Erzbistum will Thema enttabuisieren

Generalvikar traf verheiratete Priester

Generalvikar Peter Beer hat erneut Priester getroffen, die ihr Amt aufgegeben und geheiratet haben. Damit soll die Sprachlosigkeit auf beiden Seiten überwunden werden.

Zwei Prälaten und zwölf verheiratete Priester: Generalvikar Peter Beer (erste Reihe links) sucht das Gespräch mit ehemaligen Pfarrern. Der frühere Caritas-Direktor Peter Neuhauser (zweite Reihe links) hat mit ihnen die Laudes gesungen.

Fürstenried – Aus der Kapelle des Exerzitienhauses Fürstenried dringen Gesänge auf den Gang. Es klingt nach Profis, die das kirchliche Morgenlob singen. Und es sind tatsächlich Priester, die hier miteinander beten. Auf dem Monitor neben der Pforte ist zu lesen: „Treffen verheirateter Pfarrer mit Generalvikar Beer“. Geistliche, die wegen einer Eheschließung ihr Amt niederlegen mussten, begegnen dem Verwaltungschef der Erzdiözese. „Allein dass das so offiziell dasteht, ist ein Zeichen, für das ich dankbar bin“ sagt einer der zwölf Teilnehmer.

Es ist bereits die vierte Begegnung dieser Art, mit der das Erzbistum das Thema „enttabuisieren“ möchte, wie der Generalvikar betont. Denn auf beiden Seiten herrscht oft Sprachlosigkeit, wenn ein Priester sein Amt aufgibt und heiratet. Die will Prälat Peter Beer überwinden helfen: „Denn auch wenn diese Priester aus dem Amt ausgeschieden sind, sind sie doch nicht aus dem Glauben ausgeschieden. Er würdigt die Bereitschaft dieser Männer, „sich weiterhin in das kirchliche Leben einzubringen“. Damit sind aber schwierige kirchenrechtliche Fragen verknüpft. Denn jeder Fall ist anders: offiziell dispensierten Priestern stehen andere Möglichkeiten offen als nicht dispensierten, und sie werden oft unterschiedlich ausgelegt.

"Hochemotionales Geschehen"

Edgar Büttner, der Sprecher des etwa 25-köpfigen Kreises, wünscht sich deshalb „größere Rechtssicherheit“, die nicht vom guten Willen einzelner Verantwortungsträger abhängig ist, etwa wenn es sich um ein ehrenamtliches Engagement verheirateter Priester in den Pfarreien oder um die Weiterbeschäftigung im kirchlichen Dienst handelt. „Wir wollen eine Teilnahme am kirchlichen Leben, die auch offiziell geregelt ist.“ Darüber hinaus gehe es oft um ganz lebenspraktische Fragen, wie die Nachzahlung von Rentenbeiträgen oder finanzielle Übergangshilfen beim Berufswechsel. Natürlich kommt im Gespräch mit Prälat Beer auch immer wieder der Schmerz zu Tage, eine Berufung und eine geliebte Arbeit aufgeben zu müssen, wenn ein Priester am Zölibat scheitert. „Das ist ein hochemotionales Geschehen für alle Beteiligten“, erklärt der Generalvikar. Die vielen Fragen seien nur Schritt für Schritt zu beantworten und dabei könne sich auch ein Generalvikar nicht gegen allgemeine kirchliche Gesetze wenden. In diesem Prozess einen guten menschlichen Umgang miteinander zu finden, sei eine Aufgabe, der sich die Erzdiözese stellen wolle.

Nicht selbstverständlich

„Wir merken dadurch, dass wir nicht abgeschrieben sind“, sagt Büttner und ergänzt, dass durch die Gespräche verheirateten Priestern in bedrängten Lagen bereits materiell und ideell geholfen werden konnte. Selbstverständlich ist ein solcher Austausch nicht. Nach Würzburg sei München und Freising erst die zweite Diözese in Deutschland, in der die Bistumsleitung regelmäßig Gespräche mit einem Kreis verheirateter Priester führt.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de