Tiere im Kloster

Eine Basis für den Menschen

Vor zwei Jahren hat sich die Benediktinergemeinschaft von Kloster Scheyern entschlossen, die Landwirtschaft nach langer Verpachtung wieder in eigener Regie zu führen, als ökologischen Betrieb.

Cellerar Pater Lukas und Betriebsleiter Stefan Biedenbach bei den Hühnern © SMB/Hafner

(Scheyern) Es sei fast eine Verpflichtung gewesen, sich der "Verantwortung für die Schöpfung zu stellen und ökologisch zu wirtschaften“, bekennt Pater Lukas Wirth, der Cellerar des Klosters. Man müsse die Balance suchen, und austarieren, wie viele Tiere man auf den Flächen halten könne. So hat unter der Verantwortung des externen Betriebsleiters Stefan Biedenbach eine Herde schwarz-weiß gezeichneter Thüringer Ziegen in einem alten Ziegelgebäude Einzug gehalten. Pater Lukas präsentiert stolz den Nachwuchs: 98 Kitzlein haben die 100 Milchziegen der Klosterherde zur Welt gebracht.

Dass ein junger Mitbruder selber ausgebildeter Landwirt ist, hat auch eine Rolle gespielt für die Entscheidung, wieder Landwirtschaft zu betreiben. Und auch die Benediktsregel in der es heißt „Sie sollen von ihrer Hände Arbeit leben“. Die Arbeit mit dem Boden und den Tieren beeinflusst aber auch die Spiritualität im Kloster: So hat zum Beispiel der Wettersegen in der Klostergemeinschaft wieder eine viel konkretere Bedeutung gewonnen. Alle spüren, wie stark viele Feste und Bräuche im Kirchenjahr an die Natur geknüpft sind. „Ich kann es letztlich jeder Gemeinschaft und jeder kirchlichen Einheit nur empfehlen, auf diese Basis in der Landwirtschaft zu schauen“, betont der Cellerar.

Die Tiere bringen auch eine große Kontinuität ins Leben, stellt er fest: „Das Gegenteil vom Eventcharakter unserer schnelllebigen Zeit“. Das Leben mit Tieren helfe dem Menschen „nicht bei sich selber hängen zu bleiben“.
Auch die Menschen, die im Kloster einkaufen, Tagungen besuchen oder dort einfach Station machen, sollen merken, dass hier die landwirtschaftliche Basis wieder vorhanden ist. Sie können zum Beispiel Eier kaufen aus der Hühnerhaltung. Gelegt werden die Eier in den beiden mobilen „Hühnerwägen“. Die stehen immer da, wo es genug frisches Futter für ihre Bewohner gibt, meist auf den Blühstreifen am Rand der Felder, wo die Hühner viel Auslauf haben und auch Schatten finden. (gh)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Tiere