20 Jahre Malteser Hospizdienst

Es wird viel gelacht

Susanne Sickinger betreut in ihrer Freizeit Menschen, die nicht mehr lange zu leben haben. Wie der Hospizdienst ihr Leben verändert hat, lesen Sie hier.

Hospizdienst schenkt Freude und steigert die Lebensqualität von Todkranken © Fotolia.com-Photograhee.eu

München – „Wenn man merkt, man kann es, muss man es machen“. So einfach erklärt Susanne Sickinger ihr Engagement in der Sterbe- und Trauerbegleitung. Seit drei Jahren ist die gelernte Arzthelferin ehrenamtliche Hospizhelferin bei den Maltesern. An ihren ersten Fall kann sie sich noch gut erinnern. Eine ältere Dame, die komplett vereinsamt war. Schnell schließt sie eine tiefe Freundschaft mit der Frau, die ihre letzte Lebensphase nicht im Krankenhaus verbringen wollte. Susanne Sickinger macht es möglich, dass sie zuhause sterben kann. „Da zu sein in so einer Situation, für jemanden, dem man auch so wichtig ist, das ist einfach unglaublich schön“. Natürlich sei sie auch betroffen gewesen, als die Frau schließlich gestorben ist. Wichtig sei, dass man das aber so stehen lassen kann und sein eigenes Leben normal weiterlebt.

„Es ist jedes Mal anders“

Gut zwei Stunden in der Woche verbringt Susanne Sickinger bei todkranken Menschen. Wenn sie in eine Familie kommt, hilft sie nicht nur den Sterbenden, sondern auch deren Angehörigen. Oft geht es dann um praktische Dinge wie eine Patientenverfügung oder eine Generalvollmacht. Denn gerade Familienmitglieder haben in der Regel unglaubliche Berührungsängste beim Thema Tod. Manchmal kümmert sie sich mehr um die als um die Sterbenden. „Man macht das, was gerade nötig ist. Es ist jedes Mal anders“, erzählt Sickinger. Das gilt auch für die letzten Wünsche, die an sie herangetragen werden. Einmal habe sie einen Patienten im Rollstuhl nach Maria Eich gebracht. Die Gottesmutter Maria sei für ihn ganz wichtig gewesen und er wollte da unbedingt noch einmal hin. Es können aber auch ganz banale Dinge sein wie Salbeibonbons. Aus einem Spezialladen im Tal habe sie die einem älteren Herrn besorgt, der das Altersheim nicht mehr verlassen konnte. Der habe sich darüber natürlich gefreut.

Sterbebegleitung schenkt Gelassenheit und Demut

So eine gute Stimmung ist in der Sterbebegleitung durchaus keine Seltenheit. „Es wird schon viel gelacht“, versichert Sickinger. Das wirkt sich auch auf sie selber aus. Als sie ihren Dienst als ehrenamtliche Hospizhelferin angetreten hat, meinten ihre Freundinnen, das werde sie nur traurig und bedrückt machen. Das Gegenteil sei aber der Fall. Sie sei viel bewusster und offener geworden, das hätten auch ihre Freundinnen gemerkt. Die regelmäßige Konfrontation mit dem Tod habe sie zudem demütig gemacht. Sie sehe die Dinge viel gelassener als früher und habe gemerkt, dass es sich nicht lohnt, sich über bestimmte Dinge in ihrem Leben aufzuregen. Das bekomme sie bei jedem Sterbeprozess, den sie begleitet, widergespiegelt. „Ich weiß, dass ich aus dieser Arbeit unglaublich viel Kraft ziehe, und dass es mich glücklich macht zu helfen.“ Es mag paradox klingen, ist für Susanne Sickinger aber nach drei Jahren ambulanter Hospizarbeit zur Gewissheit geworden: Sterben und Tod haben ihr dabei geholfen, das Leben so anzunehmen, wie es ist.

20 Jahre ambulanter Malteser Hospizdienst

102 Hospizhelfer und -helferinnen unterstützen zurzeit sterbende Menschen im Würmtal und im nördlichen Landkreis Starnberg. „In den zurückliegenden Jahren konnten wir etwa 1100 Patienten begleiten“, so Ina Weichel, Leiterin Malteser Ambulante Hospizdienste. In mehr als 30 000 Stunden hätten sich Ehrenamtliche wie Hauptberufliche für das Wohl der betroffenen Erwachsenen und Kinder eingesetzt. In Zukunft werde das Ehrenamt eine noch größere Rolle im Hospizbereich spielen, so Weichel. Die Zahl der allein Sterbenden nehme zu und gleichzeitig gebe es aber „nicht genug Pflegekräfte mit genügend Zeit“, obwohl „die emotionalen und sozialen Bedürfnisse aber da sind“. Weichel appelliert deshalb an die Gesellschaft, das Ehrenamt weiter aufzuwerten. Davon werde auch der Hospizdienst profitieren. (ph)

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Tod und Sterben