Jerusalemer Grabeskirche wiedereröffnet

Heiligste christliche Baustelle

Nach einem Jahr Restaurierung wurde die Grabeskirche in Jerusalem wiedereröffnet. In den letzten Monaten gab es dabei einige historische Momente.

Die renovierte Kapelle über dem Heiligen Grab hat in ihrer Geschichte viele Baueingriffe erlebt. © KNA

Jerusalem – Die Grabeskirche in der Jerusalemer Altstadt zählt zu den wichtigsten Orten der Christenheit. Christen verehren dort den Ort der Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung Jesu. Orthodoxe Christen sprechen deshalb auch nicht von Grabeskirche, sondern von Auferstehungskirche (Anastasis). Jährlich ist sie Ziel Hunderttausender Besucher. Nach knapp einem Jahr Restaurierung wurde die Kapelle über dem Heiligen Grab vor kurzem wieder eröffnet.

„Ein historischer Moment“, erläutert Antonia Moropoulou, die wissenschaftliche Baustellenleiterin aus Athen. Solche hat es in den vergangenen Monaten mehr gegeben als in den Jahrzehnten zuvor: Da ist die historische Einigung der drei Kirchen, die sich die Besitzrechte an dem Kapellchen teilen – und die entgegen ihrem eher schlechten ökumenischen Ruf auf einmal Einigkeit bewiesen. Da ist die Öffnung des Grabes im Innersten des Heiligtums, bei der, begleitet durch die exklusive Berichterstattung von „National Geographic“, erstmals seit mehr als 200 Jahren die Marmorplatte auf dem Grab Christi entfernt und eine zweite, von manchen Experten ins 7. Jahrhundert datierte Platte zum Vorschein kam. Und da ist die Entfernung des eisernen Korsetts, das seit dem Ende der britischen Mandatszeit das Gebäude vor einem Kollaps bewahrte. Erstmals seit 70 Jahren, sagt Antonia Moropoulou, stehe das Gebäude nun „frei und emanzipiert“.

Historische Momente passen zu dem kleinen Bau, der seit etwas mehr als zwei Jahrhunderten auf den Resten zahlreicher Vorgängerbauten das Allerheiligste der Christenheit umhüllt. Nach Erkenntnissen der modernen Archäologie spricht vieles dafür, dass Jesu Grab auf dem Gelände der Kirche gelegen haben kann. Anders als heute lag das Grundstück vor 2.000 Jahren außerhalb der Stadtmauern. Die erste Kirche an dieser Stelle wurde unter Kaiser Konstantin im Jahr 335 geweiht. Nach Zerstörungen im 7., 11. und 19. Jahrhundert kam es jeweils zu Wiederaufbauten und Ergänzungen. Dabei entstand ein unübersichtliches Gewirr aus kleineren Kirchen, Kapellen und Anbauten, in denen der einzelnen Ereignisse der biblischen Berichte gedacht wird.

Prägend für den heutigen, überwiegend hellenistischen Baustil waren Veränderungsmaßnahmen im 12. und im 19. Jahrhundert, nachdem 1808 ein Feuer die Rotunde über der mutmaßlichen Grabstelle zerstörte. Insgesamt erstrecken sich die Gebäudepartien über eine Fläche von etwa 100 mal 120 Metern; nicht alle sind zugänglich. Die Grabeskirche ist heute gemeinsamer Besitz verschiedener Konfessionen. Die größten Teile entfallen auf griechisch-orthodoxe, westlich-katholische (lateinische) und armenisch-orthodoxe Christen. Wenige Partien gehören koptischen, syrischen und äthiopischen Orthodoxen.

Immer wieder gab es zwischen den Konfessionen Streit um Ausgestaltung oder Nutzung des Gotteshauses. Deshalb schreibt seit 1852 ein von den damals osmanischen Machthabern erlassener sogenannter Status quo die jeweiligen Ansprüche fest. (KNA)