Ordensfrauen und ihre Vision von Kirche

Frauen sollten alle Ämter und Funktionen in der Kirche offenstehen

Alle Ämter und Funktionen in der Kirche sollten auch für Frauen geöffnet werden. Das wünscht sich Schwester Karolina Schweihofer. Sie und andere Ordensfrauen beten am kommenden Donnerstag in der Münchner Fußgängerzone für Erneuerung in der Kirche.

Sr. Karolina Schweihofer (links) bei einer Frauenrechtsdemo Anfang des Jahres auf dem Münchner Marienplatz.

München – „Am 22. Juli letzten Jahres war ich mit Mitschwestern bei der großen Demonstration unter dem Motto ‚Ausgehetzt – Gemeinsam gegen eine Politik der Angst‘. Wir haben dort eine Tutzinger Missionsbenediktinerin getroffen und uns überlegt, wie wir Ordensfrauen uns engagieren können“, schildert Sr. Karolina Schweihofer die Entstehungsgeschichte der „Ordensfrauen für Menschenwürde“ in München. Die 59-Jährige, die Hausleiterin der Gemeinschaft in der Linderhofstraße ist sowie Stellvertretende Generalleiterin, schrieb dann über die Vereinigung der geistlichen Schwestern andere Ordensgemeinschaften an. Die Armen Schulschwestern, die Kleinen Schwestern, die Congregatio Jesu, die Kongregation der Helferinnen, die Dominikanerinnen von Schlehdorf und auch die Tutzinger Missionsbenediktinerinnen meldeten sich bei ihr. „Uns ist es unter anderem wichtig, einer aufgeheizten Stimmung der Ausgrenzung und der Angst die Botschaft des Evangeliums entgegenzusetzen“, betont sie mit Entschiedenheit.

Große Betroffenheit

Nun laden die „Ordensfrauen für Menschenwürde“ am 11. April zum Gebet. Im Fokus steht dabei die innerkirchliche Erneuerung. „Mir fehlen manchmal die Worte und ich schäme mich sehr, wenn ich höre, was Kindern, Jugendlichen und Frauen, auch Ordensfrauen, von einzelnen Männern in der Kirche angetan wurde“, bekennt Sr. Karolina Schweihofer. Nach der Aufdeckung der Missbrauchsfälle gehe es diesmal um die Menschenwürde der Frauen in der Kirche. Deshalb treten die Ordensfrauen nun nach vorne, um für ihre Vision von Kirche einzutreten. Die Ordensfrauen für Menschenwürde wünschen sich „eine Kirche für die Menschen und mit den Menschen“. Dazu gehörten andere Strukturen und ein anderer Umgang mit dem Thema Macht, das in einer hierarchischen geprägten Gesellschaft wie der Kirche immer eine große Rolle spiele. „Alle Ämter und Funktionen in der Kirche sollten auch für Frauen geöffnet werden“, wünscht sich Schweihofer. „Wenn die Zeit reif ist, dann ist sie jetzt dafür reif. Ich liebe meine Kirche, aber ich mag sie mitgestalten.“

Seelsorge für und mit den Menschen

Sr. Karolina hat die Vision einer Kirche, in der Menschen die Weihe empfangen, die aufgrund ihrer persönlichen Entwicklung und ihres Charismas dafür geeignet sind – unabhängig von ihrem Geschlecht. „Es gibt auch Frauen, die nicht für die Weihe geeignet wäre“, gibt sie zu bedenken. Die Glaubwürdigkeit der Kirche hängt ihrer Ansicht nach von den Persönlichkeiten in den Ämtern ab. Keinesfalls dürfe man alle Priester unter „Generalverdacht“ stellen. „Unter ihnen gibt es viele, die hervorragende Arbeit leisten und eine gute Motivation haben.“ Sie bedauert, dass die Kopplung des Amtes in der katholischen Kirche an den Zölibat und das männliche Geschlecht dazu führe, dass immer weniger Priester immer größere Flächen „versorgen“ müssten, so dass die Arbeit kaum mehr zu leisten sei. „Besser wäre es, wir hätten kleinräumigere Seelsorgestrukturen und könnten dann als Seelsorgerinnen und Seelsorger mit den Menschen mitgehen.“ Gabriele Riffert

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Frauen und Kirche