Veranstaltungsreihe: „Kreuz vor der Wahl"

Einigkeit quer durch alle Parteien

Katholische Einrichtungen organisieren eine Gesprächs-Reihe mit Landtagskandidaten und Fachexperten. Diesmal in Garmisch-Partenkirchen zum Thema „Demographischer Wandel“.

Im Dialog (von links): Caritas-Chef Georg Falterbaum, Professor Martina Wolfinger, Moderator Alois Bierl und Seniorenbeauftragte Daniela Bittner

Garmisch – In unserer Bevölkerung in Deutschland findet ein deutlicher Umbruch statt. Die Menschen werden immer älter, während die Geburtenziffer mit 1,5 Kindern pro Frau deutlich unter dem europäischen Durchschnitt liegt. Die Schere zwischen Jung und Alt klafft immer weiter auseinander. Kurzum: Der demographische Wandel ist in vollem Gange. Vor allem im Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist dies zu spüren. Dort gewinnt die Generation 50+ deutlich an Zuwachs. Somit steigt jedoch auch die Zahl der Pflegebedürftigen, was wiederrum einen erhöhten Bedarf an Pflegepersonal nach sich zieht. Nach einer Modellstudie wird bis 2028 gleichzeitig ein Bevölkerungsrückgang von 4,3 Prozent erwartet. Die Zahl der Erwerbsfähigen soll bis 2064 von 79 Millionen auf 35 Millionen zurück gehen. Dass dies große Probleme aufwirft ist nicht von der Hand zu weisen.

Das Thema stand deshalb im Fokus von Teil vier der Veranstaltungsreihe „Das Kreuz vor der Wahl“. Das Katholische Medienhaus Sankt Michaelsbund (SMB), die Katholische Erwachsenenbildung in der Erzdiözese mit den Katholischen Bildungswerken und die Stiftung Bildungszentrum des Erzbistums gaben hierzu sechs Landtagskandidaten eine Plattform im Gasthof Schatten in Garmisch-Partenkirchen. Die durften allerdings nicht auf die Bühne, sondern blieben an den Tischen zwischen ihren potentiellen Wählern sitzen. Von dort aus galt es, die gezielt gestellten Fragen in Kürze zu beantworten.

„Es geht nicht ohne gut ausgebildete Fachkräfte“

Unter der Moderation von Alois Bierl vom SMB kamen drei Experten zu Wort: Die Gerontologin Professor Martina Wolfinger von der Katholischen Stiftungshochschule München, Daniela Bittner als Seniorenbeauftragte des Landkreises Garmisch-Partenkirchen und Georg Falterbaum, Direktor des Diözesan-Caritasverbands. Letzterer trat auch als Kommentator in einem kurzen Film zum Thema auf. „Der demographische Wandel wird uns in Zukunft vor allem in der Pflege noch viel heftiger treffen“, prognostizierte er. Es sei eine einfache Rechnung. Während immer mehr Menschen Pflege brauchten, schwinde zeitgleich das notwendige Personal. „Wir müssen die jungen Menschen in der Region halten und das Berufsbild attraktiver machen. Es geht nicht ohne gut ausgebildete Fachkräfte“, betonte Wolfinger. Bittner sieht die sinkende Attraktivität des Berufsbildes auch der geringen Wertschätzung gezollt. „Viele beenden die Ausbildung frühzeitig. Im stationären Bereich kann momentan kein Patient mehr aufgenommen werden, weil das Personal fehlt.“ Falterbaum sah hier Gesetzgeber, Kommunen, Wohlfahrtseinrichtungen, Wirtschaft und Bürger gleichermaßen in der Pflicht, einen Ausweg zu finden.

„Die Pflege ist aber nur ein Segment“, betonte Florian Streibl von den Freien Wählern. Seiner Meinung nach müsse man sich nicht nur auf die Überalterung einstellen, sondern eine Heimat gestalten, die für Jung und Alt gleichermaßen attraktiv ist. Generationenübergreifende Konzepte, wie „Wohnen für Hilfe“ könne er sich sehr gut vorstellen. Er plädierte für eine neue Achtsamkeit und mehr Solidarität.Martin Bachhuber, Landtagskandidat der CSU, betrachtete den demografischen Wandel auch als Chance. So könne man von den Erfahrungswerten der älteren Generation profitieren. „Zu dieser Chance werden wir aber gezwungen“, kehrte Grünen-Politiker Andreas Krahl zum erklärten Kernthema zurück. Als 25-jähriger Krankenpfleger erlebt er die Missstände täglich hautnah. Seiner Meinung nach gehe nichts über eine gnadenlose Aufwertung des Berufes, um das Ungleichgewicht zu regulieren. Er fordert einen flächendeckenden Tarifvertrag. „Es muss sich lohnen, als Krankenpfleger zu arbeiten.“

Wunsch nach mehr Solidarität

„Wir brauchen zur Entlastung der Pfleger gesunde Arbeitsplätze bis zur Rente“, appellierte Christiane Kern von der SPD. Sie plädierte dafür, in der zukünftigen Gesellschaftsform die sozial schwächeren Senioren nicht zu vergessen. „Die Menschen brauchen eine Beschäftigung“, meinte sie. So könne sie sich durchaus Senioren für Senioren im Ehrenamt vorstellen.Für Landtagskandidaten Fritz Haugg (FDP) steckt die Lösung des Demographischen Wandels vor allem in einer besseren Vernetzung. „Wir müssen die Kommunen viel stärker in die Entscheidungen einbinden“, betonte er. Dass gerade im Landkreis Garmisch-Partenkirchen die Überalterung so zunimmt ist seiner Meinung nach auch dem vorherrschenden Gesundheitstourismus geschuldet.

Dies bestätigte Markus Gampl von der ÖDP. Über dem Streben nach immer mehr, sollte der Gedanke von gegenseitiger Wertschätzung stehen. Der Wunsch nach mehr Solidarität stand bei allen Anwesenden ganz oben. Auch die Notwendigkeit zur Unterstützung der Pflegekräfte durch Achtung, Entlastung und Förderung stand außer Frage. Selten erlebt man ein Thema, bei dem sich Angehörige verschiedener Parteien so einig sind. Nur die Suche nach einer patenten Lösung des Problems, die wird wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen. (Beate Berger)

Die nächste Veranstaltung der Reihe findet zum Thema „Wohnen“ am Mittwoch, 25. Juli, um 19 Uhr im Pfarrheim St. Josef in Puchheim (Am Grünen Markt 2) statt, unter anderem mit Joachim Unterländer, Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken. Nähere Informationen unter: www.das-kreuz-vor-der-wahl.de