Nach zehn Jahren Renovierung

Hohenpeißenberg glänzt

Das Juwel im Pfaffenwinkel erstrahlt in neuem Glanz. Nach drei Jahren Renovierungszeit ist am Kirchweihsonntag die Wallfahrtskirche auf dem Hohenpeißenberg wieder eröffnet worden. Dabei verriet Weihbischof Wolfgang Bischof ein bislang gut gehütetes Geheimnis.

Der Blick ist atemberaubend. © Kiderle

Hohenpeißenberg – Als sie zum ersten Mal erklingt, drehen sich gleichzeitig gut dreihundert Köpfe nach oben. Es ist ein ganz besonderer Moment, denn diese ersten Töne der neuen Orgel am Kirchweihsonntag symbolisieren das Ende der über zehnjährigen Generalsanierung der Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt, der Gnadenkapelle und der Glocke auf dem Hohenpeißenberg (wir berichteten).

Die neue Orgel fesselt mit ihrer sehr großen Fülle an Klangfarben. Einige Gottesdienstbesucher haben Tränen der Freude in den Augen. Und auch Weihbischof Wolfgang Bischof, der die neue Orgel segnet, schwärmt von der „Königin der Instrumente“. „Sie nimmt uns immer mit und unterstützt uns in unserem Flehen und unseren Gesängen.“ In seiner Predigt nimmt der Weihbischof den Gedanken noch einmal auf. Gott lasse sich nicht an einem Ort festmachen, „die Erde ist wie ein Schemel unter seinen Füßen“. „Gott ist nicht fassbar“, sagt Weihbischof Bischof, „aber wir Menschen brauchen diese Räume, wir brauchen diese Orte, damit unser Herz zur Ruhe kommt.“ Und Musik erfülle diese Räume, „nimmt uns mit in all unseren Stimmungslagen“, betont er. Musik sei ein wunderbares Geschenk.
Widersprechen will da keiner in Hohenpeißenberg. 1.134 Pfeifen, dazu spanische Trompeten, sorgen für einen außergewöhnlich schönen Klang – des Raumes und des Gehäuses entsprechend eher barock orientiert. 370.000 Euro hat das neue Klangwunder gekostet. Diese Summe hat, bis auf 8.000 Euro Staatszuschuss, der „Förderverein der Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt“ zusammengetragen. Dessen erster Vorsitzender Rupert Weingartner hat 21 Jahre lang die Trommel gerührt und unermüdlich Spenden, Zuschüsse, Zuwendungen gesammelt. Nicht nur für die Orgel, auch für die Renovierung der Gnadenkapelle „Unserer Lieben Frau“ (2005 bis 2012) und der Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt (2013 bis 2016). Die Generalsanierung von Gnadenkapelle und Wallfahrtskirche belaufen sich auf insgesamt etwa 4,5 bis 5 Millionen Euro. 1,6 Millionen Euro hat der Förderverein gestemmt. Die Gnadenkapelle mit dem spätgotischen Gnadenbild und wunderschöner Rokokoausstattung in den Farben Rosa und Weiß mit viel Gold ist seit 1514 der Magnet für Wallfahrer im Pfaffenwinkel.

In der gleich angrenzenden Wallfahrtskirche wurden Lichtanlage und Beschallung erneuert, die Emporen restauriert, Ölgemälde farblich aufgefrischt, ebenso die Decke. Und natürlich die Heiligenfiguren wurden wieder hergerichtet, sie kamen erst einen Abend vor der feierlichen Wiedereröffnung wieder an ihren Platz. „Sie ist wunderschön“, freut sich eine Hohenpeißenbergerin. „Ja, die lange, mühevolle Arbeit hat sich gelohnt“, nickt ein anderer. Einer ist „ein bisschen stolz, aber vor allem dankbar, dass wir das geschafft haben“. Rupert Weingartner geht noch einmal durch die Kirche, überprüft alles, begrüßt die ersten Gäste – bevor er am großen Kirchenzug mit Knappschafts- und Trachtenkapelle, Politikern und Prominenten vom Pröbstlsberg zur Wallfahrtkirche zieht. „Auf diesen Tag habe ich 21 Jahre hingearbeitet, das ist ein Tag voller Freude“. Für sein langjähriges Engagement ist Rupert Weingartner heuer mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Und auch der Erste Bürgermeister Thomas Dorsch (CSU) freut sich über das Ergebnis jahrelanger Arbeit. „Es ist ein schöner Tag“, lächelt er, „ich freue mich über viele Details, die mit großen Aufwand restauriert und renoviert worden sind.“ Und gibt dann zu, dass er am Vorabend doch noch etwas nervös gewesen sei, als die letzten Heiligenfiguren noch frisch restauriert in der Kirche ankamen. Nur einer ist etwas wehmütig. Pfarrer Hans Speckbacher wechselt nach rund sechs Jahren Ende Dezember zum Pfarrverband Garching-Engelsberg. Und Weihbischof Wolfgang Bischof hält für die meisten Hohenpeißenberger eine Überraschung parat. „Ich kehre heute zu meinen familiären Wurzeln zurück“, verrät der 55-Jährige, „als Kind habe ich in Hohenpeißenberg oft die Ferien bei meiner Tante verbracht.“ Er habe damals nicht zu träumen gewagt, diese wunderschöne Feier begehen zu dürfen. Später sagt Weihbischof Bischof der Münchner Kirchenzeitung, dass ihm die renovierte Kirche sehr gut gefalle und bereits von der Gnadenkapelle so begeistert war. „Ich will die Kirche aber noch fünf Minuten in Ruhe auf mich wirken lassen.“ Es sei ein wundbares geistliches Fest gewesen. Und er erinnert noch an die Worte von Kardinal Reinhard Marx, der vor zwei Jahren die Glocke in Hohenpeißenberg gesegnet hat. „Wie kann man hier Atheist sein?“ Der Kardinal meinte damals nicht nur Gnadenkapelle und Wallfahrtskirche, sondern auch dieses schöne Fleckchen Erde mit dem atemberaubenden Blick auf das Voralpenland und die Alpenkette. (Susanne Hornberger)