Pastoralkonzept

In sieben Etappen zum Ziel

Was bedeutet es, Kirche in der Welt von heute zu sein? Ehren- und Hauptamtliche erarbeiten dazu ein Konzept.

Ein vollbesetztes Plenum zeigte das Interesse am „Weg des Pastoralkonzepts“.

Ebersberg – Mit einem gemeinsamen Nachmittag hat für Vertreter aus 60 Gemeinden der Weg zur Erstellung eines Pastoralkonzeptes begonnen. Judith Müller, Leiterin der Arbeitsgruppe „Pastoral planen und gestalten“, begrüßte rund zweihundert Ehren- und Hauptamtliche, die aus der gesamten Erzdiözese in den Alten Speicher nach Ebersberg gekommen waren. Neben der Information stand die Vernetzung im Mittelpunkt des bis in den Abend hineingehenden Treffens.

Manche Teilnehmer hatten eine rund zweistündige Anfahrt auf sich genommen. Aus der Seelsorgsregion Nord kamen doppelt so viele Frauen und Männer wie aus den Regionen Süd und München.

Was ist ein Pastoralkonzept? Wie geht das beziehungsweise wie können wir es vor Ort angehen? Diese Fragen bildeten das Grundgerüst der Veranstaltung. Die Erarbeitung, was es mit einem Pastoralkonzept auf sich hat, begann mit einem Austausch in Kleingruppen. Nicht überraschend waren die Antworten auf die Frage, bei welchen kirchlichen Veranstaltungen ein fiktiver Zwilling, der sich nicht kirchlich engagiere, dabei wäre. Bei niederschwelligen Angeboten wie Pilgerwanderungen und den Oster- oder Weihnachtsgottesdiensten lauteten einige der Antworten.

Kirche in der Welt von heute sein

Ein Pastoralkonzept hilft also Pfarrverbänden und Pfarreien zu entdecken, was es bedeutet, Kirche in der Welt von heute und zu allen Menschen gesandt zu sein. Sieben Wegetappen sollen die Verantwortlichen zu Entscheidungen führen, wie die Präsenz der Kirche vor Ort gegenwartsfähig und zukunftsoffen aussehen kann. Am Beginn steht die Aktivierung der geistlichen Kräfte. Es gilt, mit der Bibel ins Gespräch zu kommen. Die Leitfrage lautet: In welchem biblischen Text, in welchem Bild, in welcher Szene aus dem Alten oder Neuen Testament ist etwas von der Situation und dem Auftrag der Kirche heute und der jeweiligen Pfarrei zu entdecken? Nachdem dieses Bild in einem Prozess gefunden wurde, muss zweitens der „Aufbruch“ vorbereitet und begonnen werden.

Als dritte Wegetappe steht der Blick auf den Sozialraum an, also auf die abnehmende Zahl von Kirchenmitgliedern, die älter werdende Bevölkerung, die fehlenden Wohnungen, die Weitung der Schere zwischen Arm und Reich – um nur einige Herausforderungen der nächsten Jahre zu nennen. Die Analyse zeigt unterschiedliche Querverbindungen genauso wie blinde Flecken, zum Beispiel Orte, die wir als Kirche nie oder selten aufsuchen, Orte, zu denen wir – aus welchen Gründen auch immer – keinen Zugang haben. Der Blick für „die Menschen in den Beziehungen ihres konkreten Lebens und Zusammenlebens vor Ort“ soll geschärft werden, wie es die ausgeteilte Arbeitshilfe „Den Weg des Pastoralkonzeptes gemeinsam gehen – ein Routenplaner“ beschreibt.

Gemeinsamer Abschluss

Die vierte Etappe trägt die Überschrift „Wirksam sein – Charismen und Ressourcen entdecken“. Der fünfte Schritt dient der Reflexion über das bisher Erreichte, ehe in einer weiteren Etappe Entscheidungen für das zukünftige Handeln fallen und konkret umgesetzt werden. Die siebte und letzte Etappe des Prozesses dient dann der Ergebnissicherung und einem gemeinsamen Abschluss.

Auf einer Erzbistums-Karte markierten die Teilnehmer „ihre“ Seelsorgeeinheit mit Farbe.
Auf einer Erzbistums-Karte markierten die Teilnehmer „ihre“ Seelsorgeeinheit mit Farbe. © John

Im Anschluss an die Einführung hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, in einem „Wandelplenum“ ihre Sicht der Dinge auszutauschen: Auf Stellwänden konnten schriftlich Einschätzungen zurückgelassen werden. Themen waren etwa, was die jeweilige Pfarrei am Pastoralkonzept reize oder warum man es vor Ort ganz anders angehen müsse. Die vorgegebene Zeit wurde nicht nur zum Schreiben, sondern auch zum Austausch genutzt.

„Fang ma einfach an!“

Im Resümee zu den Stellwänden kam immer wieder der Wunsch nach einer Austauschplattform zur Sprache sowie danach, die Fragen und Erfahrungen aus dem bereits absolvierten Pilotprojekt auch für Neulinge zugänglich zu machen. Dazu war jedoch von Seiten der Verantwortlichen, zu denen auch die Regionalteams der Weihbischöfe gehören, wenig Bereitschaft zu erkennen, weil jeder Prozess individuell verlaufe. „Machen Sie sich mit dem, was da ist, im eigenen Tempo mit ihren Leuten und ihren Themen auf den Weg“, lautete Müllers Empfehlung. Eine Teilnehmerin drückte es so aus: „Fang ma einfach an!“ Der starke Beifall zeigte, dass sie damit richtig lag.

Zwei weitere Nachmittage dieser Art folgen, um die Begleitung auf dem Weg zu gewährleisten. Wenn auch der Abschied von manch Gewohntem ansteht, so zeigte die Auftaktveranstaltung deutlich: Es gibt sie noch – die engagierten Christen, die Lust haben, über die Gestalt der Kirche in der Zukunft nachzudenken! (Markus John)