Inklusion

Hemmschwellen abbauen beim Maltacamp in Ettal

Menschen mit und ohne Behinderung zusammen im Ferienlager: im Maltacamp in Ettal ist das völlig normal.

Begrüßung der Teilnehmer im Maltacamp

Ettal/München – Es ist wahrscheinlich das weltweit größte Sommerlager für Menschen mit Behinderung: das internationale Maltacamp der Gemeinschaft junger Malteser. Jedes Jahr findet das Lager-Event in einem anderen Land statt. Dass dieses Mal das Kloster Ettal in den Ammergauer Alpen zum Austragungsort auserkoren wurde, ist ein glücklicher Zufall, erklärt Camp-Leiterin Amelie von Aulock. Weil das für 2019 vorgesehene Land kurzfristig abgesagt hat, darf nun die deutsche Assoziation des Malteserordens das Treffen ausrichten.

Kein leichtes Unterfangen, meint von Aulock. Denn eigentlich seien für die Vorbereitung eines Sommerlagers drei Jahre vorgesehen. Für das Camp in Ettal blieben gerade einmal 15 Monate. Für diese Aufgabe hat von Aulock ihren Job gekündigt und arbeitet nun Tag und Nacht als einzige Hauptamtliche für die rund 500 Teilnehmer aus 25 Ländern, die ab dritten August das Gymnasium der Ettaler Benediktiner für eine Woche in Beschlag nehmen werden. Dabei kommt ihr zugute, dass sie aus der Gegend stammt und selber Schülerin in Ettal war. Außerdem steht ihr bei dieser Herkulesaufgabe Maximilian von Teuffel zur Seite, der neben seinem Beruf als Unternehmensberater zurzeit jede freie Minute in die Camp-Vorbereitungen investiert.

v.l.: Amelie von Aulock, Maximilian von Teuffel © SMB/Hasel

In der Disko verschwinden die Vorurteile

Der Münchner war vor elf Jahren zum ersten Mal als Helfer bei einem Maltacamp dabei. Damals hat er sich nicht vorstellen können, dass man mit jungen Leuten, die behindert sind, ein klassisches Ferienlager mit Spiel und Spaß durchführen kann, berichtet von Teuffel. Bei der allabendlichen Lager-Disko habe er seine Meinung aber schnell geändert. Er habe seinen Augen kaum getraut, als er am Rand der Tanzfläche leere Rollstühle gesehen hat. Die gehbehinderten jungen Leute hätten wie selbstverständlich getanzt, einige sogar ohne die Hilfe ihrer Betreuer. Das Disko-Erlebnis habe alle seine Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderung auf einen Schlag beseitigt, erzählt von Teuffel. Seitdem engagiert er sich im Maltacamp, dieses Jahr organisiert er die Fahrdienste und ist stellvertretender Camp-Leiter.

Behinderte sind Menschen wie du und ich

So wie Maximilian von Teuffel ginge es vielen, die als Helfer eine Woche lang von früh bis spät mit ihren behinderten Gästen zusammen sind, bestätigt von Aulock. Hemmschwellen gegenüber diesen Menschen abzubauen sei ein wichtiges Ziel im Maltacamp, „dass man feststellt, das ist ein Mensch wie du und ich, wir können zusammen Freude haben und das Leben genießen“. Dafür nehmen beide auch die ein oder andere schlaflose Nacht gerne in Kauf, die es bei den intensiven Vorbereitungen für das Camp in den nächsten Wochen sicher noch geben wird.

Spenden fürs Maltacamp

Das Maltacamp wird auf Spendenbasis finanziert. Online-Spenden sind jederzeit über die Homepage des Camps möglich.

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de