Entwicklungshelfer Prinz Ludwig von Bayern

IT-Karrieren statt Körbeflechten

Prinz Ludwig von Bayern möchte neue Wege in der Entwicklungshilfe gehen. Sein IT-Projekt „Learning Lions“ in Kenia scheint ihm recht zu geben.

Junge Kenianer auf dem IT-Campus "Learning Lions" © Learning Lions

Es war wahrscheinlich die bislang intensivste Zeit seines Lebens: Prinz Ludwig von Bayern war die letzten Jahre nur selten zuhause auf Schloss Kaltenberg bei Geltendorf im Landkreis Landsberg am Lech. Afrika und die Menschen, die dort leben, haben es dem Ururenkel des letzten bayerischen Königs angetan. Dort war er in den vergangenen Jahren mehr unterwegs als in seiner bayerischen Heimat. „Afrika ist der Kontinent, der einen anzieht, und wenn man mit den Menschen dort zusammenarbeitet, spürt man das noch einhundert Mal stärker“, erklärt der Prinz seine Leidenschaft.

Als Entwicklungshelfer hat er verschiedene Bildungsprojekte auf den Weg gebracht, die er mit unkonventionellen Spendenaktionen finanziert. Eines seiner Lieblingsprojekte sind die „Learning Lions“. Bei dem Programm leben und lernen junge Afrikaner auf einem Campus in der Turkanawüste in Kenia. Sie erwerben IT-Kenntnisse wie Grafikdesign oder das Programmieren von Webseiten.

Karriere nach dem Schulabschluss

Auf die Idee für den IT-Campus kam Prinz Ludwig, nachdem er zunächst vor allem den Bau von Schulen in der Region unterstützt hatte und sich ihm schließlich die Frage stellte, was die Schulabsolventen beruflich machen könnten in einer Region, die für junge Menschen keinen funktionierenden Arbeitsmarkt bereithält. Der Wittelsbacher zieht daraus den Schluss, dass es Programme brauche, die die jungen Menschen dazu befähigen, sich selbständig eine Karriere aufzubauen. „Eine Karriere, die nicht Körbeflechten ist, sondern eine, die ein junger Mensch machen will. Und da ist natürlich das digitale Programmieren und Webseiten bauen sehr verlockend.“

IT-Voraussetzungen in Afrika besser als in Bayern

Die Grundvoraussetzungen für die IT-Idee sind ideal. In Afrika habe man erst gar nicht damit begonnen, Telefonleitungen zu legen. Von Anfang an habe man flächendeckend auf Mobilfunk gesetzt, so Prinz Ludwig. Selbst in entlegenen Wüstenregionen habe man Mobilfunkmasten gebaut, sodass Viehhirten mit ihrem Handy Zahlungen bis zu 1.000 Euro mit ihrem Handy abwickeln könnten. Mit dem Mobilfunk sei schließlich auch das 4G-Netzwerk in Gebiete gekommen, in denen die Menschen noch in Hütten wohnten. „Das ist wirklich unglaublich, da sind wir in Bayern noch weit hinterher“.

Weltweit agierende Freelancer

Auch in der Turkanawüste gibt es 4G, mit dem sich die jungen Menschen weltweit vernetzen können. Wer das Programm auf dem IT-Campus durchläuft, könne zunächst noch bleiben. „Wir fördern sie dabei, sich selbst etwas aufzubauen“, erklärt der Wittelsbacher. Und manche schafften es tatsächlich, als Freelancer weltweit zu agieren, „dann baut eine Kenianerin oder Kenianer eine Website für einen deutschen oder amerikanischen Kunden“. Das seien dann ganz andere finanzielle Dimensionen als beim Körbeflechten. „Für eine Website kann man ein paar hundert Euro verlangen, was dort richtig viel Geld ist für ein paar Tage Arbeit“.

Support und Nachhaltigkeit

Mit den „Learning Lions“ will Prinz Ludwig auch zeigen, dass sich das Verständnis von Entwicklungshilfe wandeln muss. Bisher „sind wir runtergegangen und haben als Heldenfiguren alles umgekrempelt“. Viel wichtiger sei es aus seiner Sicht, dass man den Menschen erst einmal zuhöre und sich dann Partner vor Ort für die Projekte suche. „Man ist nicht der Stürmer, der das Tor schießt, das müssen die Afrikaner sein. Man ist derjenige, der gelegentlich einen Ball zuspielt, man ist ein Support“.

Ein weiteres Erfolgsgeheimnis der Afrika-Projekte des Prinzen sind die Fünf- bzw. Zehnjahrespläne, die für eine nachhaltige Entwicklung sorgen sollen. Ziel dabei sei es, die Projekte auf lange Sicht in die Unabhängigkeit zu führen. "Die größte Herausforderung des Entwicklungshelfers ist es, sich selbst entbehrlich zu machen, dass man irgendwann nicht mehr gebraucht wird."

Prinz Ludwigs Zukunft: mehr Bayern und soviel Afrika wie möglich

Sorgenfalten bereitet dem Prinzen der Ukraine-Krieg. Global seien alle von steigenden Preisen für Nahrungsmittel, Benzin und Baustoffen als Folgen des Krieges betroffen. Und er selbst habe auch schon Hilfskonvois in die Ukraine organisiert. Eine Zivilgesellschaft müsse so etwas leisten, so der Prinz. „Das heißt aber nicht, dass wir deswegen unsere anderen Engagements, vor allem auch in Afrika, in irgendeiner Weise einstellen dürfen“.

Und wie geht es mit seinem persönlichen Engagement für Afrika weiter? Vor kurzem wurde Prinz Ludwig 40 Jahre alt und hat sich verlobt. Und dann ist da noch seine Familie, das Haus Wittelsbach. Zurzeit steht er an vierter Stelle der Thronfolge, und es ist sehr wahrscheinlich, dass er eines Tages die Führung übernehmen wird. Ob er dann noch Zeit hat für sein geliebtes Afrika? Die Antwort darauf fällt mehr staatsmännisch denn persönlich aus. Die Rolle der Wittelsbacher habe sich nie nur auf Bayern beschränkt, betont Prinz Ludwig. Auch für Afrika oder die Ukraine sehe sich das Haus Wittelsbach in der Verantwortung. Man verstehe sich als Teil der Zivilgesellschaft, der dabei helfe, Krisen zu durchzustehen und zu überwinden.

Noch ist es aber nicht soweit: Prinz Ludwig kündigt an, weiterhin regelmäßig in Afrika zu sein. Allerdings nicht mehr so lang wie früher. Bayern soll wieder der Lebensmittelpunkt des Afrika-Enthusiasten werden.

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de