel zu beleuchten, „mit Kaltlicht“, betont Pfarrer Theil, „das ist energiesparend und es verglüht kein Nachtfalter daran“.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de