Zum Beginn der Ferienzeit

Kardinal Marx ermutigt zu Zeiten der Ruhe

Nicht nur in den Ferien, auch im Alltag, sollen wir uns Zeiten der Ruhe nehmen, so Kardinal Reinhard Marx. Denn nur wer sich Zeit nimmt, kann angesichts aktueller Fragen angemessen urteilen, reden und handeln.

Zeiten der Entspannung sind wichtig.

München – Wenige Tage nach dem Beginn der Ferienzeit in Bayern hat der Münchner Kardinal Reinhard Marx dazu aufgerufen, sich im Alltag regelmäßig Zeiten der Ruhe und des Nachdenkens zu nehmen. "Die Menschen brauchen Ruhe", sagt der Erzbischof von München und Freising in einem Radiobeitrag für den Bayerischen Rundfunk. Deshalb sollte auch der Sonntag als "Tag der Ruhe" frei bleiben "von Arbeit und Konsum und so einen Gegenpol zum Alltag schaffen". Die Feier der Eucharistie, zu der die Kirchen besonders am Sonntag einladen, wolle zeigen, dass "Gott den Menschen frei macht von allen Zwängen, die von außen kommen und die aus uns selber kommen".

Verstehen, unterscheiden und urteilen

In dem am 4. August um 17.55 Uhr auf Bayern 2 zu hörenden Beitrag erinnert Marx dran, gerade in der heutigen "zuweilen unruhigen und schnelllebigen" Zeit sei der sonntägliche Ruhetag ein "Signal", das "wir nicht überhören sollten". In den vergangenen Monaten habe es einige Debatten gegeben, "die mich manchmal mit ihrer Unruhe und Unklarheit etwas ratlos zurückgelassen haben". Seiner Ansicht nach leben die Menschen in Zeiten, in denen vieles auf dem Spiel steht, vor allem die Freiheit des Menschen. Zeit und Muße seien aber notwendig, um intensiv über wichtige Fragen nachzudenken und um dann auch urteilen zu können.

Verstehen, unterscheiden und urteilen sind nach den Worten des Kardinals wesentlich für ein Denken, das dann auch wieder zum angemessen Reden und Handeln führen kann. Dafür brauche es jedoch "Zeit ebenso wie eine äußere und auch innere Freiheit". Auch die Ferien- und Urlaubszeit böte die Möglichkeit, "Erholung, Abwechslung und Abstand vom Alltag" zu erfahren. Gerade bei Ausflügen in die Natur "können wir den Kopf frei machen und das Herz öffnen, um neu auf die Welt zu schauen und unseren Horizont zu erweitern".

Den Sabbat heiligen

Zu arbeiten und sich in der Gesellschaft einzubringen, sei gut und wichtig, so Marx. Interessanterweise laute aber keines der Zehn Gebote "Du sollst arbeiten". Stattdessen werde dazu aufgefordert, den Sabbat zu heiligen. Dies deute darauf hin, dass die Menschen nicht zur Arbeit, wohl aber zur Ruhe aufgerufen werden müssten. Die "alltägliche Geschäftigkeit" berge die Gefahr, dass Menschen sich darin verausgabten, sagt der Kardinal: "Arbeit kann auch ein Ersatz werden, sogar ein Ersatz für Religion."

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