Sankt Michaelsbund Landesverband

Domkapitular aus Passau neuer Vorsitzender

Der Passauer Domkapitular Gerhard Auer ist einstimmig zum neuen Vorsitzenden des Landesverbands Bayern des Sankt Michaelsbunds gewählt worden. Als erste Amtshandlung nahm Auer eine besondere Ehrung vor.

Von links: Stefan Eß (Geschäftsführender Direktor des Sankt Michaelsbunds), Weihbischof Herwig Gössl, der neue Landesvorsitzende Domkapitular Gerhard Auer, sein Vorgänger und neue Ehrenvorsitzende Domkapitular i.R. Hans-Jörg Elsner und der stellvertretende Landesvorsitzende Bertram Blum. © Kuschbert

Bamberg – Insgesamt zwölf Jahre stand er an der Spitze des Landesverbands Bayern des Sankt Michaelsbunds, prägte in dieser Zeit den Verband durch seine besondere Persönlichkeit und führte ihn durch nicht immer einfache Zeiten. Bei der Diözesanstellenkonferenz des Sankt Michaelsbunds am vergangenen Freitag in Bamberg wurde Domkapitular i.R. Hans-Jörg Elsner nun als Landesvorsitzender verabschiedet. Während eines Empfangs im Bistumshaus St. Otto wurde der scheidende Landesvorsitzende aufgrund seiner Verdienste um den Sankt Michaelsbund zum Ehrenmitglied und Ehrenvorsitzenden ernannt.

Raum für Begegnung

Die besondere Ehrung war denn auch die erste Amtshandlung des neuen Landesvorsitzenden, Domkapitular Gerhard Auer aus Passau. „Ich möchte die gute Arbeit von Hans-Jörg Elsner fortführen und besonders die haupt- und ehrenamtlichen Mitglieder im Michaelsbund unterstützen und ihnen meine Wertschätzung zeigen“, so Auer. Zugleich machte er deutlich, dass es auch in Zukunft wichtig sei, in den Büchereien des Sankt Michaelsbunds den Menschen einen Raum für Begegnung zu geben und ihnen Bildung durch Lesen zu ermöglichen.

Dass ein Zugang zur Bildung unerlässlich ist, machte Weihbischof Herwig Gössl deutlich, der in Vertretung für Erzbischof Ludwig Schick die Gäste beim Empfang im Festsaal des Bistumshauses St. Otto begrüßte. „Bildung lag der Kirche schon immer am Herzen“, so Gössl, der in diesem Zusammenhang auf die wertvollen Bibliotheken von Klöstern und Stiften verwies, aber auch auf die vielen Schulen in kirchlicher Trägerschaft. „Die Kirche hat einst die Zeichen der Zeit erkannt und Bildung für alle gefordert und gefördert.“

Der neue Vorsitzende des Landesverbands Bayern, Gerhard Auer. © Sankt Michaelsbund

Bücher bleiben "unersetzbar"

In seinem Grußwort stellte der Bamberger Weihbischof aber auch die Frage, ob auch in Zukunft das Buch eine Bedeutung spielen wird, oder ob die elektronischen Medien alles ersetzen. „Ich bin eher skeptisch, was die elektronischen Medien betrifft“, konstatierte Herwig Gössl. „Ich denke, dass das Buch auch in Zukunft unersetzbar sein wird.“ Deshalb sei es wichtig, dass allen Menschen ein barrierefreier Zugang zum Lesen ermöglicht wird, „denn Lesen ist Teilhabe an der Kultur“. Dies bedeute auch, dass die Büchereien entsprechend barrierefrei gestaltet sein müssen. „Wir brauchen Orte, wo der kulturelle Wert des Lesens verortet werden kann, und das sind die Büchereien und Bibliotheken.“

Gössl würdigte zudem die Arbeit des Sankt Michaelsbunds als eine wichtige Aufgabe, denn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Büchereien seien Wegbereiter zu Buch und Bildung, seien Kulturbotschafter. „Und speziell die kirchlichen Büchereien müssen auch in Zukunft Orte sein, die eine Begegnung der Menschen ermöglichen. Denn das Christentum ist keine Buchreligion, sondern eine Religion der Beziehung“.

Wie wichtig sie die Arbeit der Büchereien, gerade auch in ländlichen Gegenden, wertschätzen, betonten die weiteren Rednerinnen und Redner des Abends. Oberfrankens Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz zeigte sich zuversichtlich, dass – bei allen Umbrüchen in der Zukunft – die Faszination des Buches erhalten bleiben wird. „Die Büchereien sind unverzichtbar in den Ortschaften, sind sie doch Kristallisationspunkte der Begegnung“, betonte Piwernetz.

Direktor Stefan Eß (rechts) verabschiedet Domkapitular i.R. Hans-Jörg Elsner als Landesvorsitzender. © Kuschbert

Wirken am Menschen

Im Laufe des weiteren Abends oblag es dem stellvertretenden Landesvorsitzenden Bertram Blum, den bisherigen Landesvorsitzenden Hans-Jörg Elsner zu verabschieden. So sei Elsner in den zwölf Jahren als Vorsitzender kein „Lautsprecher“ gewesen, sondern ein bescheidener Mensch mit einem tiefgründigen Humor, der vom Zweiten Vatikanischen Konzil und dessen wegweisenden Aussagen geprägt war. „Ihm ging es immer um den Menschen, egal ob Mitarbeiter oder Kunde“, so Blum. „Das Wirken am Menschen wurde in ihm konkret.“

Der Sankt Michaelsbund habe Hans-Jörg Elsner viel zu verdanken. „Er hat den Verband geprägt und hat bleibende Spuren hinterlassen, die Mut machen, den Weg weiterzugehen“, betonte Blum.

"Große Dankbarkeit"

„Das war zu positiv, und manchmal habe ich mich gar nicht erkannt.“ Mit diesen Worten und dem ihm eigenen Humor blickte Domkapitular Hans-Jörg Elsner in seinen Dankesworten zurück auf seine Zeit als Landesvorsitzender und dankte für das Vertrauen in ihn, sei es in der Münchener Zentrale oder in den Büchereien der bayerischen Diözesen. „Ich danke allen, die mich immer freundlich auf- und angenommen und meine Eigenheiten ertragen haben“, so Elsner. „Das hat mich erfreut und motiviert. Nun beende ich meine Tätigkeit im Sankt Michaelsbund mit großer Dankbarkeit.“

Ein besonderer Höhepunkt des Abends war ein literarischer Impuls durch Nevfel Cumart, dem Schirmhherrn des Bamberger Literaturfestivals 2017. Der 1964 in Lingenfeld geborene Cumart zählt mit seinen Gedichtbänden zu den produktivsten Lyrikern der jüngeren Generation in Deutschland. Beim Empfang im Bistumshaus brachte er einige seine Gedichte zu Gehör, die nicht nur zum Nachdenken, sondern oftmals auch zum Lachen anregten. (Andreas Kuschbert)

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