Alpha-Kurse

Glauben für Einsteiger

Jesus ist der Bruder von Maria. In der Kirche tragen Männer Frauenkleider. Diese Aussagen würden unter Christen Kopfschütteln verursachen. Doch es gibt viele Menschen, die von Glaube, Religion und Kirche keine Ahnung haben. Sogenannte "Alpha-Kurse" erklären, was es bedeutet Christ zu sein.

Koordinator Johannes Seidel informiert über Alpha-Kurse (Bild: Gradl)

München - Jesus  ist  der  Bruder  von  Maria. In der Kirche tragen die Männer Frauenkleider. An Weihnachten feiert man die Auferstehung Jesu. Sie runzeln die Stirn? Zu Recht. Doch nur, weil Sie es besser wissen. Dennoch gibt es Menschen, die von Glaube, Religion und Kirche wenig oder gar nichts wissen. Wie kann man diesen Menschen vermitteln, was es heißt, Christ zu sein, was es bedeutet, die Kommunion zu empfangen, oder schlicht nur, wer Jesus ist? Ein Versuch sind die  „Alpha-Kurse“.  Also Glaubenskurse für Menschen, die in Sachen Religion und Glauben keine oder nur sehr wenig Ahnung oder Erfahrung haben.

Ein Alpha-Kurs besteht aus zehn Abenden, die sich wiederum in drei Teile gliedern. Der Kurs beginnt mit einem Essen. „Natürlich  können Sie auch  Mineralwasser  und  Kekse hinstellen – aber durch ein gutes Essen drücken Sie Liebe und Wertschätzung aus“, erklärt Frank Weigert den potentiellen Gastgebern. Der Pastor der Agape-Gemeinschaft veranstaltet regelmäßig sogenannte Trainingstage. Hierbei bringt er Interessierten das Konzept von Alpha näher und unterstützt Organisatoren beim Ausrichten eines Alpha-Kurses in ihrer Gemeinde. Der zweite Teil des Abends beinhaltet einen Vortrag über ein Glaubensthema.  Beispielsweise spricht eine Expertin oder ein Experte zu  Fragen  wie: „Wer  ist  Jesus?“, „Wie  glaubwürdig  ist  die  Bibel?“ oder „Beten, was soll das?“ Den dritten und letzten Teil eines Alpha-Abends bildet eine  moderierte Gruppendiskussion. Für Johannes Seidel,  Koordinator von Alpha für  Katholiken in Deutschland, ist dieser Teil der wichtigste. „Es ist ein Gespräch in Kleingruppen, in denen sich die Leute frei über das austauschen, was sie gehört haben, was sie empfunden haben, wo sie Schwierigkeiten haben“, erklärt er. Ein weiteres Element des Abends ist der obligatorische „Alpha-Witz“: Um  die  Atmosphäre  aufzulockern, wird jeden Abend ein Witz erzählt. Auch auf dem Trainingstag, der vor Kurzem  in  Garching  bei  München stattfand,  ermutigten  Frank  Weigert  und  Johannes  Seidel  zu  diesem  Punkt.  „Erzählt  Witze.  Wenn es  geht,  jeden  Abend. Eure Gäste werden es euch danken“, rät Weigert den rund fünfzig Interessierten im Pfarrsaal von St. Severin.

Das  Konzept  der  ökumenischen Alpha-Kurse  ist  ganz  einfach:  Die „Gäste“,  wie  die  Kursteilnehmer genannt  werden,  sollen  sich  wohlfühlen. Und bestenfalls kommen sie neun  weitere  Male.  Denn:  Es  gibt keine  verpflichtende  Anmeldung. „Der  Alpha-Kurs ist  ein  Freiheitskurs“, sagt Pastor Frank  Weigert. „Niemand soll etwas  denken  oder tun, was er nicht möchte. Und jederkann kommen, wann er will.“ Frank Weigert  und  Johannes  Seidel  veranstalten regelmäßig selbst Alpha-Kurse und  erklären  den  Teilnehmern  des Trainingstages  mit  vielen  Beispielen und Tipps aus der Praxis, was Alpha bedeutet und wo es herkommt.

Die Idee der Alpha-Kurse stammt aus England. Angefangen hat sie ein anglikanischer Priester Ende der 1980er Jahre. Gedacht   waren sie eigentlich  für die Gemeinde-Mitglieder zur Glaubens-Auffrischung. Über die Jahre haben sich die Kurse zu einem Mittel der Neu-Evangelisierung entwickelt. Johannes Seidel betont: „Alpha ist ein Evangelisationskurs, der jeden in seinem Glauben einen Schritt voran bringen soll.“ Die Glaubens- oder Basiskurse sind ökumenisch und werden sowohl von der katholischen wie von der evangelischen Kirche, aber auch von verschiedenen Freikirchen angeboten. „Ein Alpha-Kurs kann ein Einstieg – oder ein Wiedereinstieg in den Glauben sein“, erklärt Johannes Seidel. Die Rolle der Gastgeber beschreibt Pastor Frank Weigert mit einem klaren Satz: „Wir sind Gehilfen zur Freude – und  das  ist wunderbar.“ (Benedikt Gradl)