Lust und Tugend

Diözesanmuseum stellt Pläne und Vorhaben für 2020 vor

Das Museumsgebäude am Freisinger Domberg wird noch saniert. Trotzdem kündigt Direktor Christoph Kürzeder für dieses Jahr eine Ausstellung an, die für Debatten sorgen wird.

Christoph Kürzeder, Direktor des Diözesanmuseums, stellt die Pläne für 2020 vor. © SMB

Es war nicht zu überhören, dass das Freisinger Diözesanmuseum mit dem Standort in Beuerberg nun schon seit einigen Jahren eine kleine Schwester hat. Die Musikkapelle aus dem Dorf bei Wolfratshausen begleitete den Neujahrsempfang des Diözesanmuseums. Direktor Christoph Kürzeder hatte dazu eingeladen und über 500 Gäste aus der Münchner Museums- und Kulturszene, dem Erzbischöflichen Ordinariat sowie den Freundes- und Förderkreisen drängten sich im Karmelitersaal im Herzen der bayerischen Landeshauptstadt.

Sie alle waren gespannt, was die 14-köpfige Mannschaft des Diözesanmuseums unter dem Motto „Gemeinsam in die neue Dekade“ an Neuigkeiten anzukündigen hatte. Und etliche Gäste machten große Augen, als Christoph Kürzeder eine große Ausstellung für den Sommer ankündigte, die wohl für Debatten sorgen wird: „Verdammte Lust! Kirche. Körper. Kunst“ lautet der Titel. Sie soll das Verhältnis von Theologie und Sexualität beleuchten.

Wollust und Keuschheit

Die Anregung sich mit diesem oft spannungsgeladenen Thema zu beschäftigen kam vom soeben nach Rom gewechselten früheren Generalvikar der Erzdiözese, Prälat Peter Beer. Eine Anregung, die dem Museumsteam durchaus „Kopfzerbrechen“ bereitet habe, wie der Direktor des Diözesanmuseums zugab. Mit Beispielen aus der großen Kunstgeschichte lassen er und seine Mitarbeiter den Widerstreit zwischen Wollust und Keuschheit von Mitte Juli bis Anfang September in der Alten Kongresshalle in München Revue passieren.

Eine große Augenlust dürfen die Besucher dabei auf jeden Fall erwarten. Das Diözesanmuseum erhält unter anderem aus Rom, Genua und Florenz hochkarätige Leihgaben italienischer Barockmalerei. Ebenso soll ein Michelangelo zugeschriebenes Kruzifix zu sehen sein, das den gekreuzigten Christus in makelloser Schönheit ohne Lendentuch zeigt.

Selbstsüchtige Triebe überwinden

Die Ausstellung wird von einer Reihe Veranstaltungen begleitet, in denen Positionen der katholischen Sexualmoral vorgestellt und diskutiert werden. Dazu passt, dass sich das Diözesanmuseum an seinem Standort in Kloster Beuerberg mit der Frage nach dem tugendhaften Leben beschäftigt, das selbstsüchtige Triebe überwinden und das Gute nicht für sich, sondern für andere will. Natürlich hat das insbesondere die Ordensleute beschäftigt, die in Kloster Beuerberg jahrhundertelang gelebt haben, aber es ist bis heute eine Herausforderung für jeden Menschen.

Mit Zeugnissen aus Kunst und Kultur können die Besucher in Beuerberg ab dem 1. Mai diesem Tugendpfad folgen, „es wird sich lohnen“, verspricht Christoph Kürzeder, ebenso wie ein reiches Rahmenprogramm mit vielen Begegnungen, in die wieder die gesamte Klosteranlage und der Garten einbezogen sein sollen.

Ein Beispiel besonderer Tugendhaftigkeit konnte Sammlungsleiter Steffen Mensch auf dem Neujahrsempfang verkünden. Das Diözesanmuseum hat von privater Seite eine einzigartige Schenkung erhalten: 2.700 Objekte aus der großen Epoche christlich-byzantinischer Kunst, vom Brautschmuck bis zur Grabskulptur bereichern nun das Haus. Damit werde das Diözesanmuseum mit einem Schlag zu einem der bedeutendsten Zentren byzantinischer Kunst in Deutschland, so Steffen Mensch.

Grundlegenden Sanierung

Bis das die Öffentlichkeit im Freisinger Stammhaus auf dem Domberg zu sehen bekommt, wird es aber noch eine Weile dauern. Seit nunmehr fast sieben Jahren ist das Museumsgebäude auf dem Freisinger Domberg wegen einer grundlegenden Sanierung geschlossen. Auf dem Neujahrsempfang zeigte Direktor Kürzeder Bilder auf denen kleine Bagger in den früheren Ausstellungsräumen, aufgebrochene Böden und Mauerdurchbrüche zu sehen waren. Im großen Lichthof waren sogar Archäologen zu Gange und fanden Spuren der bisher frühesten bekannten Besiedlung des Dombergs aus dem sechsten Jahrtausend vor Christus.

Noch lieber schaut Christoph Kürzeder aber in die Zukunft. Bis 2022 könnte die Sanierung abgeschlossen sein. Dann könnte er zum Neujahrsempfang 2023 in das komplett umgebaute Haus einladen.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de