Angebot für junge Menschen

Ein Container ist Kirche

Die Kirche auf dem Künstlergelände Bahnwärter Thiel in München ist nicht direkt als solche zu erkennen. Sie ist Teil der Szene und hat sich den Standort ganz bewusst ausgesucht.

Die Containerkirche ""2Teu" auf dem Künstlergelände Bahnwärter Thiel. © Kiderle

München – Meist ist eine Kirche schon von weitem am Kirchturm zu erkennen. Auch ein Pfarrsaal gehört für viele dazu und ein schöner Kirchenvorplatz. Außerdem sind viele Kirchen einem Heiligen gewidmet. Bei der Kirche „2Teu“ ist das alles anders.

Um sie herum stehen Container mit bunten Graffitis wie sie in großen Häfen zu sehen sind, ein Biergarten ist in der direkten Nachbarschaft und manchmal riecht es nach Gras. Wenn die Pandemie es zulässt, dann finden um sie herum Konzerte, Flohmärkte und Partys statt. Nicht unbedingt ein Ort, zu dem man kommt, um den Glauben zu zelebrieren, beschreibt Rebecca Schleier die Umgebung. Sie leitet das Kirchenprojekt „2Teu“.

Kirche ist kein Fremdkörper

Die Kirche fügt sich gut in ihre Umgebung auf dem alternativen Künstlergelände des Bahnwärter Thiel im Süden Münchens ein. Sie ist kein Fremdkörper: Auch sie ist ein bunter Schiffscontainer auf dessen kleinem Fenster mit bunten Buchstaben ist zu lesen: „Love is no sin“ (Liebe ist keine Sünde). Vor dem Container wehen kleine Stoffahnen, auf denen Jugendliche ihre Hoffnung in der Corona-Zeit sichtbar gemacht haben.

Im Innenraum des Kirchencontainers ist auch kein Altar. Es ist viel Platz, ein paar Stühle und Tische. Post-Its hängen an Wänden, es gibt White-Boards und Materialien liegen bereit. In einer Ecke steht eine Wasserkocher und eine Kaffeemaschine. Es ist ein Raum, der flexibel genutzt werden kann.

Angebote nach Bedürfnissen gestalten

Seit Ende letzten Jahres hat das Erzbischöfliche Jugendamt München und Freising die „Container.Kirche“ ins Leben gerufen. In den Pfarreien gebe es Strukturen für Jugendliche wie die Ministrantenarbeit oder Jugendverbände. Sie wollten was Neues ausprobieren, beschreibt Jugendreferentin Andrea Berger die Intention. Auch sie ist Teil des „2Teu“-Teams und regelmäßig vor Ort: „Wir wollten dahin gehen, wo junge Menschen sind, damit sie nicht zu uns kommen müssen“. 

Es gehe darum Kirche an Orten erlebbar zu machen, wo es vielleicht nicht so „normal“ sei. Deshalb sind hier zum Beispiel auch keine Gottesdienste geplant. Das Team will schauen, wen sie treffen und auf deren Bedürfnisse hin Angebote gestalten. Wir haben „Zeit und Raum“, sagt Projektleiterin Schleier. Wenn gewünscht, stehen sie selbstverständlich auch für seelsorgerische Gespräche zu Verfügung. Auf dem instagram-Account von „2Teu“ wird jeden Montag bekannt gegeben, wann jemand vor Ort ist. Der Name „Teu“ steht übrigens für die Maßeinheit eines 20-Fuß-Standardcontainer. So groß ist auch der der Kirche.

Die Autorin
Katharina Sichla
Teamleiterin mk online
k.sichla@st-michaelsbund.de