Kloster Beuerberg

Glaube bedeutet Heimat

Heimat definiert jeder anders. Für Alois Bierl ist es Glaube und Spiritualität.

Fast jeder Mensch will sie haben, auch wenn sie in einer bewegten und beweglichen Zeit schwer zu finden ist: Heimat. Mittlerweile gibt es sogar Heimatministerien. Ich finde das etwas unglücklich, wenn ein solcher Herzens- und Gemütsbegriff in die Verwaltungssprache einzieht. Denn es wird damit so getan, als könnten Beamte per Vorschriften und Gesetzen Heimat machen. „Der Staat schere sich fort, wenn wir unsere Heimat lieben“, hat Kurt Tucholsky einmal geschrieben. Und ich glaube, dass er Recht hat. Denn nur der einzelne kann im Verhältnis zu seiner Umgebung bestimmen, wo er sich nicht entfremdet und aufgehoben fühlt. Heimat muss nicht unbedingt dort sein, wo jemand seit Jahren seine Adresse hat. Der Begriff bedeutet viel mehr. Er hat auch mit der Sehnsucht nach Harmonie zu tun, nach dem Wunsch in sich zu ruhen, sicher und geordnet zu leben. Das werden Menschen nie vollkommen finden können. Denn sie sind darauf angelegt, ihren Horizont ständig zu erweitern, zu wandern und sich zu verändern. Wer Heimat nur mit Tradition und Bindung an die Scholle beschreibt, greift also zu kurz, der Begriff meint mehr als ein geliebtes Fleckchen Erde.

Glaube gehört zur Heimat

Im Kloster Beuerberg im Alpenvorland wird in dieser Woche eine besondere Ausstellung eröffnet. Sie trägt den Titel „Heimat: Gesucht. Geliebt. Verloren.“ Das Motto zieht mich an und auch der Ort. Denn ein Kloster ist fast immer ein wichtiges Moment für die Geschichte und damit auch die Identität einer Region. Aber damit erschöpft sich die Ausstellung nicht. Sie macht deutlich, dass Heimat auch etwas mit Glauben und Spiritualität zu hat. Beides macht sich oft an einem bestimmten Ort fest, aber sie sind nicht unlösbar daran gebunden, sondern werden anderswohin mitgenommen. Glaube und Spiritualität - das ist eine Heimat, die ich in mir finde. Etwas, das mich begleitet, weil es mir andere Menschen nahe- und beigebracht haben. Die Mutter, die mir zu ersten Mal die Hände zum Beten gefaltet, der Vater, der mir die Liebe zur Natur beigebracht oder der Onkel, der mir gezeigt hat, wie ich ein Weidenpfeifchen schnitze. Natürlich ist es wichtig, Heimat auch äußerlich zu erhalten. Wenn ein Gewerbegebiet und eine Straße nach der anderen die Landschaft zerschneidet, wird vertrauter Lebensraum zerstört. Aber für mindestens genauso schlimm halte ich es, wenn Menschen keine innere und vor allem keine religiöse Heimat finden, weil sie ihnen niemand mehr vermittelt.

Frömmigkeit ist nichts Starres

Etwas, das sie überall hinbegleitet, egal wo es sie hin verschlägt. Diese Glaubensvermittlung ist brüchig und droht schleichend abzureißen. Das hinterlässt Spuren und führt zu innerer Heimatlosigkeit. Eine Ausstellung wie in Beuerberg hilft, das bewusst zu machen und wenigstens persönlich etwas gegenzusteuern. Sie weist aber auch etwas Anderes hin: Dass Frömmigkeitsformen, die mir Halt und Heimat geben, nichts Starres sind. Gerade die Geschichte von klösterlichen Gemeinschaften macht das deutlich. Geistliches ist dynamisch, lässt sich nicht unverändert immer einfach weitertragen. Frömmigkeitsformen wollen behutsam behandelt, gepflegt und entwickelt werden, haben aber ihre Zeit, verschwinden und etwas Neues und Anderes tritt an ihre Stelle. Wer sich dem verschließt, mag vielleicht seine persönliche Heimat erhalten, aber wird sie nicht fruchtbar für andere werden lassen und weitergeben können. All das macht die Ausstellung in Beuerberg deutlich und schon allein deshalb ist sie einen Besuch wert.

 

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

Audio

Zum Nachhören

Kommentar im Münchner Kirchenradio