Bibliotheken wieder geöffnet

Gute Nachricht für ausgehungerte Leser

Der Katholische Fachverband Sankt Michaelsbund betreut 1100 katholische öffentliche Büchereien, die seit Woche wieder öffnen dürfen. Sie müssen sich allerdings an strenge Auflagen halten.

Lesevirus trotzt Coronavirus: Elvira Herfurtner freut sich, dass sie die Bücherei in Kirchheim wieder aufsperren darf und schützt sich mit Plexiglas vor Tröpfcheninfektionen. © Kiderle

Kirchheim b. München - Elvira Herfurtner putzt noch einmal die Schutzscheiben, die vor der Buchausgabe montiert sind. Die über Eck gebauten, jeweils einen Quadratmeter großen Teile aus Plexiglas schützen die Leiterin der Michaelsbund-Bücherei in Kirchheim bei München und ihre sieben Mitarbeiterinnen vor einer Tröpfcheninfektion mit dem Coronavirus. Gleich nach der Schließung im März hat sie mit ihren Kolleginnen bereits die Wiedereröffnung der Bücherei vorbereitet und seit dieser Woche ist es endlich so weit. Bei den Schutzscheiben hatte sie besonderes Glück: „Ein Messestandbauer hatte noch einige Exemplare aus stornierten Aufträgen übrig und hat uns die zu einem fairen Preis verkauft und angebracht.“ Auf dem freien Markt seien die Preise für Plexiglas dagegen enorm in die Höhe geschossen und die Lieferzeiten manchmal lang.

Verbotsschilder und ein abgesperrter Kaffeeautomat

Natürlich stehen auch schon Desinfektionstücher oder Gesichtsmasken bereit. Genauso sind in der Bücherei bereits in den vergangenen Wochen die Sicherheitsabstände und Wegführungen markiert worden. Entliehene Bücher CD´s oder Computerspiele müssen die Kunden in Papier- oder Plastiktüren am Eingang zurück geben. Anschließend bleiben die Medien drei Tage lang in Quarantäne. Erst danach desinfiziert sie das Büchereiteam und stellt sie in die Regale zurück. Länger aufhalten dürfen sich die Kunden nicht. Sich gemütlich hinzusetzen, um in Zeitungen und Zeitschriften zu blättern und auch noch einen Kaffee zu trinken, so wie früher, das ist nicht zugelassen. Auf den einladenden Sesseln sind Verbotsschilder angepinnt und der Kaffeeautomat ist mit rotweißen Absperrbändern verschnürt.  „Wir halten uns da streng an die Vorgaben und Empfehlungen des Wissenschaftsministeriums, des Sankt Michaelsbundes und der Gemeindeverwaltung“, erklärt Elvira Herfurtner. Trotz solcher Einschränkungen fieberten die Kirchheimer Bürger der Wiedereröffnung schon regelrecht entgegen. Am ersten Öffnungstag stehen die Kunden brav im Abstand von eineinhalb Meter vor der Eingangstür und tragen Gesichtsmasken. Elvira Herfurtner trägt ebenfalls einen Mund- und Nasenschutz und gibt jedem Eintretenden einen desinfizierten Korb in die Hand, in den die ausgeliehenen Medien kommen. Ebenso achtet sie darauf, dass sich nicht mehr als fünf ausgehungerte Leser gleichzeitig in den Räumen aufhalten.

"Lesen ist für mich alles"

Trotz der Einschränkungen sind sie froh, überhaupt wieder in die Bücherei gelassen zu werden. „Mir ist das wichtiger, als etwa ein Restaurant“, sagt eine ältere Dame, „denn Lesen ist für mich alles, ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ein Mensch ohne Lesen leben kann.“ Auch eine Mutter ist froh, dass sie sich und ihre sechsjährige Tochter wieder mit Lesestoff versorgen kann: „Wir brauchen dringend Nachschub und es kehrt durch die Büchereiöffnung auch wieder etwas Normalität in den Alltag zurück.“ Wer den Weg scheut, also etwa Senioren oder Menschen mit Vorerkrankungen, kann in Kirchheim Bücher auch schriftlich bestellen und bekommt sie sogar ins Haus geliefert.  Inzwischen hat Elvira Herfurtner die ersten Kunden schon wieder durch die Ausgangstür am anderen Ende der Bücherei gelotst, damit sie nicht an den Menschen vorbeimüssen, die in einer Schlange am Eingang stehen. Sie nimmt die Körbe in Empfang und wischt mit Desinfektionsmittel darüber. Was sie für den Büchereibetrieb in Coronazeiten so braucht, kann sie über den Sankt Michaelsbund bestellen.

Bücherei ist Kulturgut am Ort

Der hat eine eigene Bestellseite im Internet eingerichtet und liefert Schutzhandschuhe, Schutzmasken oder Flächendesinfektionsmittel direkt ins Haus. Ebenso hat der katholische Landesfachverband Hinweisschilder zum kostenlosen Herunterladen und einen Leitfaden ins Netz gestellt. Dort finden die rund 12 000 weitgehend ehrenamtlichen Mitarbeiter alle Vorschriften und Hinweise, wie sie sich selbst und ihre Kunden am besten vor einer Infektion mit Covid 19 schützen können. „Wir haben es kaum noch abwarten können, dass wir wieder aufmachen dürfen“, sagt Elvira Herfurtner. Die Menschen bräuchten wieder etwas Neues zum Lesen, und endlich etwas Abwechslung, besonders Familien mit kleinen Kindern. „Die Bücherei gehört einfach zum gesellschaftlichen und kulturellen Leben am Ort dazu.“ Und nicht nur in Kirchheim ist sie in den vergangenen Monaten schmerzlich vermisst worden.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

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Beitrag im Münchner Kirchenradio zum Nachhören