Hebammen-Mangel

Geburtshilfe soll mit Rekordbrief gerettet werden

Bundeskanzlerin Angela Merkel sollte sich unbedingt einen größeren Briefkasten zulegen. Demnächst erwartet sie nämlich weltrekordverdächtige Post.

Aufruf für den Weltrekord-Brief

München – Wer hier im Münchner Raum eine Hebamme sucht, sollte sich am besten direkt nach dem positiven Schwangerschaftstest darum kümmern. Sonst kann es nämlich schon zu spät dafür sein. Und das ist nicht nur die Situation im Erzbistum München und Freising. Solche Probleme gibt es in ganz Deutschland. Um darauf aufmerksam zu machen und um für eine sicherere Geburtshilfe zu kämpfen, läuft aktuell ein Weltrekordversuch. Geplant ist, den längsten Brief der Welt in Form einer Schriftrolle als Weckruf an die Politik ins Bundeskanzleramt zu schicken: „So zwingen wir die Politiker in diesem Land dazu, den Notstand in der Geburtshilfe endlich wahrzunehmen und zu handeln“, schreiben die Initiatoren auf ihrer Homepage "storchenfonds.org".

Hebamme Stephanie Struthmann
Hebamme Stephanie Struthmann © Peter Braun

„Tolle Idee“

Im Klinikum Dritter Orden in München stößt die Aktion auf positive Resonanz. Hebamme Stephanie Struthmann freut sich zwar einerseits über steigende Geburtenzahlen in Deutschland, auf der anderen Seite habe man aber Klinikschließungen und Hebammenmangel. Die Briefaktion hält sie für eine gute Möglichkeit, „um von Seiten der betroffenen Eltern richtig deutlich und eigentlich auch mit einer tollen Idee darauf hinzuweisen.“

Gesamte Geburtshilfe betroffen

Gleichzeitig betont Struthmann aber auch, dass es nicht nur im Arbeitsfeld der Hebammen Änderungsbedarf gebe, sondern im gesamten Bereich der Geburtshilfe, was die derzeitige Versicherungspraxis betrifft. Denn im schlimmsten Fall muss ein Geburtshelfer selbst mit seinem Privatvermögen haften, wenn bei Schadensfällen die Versicherungssumme nicht ausreicht. Alle Geburtshelfer, auch Ärzte, sollten über einen Fonds abgesichert werden, wenn es zu einem Schadensfall kommt, so Struthmanns Forderung.

Chefarzt Dr. Franz Edler von Koch
Chefarzt Dr. Franz Edler von Koch © Peter Braun

Auch der Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe im Klinikum Dritter Orden, Dr. Franz Edler von Koch, stimmt der Hebamme zu. Er wünscht sich von der Politik, dass das Thema Haftung in der Geburtshilfe „auf neue Beine gestellt wird, weil das im Moment in der freien Versicherungswirtschaft nicht gut aufgehoben ist.“

Ziel sind fünf Kilometer

Auch auf diese Problematik will der längste Brief der Welt aufmerksam machen. Mitmachen kann jeder. Einfach einen handschriftlichen Brief auf einer oder mehreren DIN A4-Seiten verfassen. Es kann ein Wutbrief über die derzeitigen Zustände oder ein Dankesbrief an die Hebammen sein, aber auch ein persönlicher Geburtsbericht oder alles, was man rund um die Geburtshilfe schon immer loswerden wollte. Den Brief dann per Post versenden, dann wird er mit den anderen verklebt. Das Ziel sind fünf Kilometer Brief, knapp die Hälfte ist aktuell schon erreicht. (Lydia Jäger)