Verantwortung in der globalisierten Welt

Geld und Moral - Kunst und Ethik

"Wenn wir in die armen Länder der Welt reisen, müssen wir Stellung beziehen“, sagt die Autorin Ulla Lenze. In ihrem Roman "Die endlose Stadt“ schickt sie ihre Heldinnen Holle und Theresa nach Mumbai und nach Istanbul.

Ulla Lenze (Bild: Laura J. Gerlach)

Um Arm und Reich, Geld und Moral, Kunst und Freiheit, geht es in dem Roman. Holle, eine Foto-Künstlerin und Theresa, eine Journalistin, fragen beide auf ihre Art, in welchen Verhältnis sie als Reisende aus wohhabenden Ländern eigentlich zu denen stehen, die sich in Indien unter üblen Bedingungen durchs Leben schlagen. Und sie stoßen natürlich dort auch auf Landsleute, die Geschäfte machen. Und obendrein auch noch Kunst fördern. Außerdem verlieben sie sich und lieben sie natürlich auch.

"Literatur kann der Welt die richtigen Fragen stellen“, sagt Lenze. Holle vermittelt die Welt als Künstlerin. "War Kunst sozialkritisch, war sie keine Kunst mehr, sondern Botschaft. War sie autark, wurde sie höhnisch“, beschreibt Holle das Spannungsfeld zwischen Kunst und Ethik.Theresa ist Journalistin, sie schreibt Reportagen, die vom Leben in Mumbai erzählen. "Da hat sie noch eine andere soziale Verantwortung zur Armut dort Stellung zu beziehen als der Tourist, der dorthin reist, oder als ein Journalistenkollege, der über Wien und Venedig schreibt“, sagt Lenze.

Der Roman "Die endlose Stadt“ ist auch ein mitreißender Liebesroman. Holle verliebt sich in den „schönsten Türken der Welt“ Türken, in Celal und sie begegnet Wanka, dem Mäzen. Der reiche Unternehmer repräsentiert alles, was Holle ablehnt und doch kann sie sich nicht völlig von ihm lösen. Bei Celal hingegen findet sie intuitives Verstehen, Wärme und wortlose Nähe, die sie auffangen in ihrer Sucht alles zu reflekieren.

Ulla Lenze: Die endlose Stadt, Frankfurter Verlagsanstalt, 320 S., 19,90 €