Schulpolitik

KEG: Keine Panik bei Übertrittszeugnissen

Die KEG-Landesvorsitzende, Ursula Lay, hat Eltern und Schüler zu mehr Gelassenheit im Umgang mit Übertrittszeugnissen aufgefordert. Es sei schade, dass Eltern Panik bekommen, wenn ihre Kinder den Notendurchschnitt für das Gymnasium nicht schafften. Die Übertrittsnote lege die Bildungsbiografie eines Kindes noch nicht endgültig fest, so Lay im Münchner Kirchenradio.

Übertrittszeugnisse führen oft zu einem erhöhten Lerndruck bei Viertklässlern (Bild: Fotolia.com - contrastwerkstatt)

München – In diesen Tagen können die Viertklässler an Bayerns Grundschulen endlich durchatmen. Seit September haben sie fleißig Mathe, Deutsch und HSU gepaukt. Für viele Eltern war von vorneherein klar, dass ihre Kinder das nur mit einem Ziel tun: den Übertritt aufs Gymnasium schaffen. Dafür braucht man im Übertrittszeugnis einen Notendurchschnitt aus den drei genannten Fächern von mindestens 2,33. Spätestens in den Weihnachtsferien konnten die Eltern erahnen, ob ihr Kind die gymnasialtaugliche Übertrittsnote geschafft hat oder nicht, denn viele Proben sind geschrieben und bis zur Zeugnisübergabe Anfang Mai kann man schlechte Noten nur noch schwer ausgleichen. Für die Klassenlehrer beginnt nun eine schwere Zeit: sie müssen den Eltern die nicht ausreichenden Noten ihres Kindes erklären und bekommen oft als Erste den Zorn der Mütter und Väter ab. Die Lehrer litten genauso unter dem Druck wie die Eltern und Kinder, bestätigt die Landesvorsitzende der Katholischen Erziehergemeinschaft Bayern (KEG), Ursula Lay.

Mehr Abiturienten bedeuten nicht automatisch mehr Wohlstand

Schuld daran seien unter anderem die OECD-Studien der letzten Jahre, die darauf hingewiesen haben, dass es in Deutschland zu wenig Abiturienten gebe. Die Forderung nach mehr Abiturienten habe die Situation an den Grundschulen noch verschärft, sagt Lay im Interview mit dem Münchner Kirchenradio. Ob Bayern und Deutschland aber tatsächlich mehr junge Leute mit einer Hochschulreife brauchen, sei fraglich. Viele Akademiker seien arbeitslos oder müssen sich in Jobs über Wasser halten, die ihrer Ausbildung nicht gerecht werden, betont Lay. Gerade Bayern gebe es einen starken Mittelstand, der vom Handwerk und Handel lebt. Gerade hier brauche es auch einen qualifizierten Nachwuchs. Mehr Abiturienten bedeuteten also nicht automatisch mehr Wohlstand.

In Bayerns Schulsystem bleibt der Weg zum Studium immer offen

Vor diesem Hintergrund sei es schade, dass Eltern zunehmend Panik bekommen, wenn ihre Kinder den Notenschnitt für das Gymnasium nicht schaffen. Den betroffenen Eltern rät Lay, generell gelassen zu bleiben. Wer jetzt noch unschlüssig ist, kann sein Kind an Realschulen und Gymnasien für den Probeunterricht anmelden, der im Juni durchgeführt wird. Und wer sein Kind gleich fest auf die Mittel- oder Realschule schickt, trifft dabei noch keine endgültige Entscheidung fürs Leben. Dieser Schritt führe nicht dazu, dass das Abitur für immer verloren ist. „Wir haben immer wieder Bildungsbiografien, wo wir sehen, dass der Weg zum Studium immer offen steht“, so Lay. In Bayerns Schulsystem sei der Weg nie zu Ende. Bei entsprechender Begabung für eine Richtung stünden den jungen Menschen alle Wege offen, versichert die KEG-Chefin. (ph)