Post vom Papst

Franziskus zu synodalem Weg

Die katholische Kirche in Deutschland will durch einen sogenannten synodalen Weg Veränderungen und Reformen erreichen. Nun hat das Kirchenoberhaupt in einem Brief dazu Stellung genommen.

Papst Franziskus mit Erzbischof Georg Gänswein (Archivbild)

Rom/Bonn  Papst Franziskus hat sich persönlich in die Reformdebatte der katholischen Kirche in Deutschland eingeschaltet. In einem am Samstag veröffentlichten Brief lobt er das Engagement und die Reformanstrengungen der deutschen Katholiken. Zugleich mahnt Franziskus die Einheit mit der Weltkirche an. Leitkriterium der Erneuerung müsse die Evangelisierung sein. In dem 28-seitigen Schreiben "an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland" macht der Papst Mut zum geplanten synodalen Prozess. Die Katholiken dürften sich durch den zunehmenden Verfall des Glaubens auch in traditionell katholischen Gebieten nicht entmutigen lassen. Franziskus warnt jedoch davor, die Kirche als Organisation zu verstehen, die man allein über Strukturdebatten, eine bessere Verwaltung und einen perfekten Apparat verändern könnte. In dem in Bonn und Rom veröffentlichten Schreiben äußert sich das Kirchenoberhaupt nicht zu konkreten Streitfragen, etwa der Priesterweihe für verheiratete Männer. Nicht eine Anpassung an den Zeitgeist, Umfragen und Medien dürften den Reformprozess bestimmen, betont Franziskus. Auch sei der Versuch nicht zielführend, zu alten Gewohnheiten zurückzufinden, die in anderen Zeiten einen Sinn ergeben hätten. Notwendig sei, "einen gemeinsamen Weg unter der Führung des Heiligen Geistes" zu beschreiten. "Evangelisieren bildet die eigentliche und wesentliche Sendung der Kirche", fügt der Papst hinzu. Sie führe dazu, die Freude am Christsein zurückzugewinnen.

Teilkirchen und Weltkirche aufeinander angewiesen

Der Papst ermuntert die Katholiken zu großer Offenheit gegenüber Nichtglaubenden und Menschen an den Rändern der Gesellschaft. Sie sollten "sich öffnen und hinausgehen, um unseren Brüdern und Schwestern zu begegnen, besonders jenen, die an den Schwellen unserer Kirchentüren, auf den Straßen, in den Gefängnissen, in den Krankenhäusern, auf den Plätzen und in den Städten zu finden sind". Mit Blick auf das Verhältnis der Kirche in Deutschland zur Gesamtkirche und den von den deutschen Bischöfen eingeleiteten "verbindlichen synodalen Weg" unterstreicht der Papst, Teilkirchen und Weltkirche lebten voneinander und seien aufeinander angewiesen. Das bedeute nicht, dass man nicht voranschreiten, ändern oder debattieren könnte. Wichtig sei aber die Perspektive, Teil eines Ganzen zu sein und die Einheit zu wahren. Die Ortskirchen seien vielfältig und hätten eigene Traditionen und Probleme. Der Blick aufs Ganze könne aber verhindern, dass man sich in begrenzten Fragestellungen verirre und den Weitblick verliere.

Weiteres Vorgehen wird demnächst festgelegt

Nach intensivem Ringen hatten die deutschen Bischöfe im März einen "verbindlichen synodalen Weg" beschlossen; sie reagieren damit unter anderem auf den Missbrauchsskandal und den massiven Vertrauensverlust. Bei dem Prozess unter Beteiligung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und externer Experten soll es um Themen wie Macht, Sexualmoral und die Lebensform der Priester gehen. Ein Forum zur Rolle der Frauen in der Kirche ist im Gespräch. Anfang Juli soll das weitere Vorgehen festgelegt werden. Eine erste große Runde soll Mitte September tagen.

Vertreter von Bischöfen und Laien ermutigt

Als Zeichen der Wertschätzung und der Ermutigung für die Katholiken in Deutschland haben die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) den Papstbrief zum "synodalen Weg" gewertet." Wir danken dem Heiligen Vater für seine orientierenden und ermutigenden Worte und sehen uns als Bischöfe und Laienvertreter eingeladen, den angestoßenen Prozess in diesem Sinn weiter zu gehen", erklärten der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und ZdK-Präsident Thomas Sternberg am Samstag in Bonn. Papst Franziskus wolle die Kirche in Deutschland bei ihrer Suche nach einer zukunftsfähigen Gestalt der Kirche unterstützen, so Marx und Sternberg. Es sei das zentrale Anliegen des Kirchenoberhaupts, die Kirche "weiterhin als eine starke geistliche und pastorale Kraft zu verstehen, die das Evangelium in die Gesellschaft hinein vermittelt und glaubwürdig verkündet". Diese Glaubwürdigkeit sei in den zurückliegenden Jahren erschüttert worden.
Marx und Sternberg betonten, dass der "synodale Weg" sich nicht in Strukturdebatten erschöpfen dürfe, sondern eine geistliche Ausrichtung benötige. "Für den vor uns liegenden Prozess mahnt uns Papst Franziskus zu einer neuen Art des Hörens aufeinander, damit wir uns als Teil der Weltkirche mit aller Kreativität, Spiritualität und Leidenschaft in den Dienst des Glaubens stellen." (KNA)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Synodaler Weg