Der Jesus von Oberammergau

Jesusdarsteller, Familienvater und Theatermensch

Der 37-jährige Frederik Mayet spielt heuer zum zweiten Mal den Jesus bei den weltberühmten Oberammergauer Passionsspielen.

Frederic Mayet freut sich darauf, zusammen mit seinen beiden Söhnen auf der Bühne zu stehen - inkognito. © SMB/br

In diesem Jahr gibt es in Oberammergau wieder die Passionsspiele. Da ist das ganze Dorf im Ausnahmezustand. Auch der Jesus-Darsteller Frederik Mayet trägt schon Bart und lange Haare. Allerdings wirkt er nicht wie ein langhaariger Bombenleger. Die Haare sind zwar schulterlang, aber der Bart sieht noch sehr zivilisiert aus: „Unser Spielleiter in Oberammergau, Christian Stückl, will keinen Räuber Hotzenplotz als Jesus auf der Bühne stehen haben. Und deshalb darf ich meinen Bart immer wieder ein bisschen stutzen“.

Theatertricks bei der Kreuzigungsszene

Er ist einer von zwei Jesus-Darstellern. Denn die rund 20 Hautrollen sind doppelt besetzt. Im Gegensatz zu dem anderen Jesus, Rochus Rückel, spielt Mayet die Rolle schon zum zweiten Mal. Mehr als 50 Mal ist er vor zehn Jahren am Kreuz gestorben. Rein technisch gibt es da ein paar einfache Tricks: unter dem Lendenschurz tragen die Darsteller einen Klettergurt, der am Kreuz eingehängt wird. Für die Füße gibt es kleine Platten, auf denen sie sich abstützen können und die Nägel sind gebogen und mit viel Theaterblut wirkt die Szene sehr echt.

Wirklich anstrengend ist für ihn aber etwas ganz Anderes: Nach der Todesszene mit all ihren emotionalen und schauspielerischen Höhepunkten, die das Publikum den Atem anhalten lassen, muss er noch eine ganze Weile weiter am Kreuz hängen und ganz flach atmen, damit er weiterhin tot wirkt. Und psychisch ist die Situation auch schwierig, denn innerhalb einer Vorstellung reitet er erst in Jerusalem ein und wird bejubelt, dann wird er beschimpft, verurteilt und hingerichtet. Da ist die Auferstehung tatsächlich auch für ihn selbst sehr wichtig. Ebenso wie das Bier mit den Kollegen nach der Vorstellung auch – damit er wieder ganz zu Frederik Mayet wird.

Mit seinen Söhnen auf der Bühne

Seit der letzten Passion sind zehn Jahre vergangen. In der Zwischenzeit ist auch bei dem 37-Jährigen privat viel passiert. Er ist jetzt verheiratet und Vater von zwei kleinen Sohnen, fünf und knapp zwei Jahre alt. Auch die beiden stehen mit auf der Bühne. Bei den Massenszenen im Volk. Allerdings nicht mit ihrer Mutter, denn die kommt aus dem Nachbarort und muss deshalb noch einige Jahre warten, bis auch sie die Spielberechtigung hat. Die gibt es für nicht gebürtige Oberammergauer erst nach 20 Jahren. Frederik Mayet will selbst mit seinen Söhnen auf die Bühne. Er läuft also an seinen spielfreien Tagen dem anderen Jesus hinterher – sozusagen inkognito. „Aber“, sagt er, „Das ist ja dann ganz stressfrei.“ Er freut sich darauf. Denn wenn er danach mit ihnen Würstel in der Theaterkantine isst und die beiden ganz stolz auf ihre Rollen sind, dann weiß er, dass auch die beiden die mehr als 400-jährige Tradition lieben werden. Auf die sind die Oberammergauer zu Recht sehr stolz. Und sie beeinflusst das Dorfleben nachhaltig. Frederik Mayet bekommt ganz leuchtende Augen, wenn er erzählt, wie das ganze Dorf etwas zusammen auf die Beine stellt: „Was das Passionsspiel für mich auch auszeichnet ist, dass die Generationen zusammenkommen. Ich habe Freunde, die sind zwanzig Jahre jünger oder älter als ich. Man ist ein halbes Jahr lang fast täglich zusammen in der Garderobe und redet, diskutiert, tausch sich aus und freundet sich an. Das ist was total Schönes.“

Ausnahmezustand im Dorf

Es ist wohl auch dieses Gemeinschaftsgefühl, das ein ganzes Dorf dazu bringt, gerne auf der Bühne zu stehen – und dafür auch schon Monate vorher etwas anders auszusehen als sonst: rund 1200 Männer mit langen Haaren und Bart gibt es dort derzeit. Sogar die Dorfpolizisten und die, die im echten Leben bei der Bundeswehr sind, waren seit Aschermittwoch nicht mehr beim Friseur. Sie ändern ihre Arbeitszeiten, damit sie an den Proben teilnehmen können und im ganzen Ort gibt es kaum ein anderes Thema. Ein Dorf im Ausnahmezustand und Frederik Mayet ist mittendrin.

Podcast-Tipp

Hauptsache Mensch

Frederik Mayet ist zu Gast in unserer Sendung Hauptsache Mensch. In dem Gespräch erzählt er auch, was ihm der echte Jesus bedeutet und wie er diese Rolle mit seinem Leben als Vater und Theatermensch beim Münchner Volkstheater vereinbart. Hauptsache Mensch können Sie im Münchner Kirchenradio hören oder jederzeit online in unserer Mediathek. Da können sie Hauptsache Mensch übrigens auch als Podcast abonnieren. Über die Streamingdienste wie z.B. Spotify oder Deezer.

> zur Sendung

Der Vorverkauf für die Passionsspiele hat übrigens schon begonnen, 90% der Karten sind schon weg, aber es gibt noch welche! Premiere ist am 26.Mai und bis zum 4. Oktober gibt es fast jeden Tag eine Aufführung.

Die Autorin
Brigitte Strauß-Richters
Radio-Redaktion
b.strauss-richters@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Passions spiele