Christliche Hospizkultur

Einen Abschied in Würde ermöglichen

Kürzlich haben sich protestantische Theologen für Suizidbeihilfe in kirchlichen Einrichtungen ausgesprochen. Die katholische Kirche lehnt den assistierten Suizid ab. Die Caritas etwa möchte stattdessen eine christliche Hospiz- und Palliativkultur in ihren Einrichtungen implementieren.

Die christliche Hospizbewegung wurzelt im Auftrag Jesu, sich um Kranke und Sterbende zu kümmern

München - "Es ist enorm, was die Mitarbeiter zu leisten haben", stellt Anna Pabst gleich zu Beginn des Gesprächs klar. Gemeint sind die Angestellten von Pflege- und Seniorenheimen. Es sei ein "trauriger Rekord", dass nun im Zuge der Corona-Pandemie in der öffentlichen Diskussion so oft über sie und die von ihnen betreuten Bewohner gesprochen werde - Menschen, die vorher oft vergessen worden seien.

Pabst ist Referentin für Hospiz und Palliativversorgung des bayerischen Landes-Caritasverbands. Vor wenigen Tagen tauchte in ihrem Arbeitsbereich neben dem Dauerthema Corona auch die Diskussion um den assistierten Suizid wieder auf. In einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" <link https: mk-online.de meldung ranghohe-protestanten-wollen-suizidhilfe-ermoeglichen.html external-link-new-window internal link in current>hatten führende protestantische Theologen gefordert, dass sich kirchliche Einrichtungen dem assistierten Suizid nicht verweigern sollten. Angesichts der Tatsache, dass das Bundesverfassungsgericht die Selbstbestimmung am Lebensende nachdrücklich betont habe, könne es eine Aufgabe kirchlich-diakonischer Einrichtungen sein, neben medizinischer und pflegerischer Versorgung auch "Rahmenbedingungen für eine Wahrung der Selbstbestimmung bereitzustellen", so die Autoren. Dies könne bedeuten, "abgesicherte Möglichkeiten eines assistierten Suizids in den eigenen Häusern anzubieten oder zumindest zuzulassen und zu begleiten".

Vorbild Jesus

Die Evangelische Kirche in Deutschland lehnt diese Position ebenso wie die katholische Deutsche Bischofskonferenz ab. Die Caritas bemüht sich solchen Forderungen ein Konzept entgegenzusetzen, nämlich die Umsetzung einer christlichen Hospiz- und Palliativkultur in den Diensten und Einrichtungen des katholischen Wohlfahrtsverbands, so Anna Pabst.

Seit gut 20 Jahren ist die "Implementierung der Hospizidee" Thema bei der Caritas in Bayern. Sie wurzelt im Auftrag Jesu, sich um Kranke und Sterbende zu kümmern. 1998 führte das St. Josefs-Heim in München ein derartiges Projekt ein, als erste Einrichtung im süddeutschen Raum. Ziel der Hospizbegleitung sei immer die individuelle Gestaltung der Lebensqualität von Menschen an ihrem Lebensende. Einer Tötung auf Verlangen und der Beihilfe zum Suizid erteile man eine klare Absage, heißt es in einer Broschüre des Landes-Caritasverbands.

Schmerzen mildern

Im Mittelpunkt der Arbeit stehe, so Anna Pabst, "körperliche und seelische Schmerzen bei den Betroffenen abzumildern" und ihnen einen Abschied in Würde zu ermöglichen. Es gehe ums Zuhören und darum, Wünsche schriftlich festzuhalten. Es sei nicht das Ziel, den Betroffenen eine Patientenverfügung abzuringen, jene sei nur "ein kleiner Teil" der Gespräche für die letzte Lebensphase. Seit eines Gesetzesbeschlusses aus dem Jahr 2015 lässt sich diese gesundheitliche "Versorgungsplanung" - auch "Advanced Care Planing" genannt - für das Lebensende über die Krankenkassen abrechnen. Was zählt, so die gelernte Krankenschwester und Diplom-Pflegewirtin, sei "der Wille des Betroffenen" oder - im Falle einer fortgeschrittenen Erkrankung - "der mutmaßliche Wille".

Die christliche Hospiz- und Palliativkultur will aber nicht nur den Menschen an seinem Lebensende in den Blick nehmen, sondern auch seine Angehörigen und die Mitarbeiter bis "hin zur Reinigungskraft", die ihm beistehen und so täglich mit ihrer eigenen Sterblichkeit konfrontiert werden, erklärt Pabst.

Die Caritas-Referentin arbeitet aktuell koordinierend daran, dass dieser Ansatz in möglichst vielen Einrichtungen in den einzelnen Diözesanverbänden verankert wird. Denn vor allem dort, "wo Mitarbeiter tätig sind, die ihr Handwerk verstehen", werde das Angebot von Betroffenen gut angenommen - auch oder gerade in Zeiten von Corona.

Der Autor
Klaus Schlaug
Online-Redaktion
k.schlaug@st-michaelsbund.de