Ehe für alle

Katholische Bischöfe kritisieren Bundestagsbeschluss

Homosexuelle Paare können in Deutschland in Zukunft die Ehe schließen. Die katholischen Bischöfe kritisieren den Beschluss des Bundestags. Auch die evangelische Kirche hat sich bereits geäußert.

Homosexuelle Paare in Deutschland können künftig die Ehe schließen. Das hat der Bundestag beschlossen. © imago

Berlin – Die katholischen Bischöfe haben die Entscheidung des Bundestags für eine "Ehe für alle" scharf kritisiert. Die evangelische Kirche warb für einen Blick nach vorn. "Ich wünsche mir, dass jetzt weder Triumphgefühle auf der einen Seite noch Bitterkeit auf der anderen Seite den Ton angeben", erklärte der Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm am Freitag auf Facebook. Es müsse ein "neues Bewusstsein für das wunderbare Angebot der Ehe, in lebenslanger Treue und Verbindlichkeit miteinander leben zu dürfen" geschaffen werden.

Der Familienbischof der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Heiner Koch, bedauerte, dass "der Gesetzgeber wesentliche Inhalte des Ehebegriffs aufgegeben hat, um ihn für gleichgeschlechtliche Partnerschaften passend zu machen". Es sei traurig, dass das Rechtsinstitut Ehe ins Räderwerk politischen Taktierens geraten sei. Die Kirche werde nun verstärkt für ihr Verständnis der Ehe als Sakrament werben.

Scheitert das Gesetz vor dem Verfassungsgericht?

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick erklärte, nun müsse das Bundesverfassungsgericht das Gesetz überprüfen. Auch der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst hält ein Scheitern des Gesetzes vor dem Verfassungsgericht für möglich. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, rechnet ebenfalls mit einer Verfassungsklage. Das Gesetz sei von einer "erschreckenden Schlichtheit", sagte er in Münster.

Hamburger Erzbischof Stefan Heße kritisierte das "überhohe Tempo" des Beschlusses.
Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße kritisierte das "überhohe Tempo" des Beschlusses. © imago

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße kritisierte das "überhohe Tempo", mit dem der Bundestag das Gesetz beschlossen habe. "Ich bedaure es, dass unser Eheverständnis und die staatliche Interpretation der Ehe sich weiter voneinander entfernen." Das konservative Forum Deutscher Katholiken sieht in der "Ehe für alle" einen "Dammbruch, der alle Schleusen öffnet für weitere Formen des Zusammenlebens". Der besondere staatliche Schutz für Ehe und Familie sei durch das Gesetz "auf kaltem Wege außer Kraft gesetzt" worden, "weil jetzt alles Ungleiche gleich behandelt wird", kritisierte der Vorsitzende Hubert Gindert. Die Verantwortung für diese "überraschende Entwicklung" trage allein Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Der Familienbund der Katholiken erhofft sich jetzt eine bessere Förderung von Ehen und Familien. Entscheidend sei, dass Kinder in guten Verhältnissen aufwüchsen. Die rechtliche Form des Zusammenlebens der Eltern sei für Kinder weniger entscheidend, erklärte Präsident Stefan Becker. (KNA)