Romano-Guardini-Preis an Ottmar Edenhofer

Einladung zum Nachdenken

Mit der Verleihung des Romano-Guardini-Preises an den künftigen Chef des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung zeigt die Katholische Akademie in Bayern auch politisch Flagge.

Kardinal Reinhard Marx, Ottmar Edenhofer, der bayerische Umweltminister Marcel Huber und Akademiedirektor Florian Schuller bei der Verleihung des Romano-Guardini-Preises.

Ein Preis schmückt nicht nur den Ausgezeichneten, sondern auch den der ihn vergibt. Voraussetzung ist natürlich, das der Preisträger der Ehrung würdig ist und der heutigen Gesellschaft über den festlichen Anlass hinaus etwas Wichtiges zu sagen hat. Das geht nicht immer gut. Die Katholische Akademie in Bayern hat aber mit ihrem neuesten Romano-Guardini-Preisträger alles richtiggemacht. Die Auszeichnung für Ottmar Edenhofer zeigt, dass sie in die Welt und ihre Probleme hinausschaut. Damit liegt die katholische Akademie übrigens ganz auf der Linie von Papst Franziskus, den Edenhofer genauso beraten hat, wie die Weltklimakonferenz. Edenhofer arbeitet am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, das er demnächst auch als Chef übernimmt. Er befasst sich also damit, wie das gegenwärtige Wirtschaften, der Lebensstil in den westlichen Gesellschaften sowie die ethnischen Konflikte und das Bevölkerungswachstum etwa in Afrika oder Asien das Zusammenleben der Menschheit dramatisch verändern. Es sind viel zu wichtige Fragen, um sie nur der Politik und der Wissenschaft allein zu überlassen. Die Kirche mischt sich hier zu Recht ein, weil es dabei um Würde und Gerechtigkeit geht. Und die katholische Akademie in München ermutigt durch den Romano-Guardini-Preis an Ottmar Edenhofer auch die Gläubigen hier entschieden aufzutreten. Auch wenn es gerade nicht in den Mainstream passt. Denn der Klimawandel ist ein entscheidender Faktor bei den großen Migrationsbewegungen, gegen die sich die europäischen Einzelstaaten gerade so vehement abschotten und alle Lasten möglichst auf andere abwälzen wollen. Dabei fallen böse Worte wie „Asyltourismus“. Es wird auf Menschen angewandt, die auf Schlauchbooten über das Mittelmeer fahren und dabei oft genug ertrinken, weil sie in ihrer Heimat nicht nur keine lebenswerte, sondern gar keine Zukunft mehr sehen.

Allein Härte gegen Migranten ist keine Realpolitik

Natürlich muss jeder Staat darauf achten, seine Funktionsfähigkeit zu gewährleisten und realpolitisch handeln. Da allein Härte und Abwehr an dem Außengrenzen zu fordern, sei aber gerade keine Realpolitik, sagte Edenhofer bei der Entgegennahme des Romano-Guardini-Preises in der vergangenen Woche. Realpolitisch sei vielmehr die Bekämpfung von Fluchtursachen, eine menschenwürdige Aufnahme von Geflüchteten und eine faire Verteilung der Lasten der Migration. Nur so kann Europa ein christliches Europa sein. Die jüngst in bayerischen Behörden angeordneten und aufgehängten Kreuze sollten daran eigentlich erinnern.
Wie es ist, wenn nur noch eigene nationale und ethnische Eigeninteressen dominieren, kennt der ehemalige Jesuit Ottmar Edenhofer aus eigener Anschauung. 1990 übernahm er die Leitung der Flüchtlingshilfe seines Ordens in Kroatien und Bosnien. Nur wenige Ereignisse in seinem Leben hätten ihn so verstört und seine Gewissheiten so sehr erschüttert wie diese zwei Jahre, sagte er in seiner Dankesrede für den Romano-Guardini-Preis. Mitten in Europa seien da zivilisatorische Standards zusammengebrochen.
Es ist gut, dass die katholische Akademie einen solchen Wissenschaftler ehrt, und damit zum Nachdenken auffordert. Sie ermutigt damit alle, die den einfachen Parolen verschiedener Politiker in Bayern, Deutschland und der Welt widersprechen.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

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Kommentar im Münchner Kirchenradio zum diesjährigen Romano-Guardini-Preis