Münchner Benediktinerabtei

Generalsaniertes Konventgebäude von St. Bonifaz gesegnet

Nach fünf Jahren Sanierungsarbeiten segnete Kardinal Marx im Rahmen des Benediktsfests die neuen Räumlichkeiten. Die Neugestaltung brachte die Ursprungskonzeption wieder zum Vorschein.

Kardinal Marx und Abt Johannes Eckert bei der Segnung des generalsanierten Konventgebäudes von St. Bonifaz. © Kiderle

Der heilige Benedikt verlangt in seiner Regel, dass die Mönche in all ihrem Tun stets Gott verherrlichen mögen. Besonders, so erläuterte es Abt Johannes Eckert in seiner Begrüßung, gelte dieser Grundsatz auch für die Handwerker im Kloster: Deren Hände Arbeit seien echter „Gottesdienst“. So gesehen wurde in den vergangenen fünf Jahren in der Münchner Benediktinerabtei St. Bonifaz ein permanenter Gottesdienst gefeiert: So lange dauerte nämlich die Generalsanierung des Konventgebäudes.

Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft beim Benediktsfest

Mit einem Dankgottesdienst und der feierlichen Gebäudesegnung am vergangenen Montagnachmittag, dem Benediktsfest, ging die umfangreichste Baumaßnahme an der Abtei seit dem notdürftigen Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg zu Ende. Die Kosten betrugen 22 Millionen Euro, elf Millionen haben die Benediktiner aus Eigenmitteln investiert, die andere Hälfte kam von Geld- und Sachspendern sowie großzügigen Zuschussgebern, darunter auch die Erzdiözese. Auch der Verein der „Freunde von Sankt Bonifaz“ hat unter seinem Vorsitzenden Christoph Hillenbrand ideell wie finanziell einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Generalsanierung geleistet.

Zum Dankgottesdienst mit Kardinal Reinhard Marx und dem bayerischen Benediktiner-Abtpräses Markus Eller aus Scheyern waren zahlreiche Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft erschienen, darunter Innenminister Joachim Herrmann (CSU), der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm als direkter Nachbar, Vertreter von benediktinischen Ordensgemeinschaften und für das Haus Wittelsbach in der Nachfolge des Abtei-Gründers König Ludwig I. Herzog Max in Bayern mit Ehefrau.

Kloster als Ort des Gott-Suchens und Gott-Findens

„Sind wir noch in Jesus Christus’ Spur?“ – diese Frage müssten sich die Kirche wie auch Klöster immer wieder stellen, so der Kardinal in seiner Predigt. „Alle Gemeinschaften der Kirche müssen immer Maß nehmen an dieser Gestalt des Mannes aus Nazareth.“ Er wünsche dem Kloster, „dass es ein Ort des Gott-Suchens und Gott-Findens ist, des Aufbrechens“. Es solle „aufmerksam machen, dass es Gott gibt, dass sich Himmel und Erde berühren, und Gottes Existenz bezeugen: Daraus entsteht Hoffnung.“ Und direkt an die Mönche gewandt sagte der Kardinal: „Möge es Ihnen lange geschenkt sein, dass die Menschen, die in diese Kirche und in dieses Kloster kommen, getröstet, gestärkt und ermutigt wieder in ihr Leben gehen können.“

In seinem Grußwort erklärte Innenminister Herrmann, es sei gut, dass man hier in die Zukunft investiert habe. St. Bonifaz sei „mehr als ein bloßes Gebäude“: „Es ist ein inspirierender Ort, der München geistig, kulturell und sozial bereichert.“

Generalsanierung orientiert sich an Ursprungskonzeption

Nach der Messe zogen Altardienst und Gläubige zum mit grünen Girlanden und Schleifen in den Kirchenfarben Gelb-Weiß geschmückten Pforteneingang. Dort sprach Landesbischof Bedford-Strohm einen Segen. Er wünschte, dass „dieses Haus ein Haus der Gegenwart Jesu Christi sei, in dem der Geist und die Liebe Jesu Christi spürbar sind“. Der Kardinal führte die Segnung mit Weihwasser und -rauch durch. Zum Schluss wurde „Großer Gott, wir loben dich“ von allen angestimmt.

Ziel der Generalsanierung durch die Architekten „Schnabel + Partner“ war es, das 1850 fertiggestellte Klostergebäude unter der Perspektive des Denkmal- und Brandschutzes grundlegend zu erneuern und instand zu setzen. Die Neuordnung der Räumlichkeiten orientiert sich an der Ursprungskonzeption von Architekt Georg Friedrich Ziebland (1800 – 1873). Die Sanierung hat diese für seine Planung charakteristische Durchlässigkeit der Stockwerke und die lichten, hellen Räume wieder zum Vorschein gebracht.

Klausur- und Gästebereich nun klar aufgeteilt

Die Gang-Böden sind mit Juramarmorplatten gepflastert, die Fassadenwände zu den neu gestalteten begrünten Innenhöfen erstrahlen nun statt wie bisher in Gelb in abgetöntem Weiß, Fenster und Türen sind in dunklem, edlem Holzbraun. Alle Zimmer sind nun mit Dusche und WC ausgestattet. Klausur- und Gästebereich wurden erstmals klar aufgeteilt: Im Westtrakt werden die Mönche leben, während sich im Osttrakt nun der abgeschlossene Bereich für die Gäste befindet. In diesem Bereich wird ab Herbst ein Teil der Zimmer einem interreligiösen Studienkolleg zur Verfügung stehen. Träger des Kollegs ist das Institut OCCURSO für interkulturelle und interreligiöse Begegnung. Für die Obdachlosenarbeit werden künftig im Erdgeschoss wieder Klosterküche, Lagerräume und Pfortenbereich genutzt werden können.

Nach der Segnung bestand Gelegenheit, in kleinen Führungen die sanierten Räume zu besichtigen und es sich bei Andechser Bier, Brezen, Leberkäs und Kartoffelsalat gut gehen zu lassen. Der eine oder andere studierte dabei auch die Festschrift, die gegen eine Spende an der Klosterpforte erworben werden kann.

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de