Deutsche Priester im Ausland

Ein Stück Heimat in der Fremde

Die Motive deutscher Priester, ins Ausland zu gehen, könnten kaum unterschiedlicher sein. An verschiedenen Orten der Welt tun sie ihren Dienst und mussten sich erst an die Gegebenheiten vor Ort gewöhnen.

Neben seiner Arbeit als Seelsorger ist Thomas Brei auch Leiter eines Krankenhauses. © missio München/Friedrich Stark

Pfarrer Mirco Quint (43) wollte einfach raus aus Deutschland. Einblicke in eine völlig fremde Kultur erhalten und eine neue Sprache lernen, das war sein Wunsch. Elf Jahre lang bemühte sich der aus dem Bistum Essen stammende Geistliche darum, im Ausland wirken zu dürfen. Als er im vergangenen Jahr endlich die Zusage erhielt, stellte er fest, dass vor allem im asiatischen Raum viele Stellen frei waren. Also entschied er sich für Tokio, denn der Inselstaat Japan interessierte ihn am meisten. Dort wirkt er in der deutschen Gemeinde St. Michael, die nächstes Jahr ihr sechzigjähriges Jubiläum begeht und 6.500 Mitglieder zählt.

Tagsüber trifft er viele Deutsche, die nach Japan ausgewandert und nicht berufstätig sind: „Ich bin ganz stark in die geistliche Begleitung eingebunden“, erklärt der Priester. Da er nicht nur für seine Landsleute in Tokio, sondern in ganz Japan zuständig ist, führt er viele Gespräche übers Telefon oder in Videokonferenzen. Neben der geistlichen Begleitung hat die Zusammenarbeit mit Institutionen wie der Deutschen Botschaft und der Industrie- und Handelskammer einen hohen Stellenwert.

Neue Kultur macht ihm das Leben "schmackhaft"

Der kommunikative Pfarrer wirkt begeistert von seinem Leben in Tokio. Gerade das japanische Essen mache ihm das Leben "schmackhaft", erzählt er schmunzelnd. Doch auch, dass er Einblicke in den Buddhismus und Shintoismus erhalte, erweitere täglich seinen Horizont.

Erst vor wenigen Monaten trat Pfarrer Quint seinen Dienst in Tokio an – unter Corona-Bedingungen. Die Pandemie beeinflusst sein Leben in Japans Millionen-Metropole stark: Alle vierzehn Tage werde der Ausnahmezustand verlängert, in dem sich das Land dauerhaft befindet: „Das schränkt das Leben schon sehr ein: Restaurants müssen um 20 Uhr schließen, die meisten dürfen nur Homeservice machen. Große Menschenansammlungen dürfen nicht stattfinden, auch die Gottesdienste sind stark reglementiert.“ Doch einen Vorteil hätten die Beschränkungen, die Quint für stärker als in Deutschland hält: „Es befinden sich derzeit so gut wie keine Touristen in Tokio. Deshalb erlebe ich Stadt und Umland total japanisch.“

Deutsche Traditionen bewahren

Gleichzeitig bemüht sich der Pfarrer in seiner Gemeinde darum, deutsche Traditionen zu pflegen. So werden Nikolausfeiern, Laternenumzüge oder die Sternsingeraktion veranstaltet. Damit beschert er den ausgewanderten Deutschen ein Stück Heimat. Seine Aufgabe besteht jedoch auch darin, neue Gemeindemitglieder zu finden und weitere Standorte für Gottesdienste aufzubauen. Derzeit ist ein neuer in Osaka geplant. Künftig wird Pfarrer Quint also einmal im Monat die rund 500 Kilometer von Tokio dorthin reisen, um Gottesdienste in deutscher Sprache zu feiern und ein Gemeindeleben aufzubauen.

Ganz andere Motive für seine Mission hatte Pfarrer Thomas Brei. Er ist nicht nur Priester, sondern auch Arzt. Schon als Kind wollte er nach Afrika: Er war berührt von den Bildern der Hungersnöte im heutigen Nigeria und wollte den Menschen helfen. 1995 reiste der gebürtige Wasserburger erstmals nach Uganda und war von der Vielzahl an Eindrücken überwältigt: „Ich glaube, ich hatte einen kleinen Kulturschock“, gibt er zu. Zunächst habe er sich kaum aus dem Haus getraut, weil alles so fremd auf ihn gewirkt habe. Doch die Faszination für den afrikanischen Kontinent blieb: Seit 2011 lebt und arbeitet Pfarrer Brei in Tansania.

Heilende Tätigkeit

Nachdem er sich zunächst in einem anderen Krankenhaus an die medizinischen Verhältnisse gewöhnen konnte, war er bis 2016 stellvertretender Leiter und später Administrator des „Wasso-Hospital“ in Ngorongoro. Ab 2015 baute er parallel das von einer tansanischen NGO betriebene St. Clare Hospital in Mwanza, der zweitgrößten Stadt Tansanias, auf, in dem er inzwischen ausschließlich tätig ist. Die Patienten kommen sowohl direkt aus der Stadt als auch aus dem ländlichen Raum. Die Erkrankungen reichen vom einfachen Schnupfen bis hin zu Krebs oder Malaria mit Gehirnkomplikationen.

Neben seiner Arbeit als Arzt ist Pfarrer Brei auch als Priester tätig. Im örtlichen Klarissenkloster hält er die Heilige Messe, hört die Beichte und spendet die Sakramente. Unterstützung erhält er von einem Katechisten im Ruhestand, der die Kranken besucht und auch mit dem Personal betet. So erfährt Pfarrer Brei etwa, wer die Krankensalbung erbittet. Dieses Sakrament spendet er im Krankenhaus am häufigsten. „Oft denke ich mir, dass beide Berufe Vollzeitberufe sind und ich hier wie dort immer Kompromisse machen muss“, gibt der Priester zu. Doch die heilende Tätigkeit als Arzt habe sehr priesterliche Aspekte. Auf diese Weise sei ihm auch sein Weiheversprechen, den Armen beizustehen, immer präsent. (Maximilian Lemli, Volontär beim Michaelsbund)