Kirche als Heimat

Kirche ist Identität und Heimat

Kürzlich am Sonntag beim alljährlichen Sommerfest haben viele Gläubige unserer kroatischen katholischen Gemeinde wieder intensiv „Heimat“ erleben können. Nach dem Familiengottesdienstes in unserer „Notkirche“ konnten Jung und Alt am Fest im Hof teilnehmen.

Marija Sibenik ist Sekretärin in der kroatischen katholischen Gemeinde in München. (Foto: smb)

Die Älteren nahmen auf den Bierbänken Platz, aßen und tranken und, kamen gleich ins Gespräch. Die Jüngeren spielten auf der Wiese und machten allerlei Unfug. Am Nachmittag stimmten Musikanten kroatische Volkslieder zum Mitsingen an. Gegen Abend trat der Kirchenchor mit Orchester auf und vier Folkloregruppen präsentierten Tänze aus verschiedenen Teilen Kroatiens. „Omas“ Kuchen duftete, vertraute Lieder und Kinderspiele erklangen. Eine gesunde Gemeinschaft, verbunden durch den Glauben, das Gebet und die Liebe zur Muttersprache. Das alles macht mitunter Heimat aus, die man woanders in München so nicht erleben kann. Für Viele sind es oft Kleinigkeiten, die Heimat ausmachen: Gottesdienste, Gebete, Sakramente in der Muttersprache, in der Sprache des Herzens. Zweisprachig aufwachsen zu können und die Traditionen aus dem Vaterland pflegen und leben zu können, wird als großes Gut erkannt, das an die Generationen weitergegeben wird, begründet auf das 5. Gebot: Du sollst Vater und Mutter ehren, damit es dir gut geht und du lange lebst. Dieses Gut ist für die eigene Identität, besonders für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder, die hier aufwachsen, wichtig. Es ist eine große Bereicherung, zweisprachig und mit zwei Kulturen aufwachsen zu können und dabei die eigenen Wurzel nicht aufgeben zu müssen. Wie schön ist es, in den Ferien nach Kroatien zu fahren, sich mit den Verwandten problemlos unterhalten zu können, beim Gottesdienst mitbeten und mitsingen zu können.

Die muttersprachlichen Missionen schlagen mit ihren christlichen Inhalten und Angeboten nicht nur eine Brücke zwischen den zwei irdischen Heimatländern, sondern auch zu der endgültigen Heimat: Dem Reich Gottes. Kirchliche Jugendarbeit unverzichtbar Angesichts der neuesten kirchenstatistischen Zahlen konzentrieren sich viele Kommentare auf die gestiegene Ziffer der Kirchenaustritte. Zu Recht! Denn es kann uns nicht egal sein, wenn die Kirche Menschen enttäuscht oder mit ihrer Botschaft gar nicht erst erreicht hat. Die Gründe, warum Menschen der Kirche den Rücken zuwenden sind, vielfältig, immer aber ist ein solcher Schritt ein schmerzlicher Verlust für die Gemeinschaft aller Gläubigen. Gerade weil die Zahl von 20.552 Austritten im vergangenen Jahr allein in unserer Erzdiözese so groß ist, sollten wir verstärkt danach fragen was die übrigen 1,739 Millionen Katholiken in der Kirche hält. Wenn ich Menschen danach frage, warum sie sich in der Kirche engagieren, bekomme ich meistens zur Antwort, dass sie schon in der Kindheit und Jugendzeit überwiegend positive Erfahrungen in der Kirche gemacht haben: Feier von Erstkommunion und Firmung, Teilnahme an Zeltlagern, Hineinwachsen in die Liturgie als Ministrant oder Ministrantin, Gemeinschaft in der Jugendgruppe eines Verbandes, Fahrten nach Taizé oder zu den internationalen Weltjugendtagen. Solche Erlebnisse sind die Grundlage dafür, dass sich viele Menschen in der Kirche auch Jahre später noch beheimatet fühlen. Die kirchliche Jugendarbeit ist daher ein grundlegender Baustein und unverzichtbar für die Erneuerung der Kirche. Wenn junge Menschen in Zukunft verstärkt die Möglichkeit erhalten, ihre Interessen und Fähigkeiten in die Kirche einzubringen, wenn sie Räume finden, in denen sie den Glauben auf ihre Weise miteinander teilen und feiern können, wenn sie Menschen erleben, die für sie da sind und sie in ihrer Entwicklung unterstützen, dann werden unsere Gemeinden und Gemeinschaften lebendig und fruchtbar. Letztes Ziel unserer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sollte jedoch nicht der Erhalt von Mitgliedszahlen sein, sondern der unverzweckte Dienst an jedem jungen Menschen.