Treffen mit Geflüchteten aus der Ukraine

Kardinal Marx: "Wir müssen das schaffen!"

Kardinal Reinhard Marx hat den Caritas-Infopoint für ukrainische Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof besucht und sich dabei über die Arbeit der kirchlichen Stellen informiert. Auch mit Geflüchteten kam der Erzbischof ins Gespräch.

Kardinal Marx spricht am Infopoint der Caritas mit Olena und ihren beiden Kindern. © Kiderle

München – Makar und Artem stehen ganz dicht bei der Mama, und lassen den großen Mann im schwarzen Anzug nicht aus den Augen, der sich da heute zu ihnen herunterbeugt und sie anspricht. Kardinal Marx unterhält sich lange mit ihrer Mutter Olena. Die 37-jährige Journalistin ist vor kurzem aus der Stadt Chernihiv angekommen. Geflohen mit ihren drei und sechs Jahre alten Söhnen, geflohen vor den russischen Raketen. Zurückgelassen haben sie ihre Familie, Freunde und vor allem ihre Heimat. Marx nimmt sich Zeit für die Menschen, die gerade hier in der Halle am Münchner Hauptbahnhof sind, für den Mann, der mit ihm ein Selfie macht und sich danach bekreuzigt, und für die Frau aus Kiew, die mit ihrer zweijährigen Tochter hier ist.

Sieben Tage - 24 Stunden  

Laut Caritas waren es zu Beginn des Krieges rund 500 Geflüchtete, die am Münchner Hauptbahnhof ankamen. Inzwischen sind es dreimal so viele, und zwar täglich. Der Caritas-Infopoint hier ist so etwas wie der erste Check-in für die Ankommenden. Hier gibt es direkte Soforthilfe. Es gibt Getränke, eine Ruhezone im hinteren Bereich, kleine Snacks und Hygieneartikel für Kinder und Mütter, oder eine medizinische Erstversorgung. Danach geht es an die jeweilige Weiterreise, Kontakt mit Verwandten und Freunden, oder eine Unterbringung in einem der Hotels und Pensionen. Sieben Tage je 24 Stunden kümmern sich hier haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende, darunter auch die so wichtigen Dolmetscher. 

"Nicht nur Briefe schreiben"

Mit seinem Besuch will der Münchner Erzbischof ein Zeichen setzen, Danke sagen – direkt an die Helfer und direkt vor Ort. Nicht nur Briefe schreiben, wie er sagt, „da muss man auch selbst mal seinen Kopf hinhalten“. Eine halbe Million Euro Soforthilfe aus Kirchensteuermitteln stellt die Erzdiözese bereit, die könne man aber noch aufstocken. Im Haushalt sind zudem fünf Millionen Euro für Flüchtlingshilfe eingeplant. Kirche ist hier subsidiär tätig, vor allem der Staat sei gefordert, so Kardinal Marx. Es gehe um Wohnraum, Bildung, Begleitung der Ehrenamtlichen, Asylsozialberatung. Man müsse sich auf einen „Langstreckenlauf“ einstellen, betont der Erzbischof.

Problem der Vermittlung

Auch für den Diözesanbeauftragten für Flüchtlinge im Erzbistum München und Freising, Monsignore Rainer Boeck, ist das hier erst der Anfang der Arbeit. Das „Matching“ nennt er zum Beispiel als Problem. Das umfangreiche kirchliche Wohnungsangebot müsse schnellstens an die Menschen kommen. Es muss „matchen“, das heißt Vermittlungsarbeit muss geleistet werden. Hier wünscht sich Boeck mehr Tempo bei den öffentlichen Stellen.  

Und dann nimmt Caritas-Diözesanvorständin Gabriele Stark-Angermeier noch ein ganz anderes Problem wahr. Wo viele junge Frauen sind, da ist auch der organisierte Frauen- und Menschenhandel nicht weit. Auch diese Gefahr müssen die Mitarbeiter mithilfe der Bundespolizei am Infopoint im Hauptbahnhof im Blick behalten. Als ob die Not ohnehin nicht schon groß genug wäre.

Die Autorin
Andrea Haagn
Fernseh-Redaktion
a.haagn@st-michaelsbund.de