Vorbereitung auf die Kar- und Ostertage

Jugend feiert Aufbruch

Die Exodus-Feier in der vorösterlichen Zeit soll besonders Jugendliche ansprechen. Doch wie sieht diese aus?

Mit der Exodus-Feier bereiten sich Jugendliche auf Ostern vor.

München – Die Kar- und Ostertage sind im christlichen Jahreskreis die entscheidenden Tage. Für Jugendliche gibt es dazu viele Angebote, wie den ökumenischen Jugendkreuzweg, Früh- und Spätschichten oder Bibel-aktionen. Eine weitere Möglichkeit jugendgemäßer Liturgie für die vorösterliche Zeit ist die Exodus-Feier. Sie stellt den Auszug aus Ägypten in den Mittelpunkt einer erlebnisorientierten Feier mit Blick auf persönliche Lebensbezüge. Sie ist gleichsam eine „christliche Erinnerungsfeier“ des Exodus-Geschehens – und leistet auf diese Weise einen Beitrag zur spirituellen Vorbereitung Jugendlicher auf Ostern.

Themen von Jugendlichen

Die Exodus-Feier regt dazu an, die Erzählung vom Auszug aus Ägypten (Ex 1,1-4,17) zu erleben. Es geht darin um Aufbruch, Befreiung und Sehnsucht nach Neuem, Themen, die gerade Jugendliche besonders beschäftigen. Ein zentraler Text der Osternacht wird dabei in den Mittelpunkt gestellt, eine Erzählung, die ein wichtiges Beispiel für Gottes Barmherzigkeit und Liebe zu den Menschen ist. „Ganz entscheidend für die Bereitschaft Jugendlicher, die Kar- und Ostertage mitzufeiern, ist die Frage nach der Relevanz des Vollzogenen für das eigene Leben. Die verkündeten Texte müssen nicht nur verstanden werden, sondern für die eigene Situation etwas zu sagen haben“, heißt es in der Arbeitshilfe „Exodus-Feier“ des Erzbischöflichen Jugendamts.

Weg von Worten, hin zur Erfahrung

Die Exodus-Feier greift die Erlebniswelten und Erfahrungsräume Jugendlicher in Riten und Impulsen auf und verknüpft sie mit dem biblischen Geschehen des Auszugs aus Ägypten. Aus den Erfahrungen in der Jugendarbeit ist die Feier an einem ganzheitlichen, sinnhaften und nonverbalen Erleben – weg von den Worten, hin zur Erfahrung – orientiert. Sie beschreibt den Weg von der „Trommel des Sklaventreibers“ hin zum „Festmahl der Freude“. Im ersten Teil steht die stückweise vorgelesene Erzählung des Auszugs aus Ägypten im Vordergrund, die den Jugendlichen in Riten, sinnhaften Impulsen, Bewegung, Liedern und Gebeten verdeutlicht wird und einlädt, mit dem eigenen Leben in Beziehung gebracht zu werden. Der zweite Teil der Exodus-Feier lässt im gemeinsamen Essen die Befreiung und die Rettung durch Gott deutlich werden.

Mit dem eigenen Glauben beschäftigen

Um dies zu ermöglichen, sind die Jugendlichen aktiv in die Feier eingebunden. Neben den verschiedenen Aufgaben bei der Feier (Einkauf, Vorbereiten des Festsaals, Licht entzünden, Bereitung der Speisen und Getränke) sind die Riten und Impulse bei der Feier so angelegt, dass ein konkretes Erleben und Begreifen (zum Beispiel in Liedern, Essen des „harten Brotes“, Prozession, meditativer Tanz, gemeinsames Essen) möglich wird. In den unterschiedlichen Elementen der Exodus-Feier geht es vor allem um eine Einladung, sich erlebnisorientiert einzeln und gemeinsam am Beispiel der biblischen Erzählung vom Auszug aus Ägypten mit den Wurzeln des eigenen Glaubens zu beschäftigen.

Seit der Vorstellung des Konzepts der Exodus-Feier im März 2004 gibt es jedes Jahr vor der Fastenzeit verstärkt Anfragen danach. In einigen Pfarreien wird die Exodus-Feier mit Jugendlichen jedes Jahr gefeiert, andere kommen neu hinzu. So bietet zum Beispiel die Katholische Jugendstelle Pasing am Mittwoch, 28. März, um 19 Uhr im Pfarrheim von Maria Schutz eine Exodus-Feier als Vorbereitung für die Kar- und Ostertage an.

Zum Beispiel spüren die Teilnehmenden beim Ritus „Hartes Brot“ im beschwerlichen Essen von hartem Brot und Trinken von Wasser dem Leben in seiner minimalsten Form nach. Wasser und hartes Brot – die sprichwörtliche „Gefängnisnahrung“ – symbolisiert Unterdrückung und Unfreiheit, Zwang und Versklavung. Im anschließenden Ritus „Mein Ägypten“ bringen die Jugendlichen Versklavung und Unterdrückung in der Bewegung zum Ausdruck. Mit einer Trommel wird der „Arbeitsrhythmus“ der versklavten israelitischen Pyramidenarbeiter geschlagen, der Arbeitstakt des modernen Industriefließbandes und der Takt alltäglicher Unfreiheit. Die Teilnehmenden gehen diesen Rhythmus der Versklavung mit und tragen ihn durch ihr Gehen, Stampfen, Klatschen oder mit Instrumenten mit – Versklavung und Unterdrückung werden so am eigenen Leib erlebbar. (Markus Lentner, Referent für religiöse Bildung im Erzbischöflichen Jugendamt/ Claudia Hoffmann,Öffentlichkeitsreferentin im Erzbischöflichen Jugendamt)