Sorbisches Brauchtum im Münchner Westen

Ein Licht für Jesus

Ein sorbisches Brauchtum der Heiligen Woche hält seit ein paar Jahren auch im Münchner Westen Einzug. Die Kolpingsfamilie Sankt Martin Untermenzing hatte die Idee, im Andenken an den im KZ Dachau ermordeten seligen Aloyz Andritziki an den Wegkreuzen ein Licht aufzustellen, genau wie es dieser seinerzeit in der Lausitz getan hatte.

Kerze an Wegkreuz in München-Allach (Bild: Karsten Schmid)

Untermenzing - In Allach, Untermenzing, Obermenzing und Langwied werden in der Karwoche Wegkreuze betreut. Kleine Lichtlein in Laternen stehen ab Palmsonntag bis einschließlich Karsamstag an zahlreichen Wegkreuzen. Aufgerufen dazu hat die Kolpingfamilie Sankt Martin-Untermenzing.

Die Aktion, so berichtet Initiatorin Christina Agerer-Kirchhoff, gehe auf ein sorbisches Brauchtum zurück, das der selige Aloys Andritzki in der Lausitz einführte. Andritzki wurde in Radbor geboren, in Bautzen zum Priester geweiht, in Dresden Kaplan und Präses der dortigen Kolpingsfamilie, von den Nazis verhaftet und am 3. Februar 1943 im Dachauer KZ ermordet. 2011 wurde er selig gesprochen.

Das Brauchtum der Lichter in der Karwoche, auch zu seinem Andenken, führte die Allacher Kolpingfamilie bereits 2010 im Münchner Westen ein. Christina Agerer-Kirchhoff macht sich jedes Jahr am Palmsamstag auf, um einfache Glaslaternen an den Wegkreuzen aufzustellen. In diese kommen einfache Grablichter, die dann von Menschen, die in der Nähe der Kreuze leben, die ganze Karwoche über „betreut“ werden. Diese sorgen dafür, dass die Lichter in dieser Zeit nie ausgehen, versehen die Laternen also je nach Brenndauer jeden oder jeden zweiten Tag mit einer neuen Kerze. Die Initiatorin freut sich, dass sich viele Familien an der Aktion beteiligen. In diesem Jahr seien beispielsweise zwei Kommunionkinder mit ihren Eltern dabei, erzählt sie.

Agerer-Kirchhoff selbst kennt die Lichter der Karwoche schon aus ihrer Kindheit, ihr Vater stammte aus Bautzen. Die Lausitz sei in der Karwoche ein reines Lichtermeer, berichtet sie. Über 1.000 Wegkreuze würden dort von Lichtern erhellt. In Alllach, Untermenzing, Obermenzing und Langwied seien es in diesem Jahr knapp 20 Wegkreuze an denen sie eine Laterne platziert habe, berichtet sie.

Sie hofft, dass sich die schöne Aktion vielleicht in den kommenden Jahren auf ganz München ausweitet. Ihr sei dieses Zeichen des Glaubens sehr wichtig, sagt sie. Die Kreuze stellten wichtige christliche Wegmarken dar, die in unserer globalen Welt nicht in Vergessenheit geraten sollten. Gerade in der Heiligen Woche sei es wichtig ihnen große Beachtung zu schenken. Man dürfe nicht nur immer „alte Zöpfe abschneiden“, sondern es sei auch mal an der Zeit „neue Zöpfe zu flechten“. Die Beleuchtung der Wegkreuze in der Heilgen Woche sei so ein Brauch, meint Agerer-Kirchhoff, den einzuführen es sich auch in München lohnen würde. Sie würde sich freuen, wenn sich im kommenden Jahr noch mehr Münchner an der Aktion beteiligen würden. (sts)