Papst Benedikt XVI. und Missbrauch

Kritik an neuem Papstfilm

Der neue Dokumentarfilm "Verteidiger des Glaubens" über Benedikt XVI. stößt in Kirchenkreisen auf zum Teil scharfe Kritik.

Der Film "Verteidiger des Glaubens" läuft ab dem 31. Okotber 2019 in den deutschen Kinos.

Bonn – Der an diesem Donnerstag in den deutschen Kinos angelaufene Film sei kein konstruktiver Beitrag zur Aufdeckung sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche, erklärte der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp. Stattdessen transportiere Regisseur Christoph Röhl "ein stark verzerrtes Bild von Kardinal Joseph Ratzinger/Benedikt XVI."

Eigenwillige und fehlerhafte Interpretation

Dass es dem Glaubenspräfekten und späteren Papst "immer nur um die Reinheit der Kirche und des Priestertums, nie um die Opfer" gegangen sei, bezeichnete Kopp als "eigenwillige und fehlerhafte Interpretation". Auch gehe es "an der Sache vorbei", in Ratzingers Theologie eine der Ursachen für Missbrauch oder Vertuschung sehen zu wollen.

Nach den Worten des Sprechers der Bischofskonferenz war Ratzinger "über Jahrzehnte eine treibende Kraft gegen Missbrauch". Kopp erinnerte an dessen Einsatz für die kirchenrechtliche Definition des Verbrechens Missbrauch, die Schaffung einer speziellen Strafkammer und die Bestrafung von mehr als 380 Tätern durch Entfernung aus dem Klerikerstand: "Diese Aspekte werden im Film nicht angemessen gewürdigt." Auch habe sich Benedikt XVI. als erster Papst überhaupt auf mehreren Reisen mit Opfern sexuellen Missbrauchs getroffen, etwa im September 2011 in Erfurt. "Dieser Umstand wird verschwiegen, was den Film unseriös macht", so Kopp.

Als Diskussionsbeitrag nicht ernst zu nehmen

In einem Interview mit der katholischen Wochenzeitung "Die Tagespost" bezeichnete der Publizist und Ratzinger-Kenner Peter Seewald Röhls Regiearbeit als "Sammlung von Polemiken, Halb- und Unwahrheiten". Sie sei "als Diskussionsbeitrag nicht ernst zu nehmen". Verschwiegen werde etwa, dass Benedikt XVI. fast 400 Geistliche suspendiert habe, darunter auch Bischöfe und Kardinäle, kritisierte Seewald. Eine "brutale Geschichtsfälschung" sei auch, Ratzinger dafür verantwortlich zu machen, dass "die scheußlichen Taten des Gründers der Legionäre Christi nicht aufgedeckt werden konnten". Ratzinger habe Marcial Maciel zwar spät, aber "quasi im Alleingang" zu Fall gebracht.

Der Theologe Christian Schaller, stellvertretender Direktor des Instituts Papst Benedikt XVI. in Regensburg, bezeichnete den Film als "tendenziös und manipulativ" Das liege daran, dass der Regisseur mit dem Vorsatz an sein Thema herangegangen sei, "Papst Benedikt XVI. als Komplizen der Missbrauchstäter zu enthüllen".

Geschickt gemacht

Im Vorfeld hatte bereits Kurienerzbischof Georg Gänswein den Film kritisiert. "Das ist eine Sauerei, ein Debakel - ich kann es nicht anders sagen", sagte der Privatsekretär des emeritierten Papstes. Er könne vor diesem "geschickt gemachten", "nicht objektiven", "miserablen" Film nur warnen.

Auch der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hatte Benedikt XVI. gegen den Vorwurf verteidigt, dieser habe sich dem Thema Missbrauch nicht entschieden genug gestellt. Der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte Schönborn, wer dies behaupte, erkenne die Fakten nicht an. (kna)