Citykirche in München

Jesuitenkirche Sankt Michael wird renoviert

Das wohl bedeutendste Münchner Gotteshaus wird den nächsten Jahren wird die Außenfassade aufwändig renoviert.

Pater Karl Kern im Innenhof von St. Michael, im Hintergrund der eingerüstete Chor des mächtigen Kirchenschiffs.

München – Die ersten Märzenbecher in der Wiese strecken sich den Sonnenstrahlen entgegen, an den noch recht kahlen Büschen sind die ersten Knospen zu entdecken und sogar Vögel zwitschern in der lauen Luft an diesem Nachmittag. Eine echte Frühlings-Idylle im Hof der Jesuiten von St. Michael. Pater Karl Kern (70), der Kirchenrektor, blickt dennoch ein wenig betrübt: In den nächsten Wochen werden an gleicher Stelle diverse Baucontainer der Natur für die nächsten Jahre weitestgehend den Garaus machen. Derzeit wächst am mächtigen Hochchor sowie an der Kirchenfront draußen an der Ettstraße und an der gegenüberliegenden Westseite ein kompletter Gerüst-Mantel empor. Wenn alles planmäßig verläuft, dürfte nach Ostern die umfassende Fassaden- restaurierung an Münchens wohl bedeutendsten Kirchenbau beginnen.

Bis 2021 sollen alle Schäden – hervorgerufen vor allem durch Feuchtigkeit und Aussalzungen – an Putz und Mauerwerk behoben sein. Gleichzeitig erhält die Fassade analog zur Hauptfront an der Neuhauser Straße eine historisch korrekte leuchtend weiße Farbfassung, so wie zur Erbauungszeit durch Herzog Wilhelm V. von Bayern (1548 – 1626). Der Herrscher legte 1583 den Grundstein für den ersten großen Kirchenbau der Renaissance nördlich der Alpen. Das Ganze ist jedoch „mehr als eine bloße Schönheitskur“, hier geht es in erster Linie um „Substanzerhaltung“, erklärt der Kirchenrektor. Vor allem der Turm und das Kleinod der Kreuzkapelle an der Ettstraße sind durch die Witterungseinflüsse arg in Mitleidenschaft gezogen. Im Anschluss sind bis 2022 der Bereich des zum Komplex gehörenden „Priesterhauses“, also der Wohnräume der derzeit siebenköpfigen Jesuiten-Kommunität, des Michaelssaals und der Pforte an der Maxburgstraße an die Reihe. Von den Bauarbeiten sollen Kirchenbesucher übrigens wenig mitbekommen – der Innenraum ist durch die Gerüste vor den Fenstern ein wenig dunkler als sonst, „aber das ist auch eine gute Gelegenheit, die Fenster endlich einmal wieder zu putzen“, sagt Pater Kern.

Staat trägt Renovierungskosten

Seit der damaligen Aufhebung der Gesellschaft Jesu im Jahre 1773 befindet sich St. Michael im Besitz des Staates – wie seit der Säkularisation 1803 rund 100 weitere kirchliche Gebäude, etwa die Bischofskirchen oder auch die Theatinerkirche in der bayerischen Landeshauptstadt. Die damit verbundene Baulast hat der Freistaat zu tragen. Im Falle der Außenrenovierung von St. Michael dürfte dies ein weiterer Millionenbetrag werden, schlug doch die 2013 vollendete Hauptfassadenrenovierung bereits mit 4,1 Millionen Euro zu Buche – die jetzige Fläche ist um einiges größer.

Und Pater Kern fiebert bereits der ebenfalls schon lange geplanten Innenrenovierung entgegen, hier wird sich die Kirchenstiftung natürlich dann finanziell beteiligen. Geplant sind neue zeitgemäße Beichstühle und -sprechzimmer für Münchens größte und beliebteste Beichtkirche, neue Windfänge an den Portalen und eine Neu-gestaltung der bei stillen Betern sehr beliebten „Marienkapelle“ mit ihrem stark frequentierten Opferlichtbereich. Gern würde der Jesuit auch Tore haben, die man weit und einladend zur Fußgängerzone hin öffnen könnte sowie endlich eine der Bedeutung des Gebäudes angemessene nächtliche Fassadenbeleuchtung durch die Stadt. „St. Michael ist für so viele Menschen inmitten des hektischen Treibens draußen auf der Konsummeile ein Ort der Stille, der Unterbrechung und des geistlichen Aufatmens. Wir wollen dies auch in Zukunft noch besser und markanter sein."

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de