Fronleichnam

Einheit in Vielfalt

Zahlreiche muttersprachige Katholiken beteiligen sich an der Münchner Fronleichnamsprozession. Welche Bedeutung diese Tradition für Gläubige aus anderen Ländern hat, erfahren Sie hier.

Mit ihren Fahnen und Trachten prägen Katholiken verschiedener Nationen den Prozessionszug durch die Münchner Innenstadt.

München – Wenn die Gläubigen aus den muttersprachigen Gemeinden nicht da wären, würde man das bei der Münchner Fronleichnamsprozession schon merken“, sagt Pfarrer Marc Grosstephan. Der Leiter der Französischsprachigen Katholischen Gemeinde München koordiniert, welche Vertreter der insgesamt rund zwanzig Sprachgruppen beim Fronleichnamsgottesdienst auf dem Marienplatz an der Gabenprozession teilnehmen und bei der anschließenden Prozession das Allerheiligste durch die Münchner Innenstadt begleiten.

Fronleichnam sei für die muttersprachigen Gemeinden nicht zuletzt eine gute Möglichkeit, „zu zeigen, dass sie als Teil der Kirche in München existieren“. Aber das sei nicht der Hauptgrund für die rege Beteiligung von Katholiken anderer Nationen. „Natürlich ist der Glaube sehr wichtig. Denn in vielen dieser Länder ist die Fronleichnamsprozession auch eine Gelegenheit, den Glauben in der Gesellschaft sichtbar zu machen.“

Das trifft zum Beispiel auf Zaira Dovico zu. Die Schwester der Schönen Liebe stammt aus Sizilien und lebt seit sieben Jahren in München. „In meiner Heimat ist es Brauch, dass man vor seinem Haus einen kleinen Altar aufbaut, an dem die Prozession anhält, um zu beten“, erzählt die Seelsorgehelferin in der Italienischen Katholischen Gemeinde München. Die 44-Jährige geht auch in der bayerischen Landeshauptstadt regelmäßig bei der Fronleichnamsprozession mit, „um ausdrücklich Zeugnis für meinen Glauben abzulegen“. An Jesus zu glauben, bedeute auch, ihm zu folgen, betont die Ordensfrau. „Ihm anlässlich des Fronleichnamsfestes durch die Straßen der Stadt zu folgen, scheint mir ein schöner und sichtbarer Ausdruck dafür zu sein.“

Teilnehmer in unterschiedlichen Trachten

Im Gegensatz zu der Italienerin, die in ihrer üblichen Ordenstracht, bestehend aus einem hellblauen Kleid und einem dunkelblauen Schleier, an der Prozession teilnimmt, tragen viele Vertreter der muttersprachigen Gemeinden zu diesem Anlass die traditionellen Trachten ihrer Heimat. „Sie bleiben, wer sie sind, natürlich in Eintracht mit der hiesigen Kirche“, erläutert Pfarrer Grosstephan. „In der Eucharistie kommt diese Einheit zum Ausdruck. Es ist eine Einheit, die die Verschiedenheit nicht auslöscht, und eine Verschiedenheit, die die Einheit ermöglicht. Das ist das große Wunder der Eucharistie. Es wird veranschaulicht durch die Teilnehmer in unterschiedlichen Trachten, die eine Prozession formen.“

Bis 2016 wurden nach der Prozession internationale Tänze aufgeführt. Pfarrer Grosstephan bedauert, dass diese Darbietungen mit der Änderung des Prozessionswegs abgeschafft wurden. „Wir würden das gern wieder durchführen – auch gemeinsam mit Folklore-Gruppen aus Bayern“, sagt der aus dem Elsass stammende Geistliche, „weil das wieder diese Einheit in Verschiedenheit zeigt: dass wir in Bayern sesshaft sind, aber auch unsere eigene Kultur zum Ausdruck bringen wollen.“

Kardinal Reinhard Marx feiert am Donnerstag, 20. Juni, um 9 Uhr auf dem Münchner Marienplatz ein Pontifikalamt zum Fronleichnamsfest. An die Eucharistiefeier schließt sich die traditionelle Prozession durch die Innenstadt an. Bei schlechtem Wetter wird die Feier in den Liebfrauendom verlegt. Weihbischof Bernhard Haßlberger feiert um 8.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Georg in Freising einen Gottesdienst zum Fronleichnamsfest und begleitet anschließend die Prozession zum Domberg. Bei Regen findet der Gottesdienst um 8.30 Uhr im Dom mit einer kleinen Prozession statt. Weihbischof Wolfgang Bischof feiert um 9 Uhr in der Pfarrkirche Christkönig in Degerndorf (Dekanat Inntal) einen Gottesdienst mit anschließender Prozession.

Die Autorin
Karin Hammermaier
Münchner Kirchenzeitung
k.hammermaier@st-michaelsbund.de