Gesprächsangebot

Gefragte Telefonseelsorge

Durchklingeln, Mailbox oder wegdrücken – das alles gibt es bei der Telefonseelsorge nicht. Rund um die Uhr ist dort jemand zu erreichen. Im Erzbistum München und Freising wird jetzt eine weitere Dienststelle eröffnet. Denn: Die Nachfrage steigt. Die Gründe dafür sind vielschichtig.

Sie erreichen die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800/1110222.

München – Eine Nummer wählen und am anderen Ende der Leitung nimmt sich jemand ganz sicher Zeit, um zuzuhören. Das garantiert die Telefonseelsorge, ein Angebot der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland. Jährlich nehmen die hauptsächlich ehrenamtlichen Seelsorger über zwei Millionen Anrufe entgegen. Und die Nachfrage steigt, gerade in den letzten fünf Jahren, so Christian Braun. Er ist Diplom-Theologe und arbeitet seit über 20 Jahren bei der Telefonseelsorge im Erzbistum München und Freising. Die Gründe für den Anstieg seien vielschichtig. So würden durch die steigende Anzahl an Mobilgeräten mehr Menschen anrufen, sagt er im Interview mit mk online.

Vom Verlust des Arbeitsplatzes bis zur Einsamkeit

Ein weiterer Grund sei die Arbeitsmarktsituation: Die Arbeitsprozesse würden sich verdichten, die Menschen würden mehr gefordert und teilweise wegrationalisiert. Wenn die Arbeit als Identifikationsgrundlage wegfalle, habe das weitreichende Auswirkungen. Da würden Problembündel auftreten wie zum Beispiel, dass das Selbstwertgefühl sinke und die Menschen durch den Stress körperlich erkrankten. Die Telefonseelsorge versucht dabei zu helfen, den Fokus herauszuarbeiten. Außerdem würde die alternde Gesellschaft die Anruferzahl steigen lassen. Menschen, die älter und nicht mehr so mobil sind, würden vereinsamen, so Braun. Parallel dazu sind auch viele Familienangehörige mit der Pflege überfordert.

Telefonseelsorge ist ein Auffangnetz

Die Menschen brauchen vermehrt Hilfe. Doch die psychosoziale Versorgungsstruktur sei nicht mehr vorbildlich, so Braun. Viele psychosozialen Dienste hätten ihre Ressourcen eingeschränkt, es gebe zu wenig Personal. Viele Beratungsstellen hätten ab 17 Uhr zu und würden dann auf die Telefonseelsorge verweisen. Auch würden Psychotherapeuten in ihrer Urlaubszeit immer öfter die Nummer der Telefonseelsorge (0800/111 0 222) als Alternative nennen. Damit sei die Telefonseelsorge mittlerweile ein Auffangnetz in der Versorgungsstruktur, erläutert Braun.

Das Erzbistum München und Freising sucht noch ehrenamtliche Seelsorger. Informationen zur Ausbildung finden Sie auf der Homepage der Telefonseelsorge München.

Die Seelsorge am Telefon übernehmen hauptsächlich Ehrenamtliche. Sie nehmen sich Zeit für den Anrufenden und hören zu. Ihnen ist wichtig, die Menschen in ihrer jetzigen Situation aufzubauen und ihnen einen Perspektive aufzuzeigen. Sie würden dem Anrufenden deutlich machen, dass er mehr sei als sein Mangel oder seine Erkrankung, erklärt Braun. Sie ermutigen Menschen und beraten, so betont er, „für das Leben“. Letztlich verweisen die Seelsorger die Anrufenden auch an Beratungsstellen, die fachlich besser weiterhelfen können. Die Telefonseelsorge der Erzdiözese München und Freising reagiert auf den wachsenden Gesprächsbedarf von Hilfesuchenden mit der Eröffnung einer neuen Dienststelle im Dezember in Mühldorf am Inn – die Dritte im Erzbistum München und Freising. (kas)

Am 1. Dezember wird Weihbischof Wolfgang Bischof die neuen Räume der Dienststelle der Telefonseelsorge (Kaiser-Ludwig-Str. 15, Mühldorf) segnen. Zuvor findet um 16 Uhr eine Vesper in der Pfarrkirche St. Peter und Paul statt.