Bischöfe wollen synodalen Weg

Kein Spaziergang, sondern steinige Sprintstrecke

Die deutschen Bischöfe wollen gemeinsam mit den Gläubigen verbindliche Erklärungen zu wichtigen Kirchenfragen finden. Ein Kommentar von Chefreporter Alois Bierl zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz.

Bischöfe beim Eröffnungsgottesdienste zu Beginn der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Lingen.

Der Druck im Kessel bzw. im Konferenzsaal des Lingener Ludwig-Windhorst-Hauses muss gewaltig gewesen sein. Eine halbe Stunde vor dem Ende ihrer Frühjahrsvollversammlung haben die deutschen Bischöfe dann ein Ventil geöffnet oder einen Geist aus der Flasche gelassen. Einstimmig haben sie beschlossen, einen „synodalen Weg“ zu gehen. Das heißt, unter Beteiligung der Gläubigen sollen neue Positionen zum Priesterzölibat, zur Sexualmoral und zur innerkirchlichen Machtkontrolle gefunden und gegenüber dem Vatikan vertreten werden. Vielleicht haben die versammelten Medienvertreter da einen kleinen historischen Moment erlebt, einen Epochenwandel. „Denn so geht es nicht mehr weiter“, sagte ein entschlossener Kardinal Marx bei der abschließenden Pressekonferenz.

Angst die Heimat des Herzens zu verlieren

Am Montag hatten über 300 ganz normale, treue Katholikinnen und Katholiken beim Eröffnungsgottesdienst der Vollversammlung demonstriert. Im kleinen Lingen ist das ein großer Auflauf! Es war eine Kundgebung ohne Geschrei, bestimmt von der Trauer über den Zustand der Kirche und der Angst, die Heimat des Herzens zu verlieren. Ja, denn das ist die Kirche immer noch für viele Menschen. Da müssen auch dem letzten Bischof die Augen aufgegangen sein, bevor er in den Bus zum Tagungshaus stieg und die Gläubigen in der Nacht und im Regen zurückließ. Es herrscht nicht nur Rede-, sondern auch Handlungs- und Entscheidungsbedarf, sonst ist die Zukunft der Kirche in Deutschland gefährdet. Das wissen die meisten Bischöfe wahrscheinlich schon lange. „Wenn wir ehrlich sind, wollten wir gewisse Themen und Schwierigkeiten nicht gerne haben, weil wir uns sagten, da gibt’s Ärger mit Rom“, räumte Kardinal Marx ein. Das hätten die Leute gemerkt und spielten jetzt nicht mehr mit.

Ein Aufbruch

Nun machen sich die Bischöfe auf den steinigen synodalen Pfad, auf dem sie auch sofort das Zentralkomitee der Katholiken untergehakt haben. Aber lieber Ärger mit Rom, als den galoppierenden Vertrauens- und Bedeutungsverlust in die Kirche weiter hilflos hinzunehmen. Der eingeschlagene Weg wird kein Spaziergang, er muss eine Sprintstrecke sein, denn nach den vielen bewegungslosen Jahren eilt die Zeit. Trotzdem ist es ein Aufbruch. Und am Ende des Marsches wird sicher nicht alles gut sein. Kluge Theologen wie Joseph Ratzinger haben schon immer darauf hingewiesen, dass Reformen etwa beim Zölibat oder der Sexualmoral den grundsätzlichen Zweifel an Gott nicht aufheben, der die Moderne prägt und quält. Aber Reformen können wohl auch nicht schaden, wenn Lehrmeinungen in ihrer alten Form die Gläubigen nicht mehr erreichen. Da genügt ein Blick auf die Austrittszahlen in Deutschland. Wenn die Kirche Gott wieder unbelastet verkünden und nicht ständig mit sich selbst beschäftigt sein will, sollten wichtige Fragen neu gedacht und beantwortet werden. Ein Weg, den die Kirche in ihrer Geschichte immer gegangen ist, meistens synodal.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Bischofstreffen in Lingen Synodaler Weg