Vor der Bundestagswahl

Katholische Erwachsenenbildung fordert Digitalpakt

Insbesondere dem vielfältigen Bereich der Weiterbildung und des lebenslangen Lernens schenkt die Politik nach Meinung der KEB viel zu wenig Beachtung. Darauf will die Bundesarbeitsgemeinschaft vor der Bundestagswahl aufmerksam machen.

Andrea Heim ist Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Katholischen Erwachsenenbildung. © Picture People Bonn

Bonn - Yoga-Kurse, theologische Vorträge oder Eltern-Kind-Programme in katholischen Kreisbildungswerken haben einiges mit Politik zu tun. Davon ist Andrea Heim fest überzeugt. Sie ist die Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB). Und darum mischt sich die Organisation auch in den Bundestagswahlkampf ein und stellt Forderungen an die Politik, vor allem nach einem Digitalpakt, wie er für die Schulen beschlossen ist: „Wie viele andere haben wir in der Coronapandemie unsere Veranstaltungen digitalisiert, da fehlen uns Mittel, Endgeräte zu kaufen oder unsere Fach- und Lehrkräfte entsprechend auszubilden.“ Es mangele schlicht an „struktureller Unterstützung“, erklärt Heim. Es werde viel über lebenslanges Lernen gesprochen, „das ist aber oft eine Sonntagsrede bei den politisch Verantwortlichen.“ Dabei sei lebenslanges Lernen für die gesamte Gesellschaft von Bedeutung: „Trotzdem werden Einrichtungen wie die KEB, die Weiterbildung anbieten, oft zu wenig gehört und zu wenig gesehen“.

Trägervielfalt ist wichtig

Den unterschiedlichen Mitgliedsverbänden der Bundesarbeitsgemeinschaft gehe es nicht nur um Wissensvermittlung, sondern auch um viel umfassendere Angebote zur Persönlichkeits- und spirituellen Bildung, die für den Zusammenhalt der Menschen unentbehrlich seien. „Darum ist es wirklich sehr wichtig, dass es eine Trägervielfalt und deshalb auch eine konfessionelle katholische Erwachsenenbildung gibt.“

Obwohl Bildung Ländersache ist, sieht Andrea Heim durchaus auch Handlungsbedarf auf bundespolitischer Ebene, zudem hier ja „zurzeit einiges verhandelt wird über Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern“. Die KEB beteilige sich deshalb aktiv am „Rat für Weiterbildung“, einer überparteilichen und unabhängigen Plattform, die die Politik deutschlandweit berät. Denn der Bund gestalte die Bildungspolitik mit und setze den Rahmen dafür, wie etwa bei dem geforderten Digitalpakt für die Erwachsenenbildung.

Bildung auf dem Land

Mit ihren Forderungen zur bevorstehenden Bundestagswahl will die KEB auch die Bedeutung der Angebote ihrer Mitglieder hervorheben. Dazu gehört auch der Büchereifachverband Sankt Michaelsbund, der in Bayern rund 1.100 katholische öffentliche Büchereien begleitet und berät. „Konfessionelle Bildung findet in ganz unterschiedlichen Orten statt, in katholischen Akademien, Bildungswerken, Museen, aber ganz bestimmt auch in diesen Büchereien.“ Deswegen seien die Forderungen der KEB für einen Verband wie den Sankt Michaelsbund relevant, „den beispielhaft ein Merkmal ausmacht, das für die ganze katholische Bildungsarbeit gilt, und das ist die Ausbreitung in der Fläche, auf dem Land, wo sonst nur wenig geht an Kultur und an Bildung“.

Darum seien die bundespolitischen Forderungen der KEB nach mehr Beachtung und Förderung der katholischen Bildungsarbeit auch für Büchereien wichtig. Ebenso für die anderen 57 Mitglieder der KEB, die nach eigenen Angaben der zweitgrößte Weiterbildungsanbieter in Deutschland ist. 2019 erreichten die Einrichtungen der katholischen Erwachsenenbildung in 149.000 Veranstaltungen rund 3,15 Millionen Teilnehmer.

Zur Bundestagswahl hat die KEB Statements von Bildungpolitikern verschiedener Bundestagsfraktionen eingeholt. Sie sind auf der Homepage des Verbands zu finden.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de