Fronleichnam im Münchner Liebfrauendom

Kardinal Marx: Religion zeigt Notwendigkeit von Unterbrechungen

Statt mit einer feierlichen Prozession durch die Straßen Münchens, wurde Fronleichnam heuer im Münchner Liebfrauendom gefeiert. Kardinal Reinhard Marx sieht in der Coronapandemie die Chance, den Blick für den Wert von Religion zu schärfen.

Kardinal Reinhard Marx mit dem Allerheiligsten in der Monstranz. © Kiderle

München – Die Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie können nach Ansicht von Kardinal Reinhard Marx helfen, den Blick für den Wert von Religion und öffentlichen Glaubensbezeugungen zu schärfen. Durch das Bekenntnis zur Wirklichkeit Gottes, die sich gerade auch ausdrücke in einer heiligen Handlung, werde der Alltag durchbrochen, sagte der Erzbischof von München und Freising am Donnerstag laut Redemanuskript beim Fronleichnamsfest im Münchner Liebfrauendom. So würden die Dinge der Welt nicht einfach fortgesetzt, auch gehe es nicht um Nützlichkeit, Berechnung, persönliches Wohlergehen und Erfolg, sondern um eine neue Welt und eine neue Schöpfung.

Was ist Fronleichnam?


An Fronleichnam bringen die Katholiken öffentlich ihren Glauben zum Ausdruck, dass Gott in Brot und Wein mitten unter ihnen ist. Als sichtbares Zeichen wird eine reich verzierte Monstranz mit einer geweihten Hostie in feierlicher Prozession durch die Straßen getragen. In der Zeit der Corona-Krise wird darauf verzichtet. Fronleichnam ist das "Hochfest des Leibes und Blutes Jesu Christi" in der katholischen Kirche. Es steht in engem Zusammenhang zum letzten Abendmahl am Gründonnerstag. Nach kirchlicher Lehre hat Jesus dabei das Sakrament der Eucharistie eingesetzt, als er den Jüngern Brot und Wein reichte und die Worte sprach "Das ist mein Leib" und "Das ist mein Blut". (kna)

Es drehe sich nicht um einen vordergründigen Nutzen, sondern um die Erkenntnis der "Notwendigkeit der Unterbrechung", betonte Marx. Geschähe nicht nur die Verwandlung des Brotes, sondern auch die Verwandlung des eigenen Lebens, wäre das eine wirkliche "produktive Unterbrechung". Dagegen wäre eine in sich geschlossene Welt, in der es nur um Nutzen und Profit ginge, bedrohlich und vielleicht auch langweiliger. "Erst wenn all unsere Worte und all das, was wir tun, in die Stille der Anbetung einmünden, kommen wir dem Ort der wirklichen 'Unterbrechung' nahe", so der Kardinal. Und das werde an keinem Fest so deutlich wie an Fronleichnam.

Der Auftrag als Kirche, als gläubige Menschen sei es, die "produktive und aufrüttelnde Erinnerung an diese andere Welt, an diese verwandelte Welt, die uns in Christus anschaut, wach zu halten und einzubringen", unterstrich Marx. "Dafür stehen Fronleichnam und die Anbetung und der eucharistische Segen für Stadt und Land. Dafür steht die Kostbarkeit des Sonntags" - der, wie er hoffe, bald wieder in gewohnter Weise ohne die Einschränkungen infolge der Pandemie gefeiert werden könne.

Aufrgund der Hygiene-Auflagen konnten nur 70 Plätze im Münchner Liebfrauendom vergeben werden können. Eingeladen wurden demnach Menschen aus dem Gesundheitswesen, der Nachbarschaftshilfe, der Obdachlosenarbeit, der Bahnhofsmission genauso wie Politiker und Mitglieder kirchlicher Gremien.

Die Fronleichnamsfeier steht in diesem Jahr unter dem Leitwort "Neue Schöpfung in Christus". Die traditionelle Prozession durch die Innenstadt musste dieses Jahr coronabedingt ausfallen. Kardinal Reinhard Marx trat jedoch mit dem Allerheiligsten vor das Domportal und segnete die Stadt. (kna)

 

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