Vor Bundestagswahl

Diözesan-Caritas richtet Forderungen an die Politik

Die Caritas veröffentlicht ihren Jahresbericht für das Coronajahr 2020. Davon ausgehend formuliert der Verband vier Forderungen für mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Vor der Bundestagswahl geben Caritas Vorstandmitglieder Thomas Schwarz und Gabriele Stark-Angermeier der Politik vier Forderungen mit. © SMB

München – Mit vier konkreten Forderungen hat sich der Caritasverband der Erzdiözese genau 75 Tage vor der Bundestagswahl an die Politik gewandt. Primär plädierte Vorständin Gabriele Stark-Angermeier bei der Caritas-Jahrespressekonferenz für ein Menschenrecht auf gute Pflege. Diese umfasse bessere Arbeitsbedingungen für Pflegende. Zugleich müsse deren Arbeit bezahlbar sein, etwa durch eine Pflege-Vollversicherung und einen gedeckelten Eigenanteil für Pflegebedürftige. Dies müsse zu Beginn der nächsten Legislaturperiode in Angriff genommen werden. Der ins Spiel gebrachte Bundeszuschuss in Höhe von einer Milliarde Euro werde angesichts einer älter werdenden Gesellschaft nicht ausreichen. Zudem vergesse die Politik leider immer wieder die häusliche Pflege. Für pflegende Angehörige fehlten entlastende Angebote und ein finanzieller Ausgleich.

Pflege und Schule

Als zweite Forderung nannte Stark-Angermeier eine Aufwertung der sozialen und Pflegeberufe. Sie gälten als typische Frauenberufe, würden oft wenig wertgeschätzt und schlecht bezahlt, dabei habe die Corona-Pandemie gezeigt, dass diese Berufe besonders wichtig und systemrelevant seien.

Punkt drei lautete: „Familien stärken! Vorrang für Kinder und Jugend!“ Erstes Ziel müsste deshalb ein regulärer Schulbetrieb in Präsenz im nächsten Schuljahr sein, der es den Mädchen und Buben auch ermögliche, Freunde zu treffen. Schließlich habe die Corona-Pandemie nicht nur Spuren bei der Bildung hinterlassen, sondern auch in der Entwicklung der Heranwachsenden. Davon zeuge die hohe Nachfrage bei den Erziehungsberatungsstellen und der Schulsozialarbeit der Caritas. „Es kann ja wohl nicht sein, dass die Fußballstadien offen sind, aber die Schulen zugehen“, empörte sich die Caritas-Vorständin.

Corona verstärkt Armutsproblematik

An vierter Stelle mahnte die Sozialpädagogin die Armutsbekämpfung an. Die soziale Lage in Deutschland sei bitter, denn Armut verfestige sich und durch die Corona-Pandemie kämen neue Bedürftige hinzu. So suchten plötzlich Familienväter und -mütter die Beratungsstellen der Caritas auf, weil sie ihre Arbeitsstellen verloren hätten, ihre Kredite oder Hausraten nicht mehr bedienen könnten und in Existenznöte gerieten.

2020 habe die Schuldnerberatung der Caritas rund 5.500 Klienten betreut, für dieses Jahr rechnet die Vorständin mit ungefähr tausend Personen mehr. Überdies versorgten die beiden seit Beginn der Pandemie in München eingerichteten mobilen Essensausgaben täglich bis zu 700 Bedürftige. In Fürstenfeldbruck und Rosenheim gebe es ähnliche Angebote. Stark-Angermeier sprach sich angesichts dessen für eine Erhöhung der Hartz-IV-Sätze, vor allem für Kinder und Jugendliche, aus.

Auswirkungen auf Bilanz

Ihr Vorstands-Kollege Thomas Schwarz verdeutlichte, dass die Pandemie-Bewältigung auch eine Schlüsselherausforderung für den Caritas-Verband darstelle. Diese habe sich 2020 stark auf dessen Bilanz ausgewirkt. Behördlich angeordnete Schließungen hätten Mindereinnahmen nach sich gezogen. Im Sach- und Personalkostenbereich sei es zu teils immensen Mehraufwendungen gekommen. So seien allein im Franziskuswerk Schönbrunn 34 Impftermine für mehr als 1.300 impfwillige Bewohner und Mitarbeiter erforderlich gewesen.

Viele der fehlenden Einnahmen und zusätzlichen Kosten seien durch Rettungsschirme und Ausgleichszahlungen der Kostenträger abgemildert worden, allerdings mahnte Schwarz mehr Tempo bei der Rückerstattung von coronabedingten Verdienstausfällen an. Zudem habe die Erzdiözese die Caritas-Arbeit im Vorjahr mit rund 30 Millionen Euro unterstützt – eine deutschlandweit einmalige Summe.

Dass der Jahresüberschuss des Verbands 2020 circa 10,3 Millionen Euro betrug, resultiere jedoch vor allem aus dem Verkauf eines Grundstücks in München und eines Gebäudes in Scheyern. Diese Mittel würden in neue Bauvorhaben investiert – beispielsweise ein Altenheim in Germering und die Wendelstein Werkstätten in Rosenheim.

Die Autorin
Karin Hammermaier
Münchner Kirchenzeitung
k.hammermaier@st-michaelsbund.de