Die Situation der Christen 2015

Eine Besserung der Lage ist fraglich

Die Lage christlicher Minderheiten weltweit hat sich im zu Ende gehenden Jahr massiv verschlechtert. Es sieht danach aus, dass diese Entwicklung anhält. Im Nahen Osten und Teilen Afrikas wird der extremistische Islam mit Gruppierungen wie „Islamischer Staat“ oder „Boko Haram“ nicht plötzlich verschwinden.

Karin Maria Fenbert (Bild: privat)

In Nigeria ist im Gegenteil zu beobachten, wie radikale Gruppierungen immer weiter in den Süden vorstoßen. Grundsätzlich besteht die Gefahr der Vernetzung und gegenseitigen Unterstützung der ausgerufenen Kalifate wie zum Beispiel in Syrien/Irak oder im Norden Nigerias. Der Funke könnte überspringen auf Länder wie Pakistan. Dort sind die Sunniten in der Mehrheit. Sunnitische Muslime gelten im Allgemeinen als radikaler als schiitische Muslime. Sunnitisch geprägte Länder bieten daher von vornherein einen gewissen Nährboden für extremistische Entwicklungen. Wegen der Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai steht die Regierung unter Druck, schärfer gegen den Islamismus vorzugehen. Ob das hilft, scheint angesichts der jüngsten Vorfälle in diesem Land sehr fraglich. Insgesamt ist wegen der brutal vorgehenden islamistischen Gruppierungen anzunehmen, dass die Flüchtlingszahlen nicht abnehmen und gemäßigte Muslime, Christen und andere religiöse Minderheiten weiter zur Flucht gezwungen sein werden. Den an Syrien angrenzenden Ländern Jordanien und Libanon drohen zunehmend soziale Konflikte aufgrund des enormen Flüchtlingsanteils an der Bevölkerung.

In Europa belastet der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland mit zunehmender Dauer immer mehr das Verhältnis der orthodoxen Kirchen untereinander (Moskauer und Kiewer Patriarchat). Diese Schwierigkeiten lassen Fortschritte in den ökumenischen Beziehungen zwischen der größten orthodoxen Kirche, der russisch-orthodoxen, und der römisch-katholischen Kirche als in nächster Zeit unwahrscheinlich erscheinen.

Karin Maria Fenbert ist Geschäftsführerin des Hilfswerks „Kirche in Not“ Deutschland.