Heilige Klara von Assisi

Die Schutzpatronin des Fernsehens

700 Jahre nach ihrem Tod bekam die Heilige Klara von Assisi ein neues Patronat zugesprochen. In den 1950er Jahren stellte Papst Pius XII. dem immer beliebter werdendem Medium Fernsehen die passende Patronin zur Seite.

Die Heilige Klara von Assisi ist Schutzpatronin des Fernsehens. © gemeinfrei

Gottesdienstübertragungen sind in unseren Zeiten etwas Alltägliches, besonders seit Beginn der Corona-Pandemie, als Präsenzgottesdienste verboten waren und man sich wohl oder übel mit der Technik des Livestreams im Internet behelfen musste. Unzählige Angebote schossen wie Pilze aus dem Boden und überfluteten den medialen Raum. Bis heute wird täglich aus dem Münchner Liebfrauendom ein Gottesdienst gestreamt.

Papst preist das Fernsehen

Das war in den 1950er Jahren noch ganz anders. Damals steckte das Fernsehen in seinen Kinderschuhen. Doch der Vatikan erkannte die Möglichkeiten des jungen Mediums. 1957 legte Papst Pius XII., in dessen Pontifikat (1939–1958) die Entwicklung des Fernsehens zum Leitmedium fiel, eine eigene Medienenzyklika mit dem Titel „Miranda prorsus“ vor, in der er die modernen Kommunikationsmittel als „wunderbare Erfindungen der Technik“ und „Gaben Gottes“ bezeichnete.

Der Enzyklika vorausgegangen war die Errichtung einer eigenen Behörde im Vatikan, die sich als erste ausschließlich mit Medienfragen befasste: 1948 war zunächst eine „Päpstliche Filmkommission“ gegründet worden, die 1954 zur umfassenderen „Päpstlichen Kommission für Film, Funk und Fernsehen“ erweitert wurde.

Himmlische TV-Patronin mit passender Heiligenlegende

Schließlich sah sich der Papst auch noch veranlasst, dem Fernsehen eine himmlische Fürsprecherin an die Seite zu stellen: die heilige Klara von Assisi (1194–1253). Am 14. Februar 1958 erhob Pius XII. die Gefährtin des heiligen Franziskus zur TV-Patronin. In seinem Proklamations-Schreiben stellt der Pacelli-Papst über das Fernsehen fest: Es übe „auf die Seelen innerhalb der häuslichen Gemeinschaft eine einzigartige Anziehung aus“. „Dieses wunderbare Instrument“ könne „eine Quelle sehr großen Nutzens, aber auch tiefen Unglücks sein“. Und er sieht Handlungsbedarf: „Möge Klara das Fernsehen so anleiten, dass es Wahrheit und Tugend ausstrahlt, worauf unsere gesellschaftliche Ordnung beruht“, schreibt der Papst.

Ausschlaggebend für dieses ungewöhnliche Patronat war eine Legende aus dem Leben der ebenso bekannten wie beliebten Heiligen: Es soll Weihnachten 1252 gewesen sein. Klara liegt krank im Schlafsaal ihres kleinen Klosters San Damiano unterhalb ihrer Heimatstadt Assisi. Sie kann nicht gemeinsam mit ihren Mitschwestern die weihnachtliche Liturgie feiern. „Schau, wie man mich bei dir allein gelassen hat!“, beklagt sie sich bei Gott. Und der reagiert prompt. In einer Art Live-Übertragung darf Klara an der Christmette teilnehmen, sie erblickt das Gottesdienstgeschehen auf wundersame Art und Weise als bewegtes Bild auf der Wand ihrer Zelle. Eine schöne Geschichte.

Neue Aufgabe für altbekannte Heilige

Klaras Fernseh-Aufgabe ist nicht aus der Volksfrömmigkeit gewachsen. Traditionell wird sie, deren Gedenktag am 11. August, ihrem Sterbetag, begangen wird, als Helferin bei Augenleiden, von Wäscherinnen, Stickerinnen und Blinden angerufen. Blinde? Eher kontraproduktiv für eine Fernseh-Heilige. Doch Pius XII. befand Santa Chiara auch aufgrund ihrer visionären Fähigkeiten dieser Aufgabe für würdig. „Fernsehen“ heißt auf Italienisch, Pius’ Muttersprache, „televisione“.

Vielleicht spielte aber auch ihr sprechender Name „Klara“ – „klar, rein“ – eine (unbewusste) Rolle. Guter und rauschfreier Empfang war in den 1950er Jahren in der Schwarz-Weiß-„Flimmerkiste“ eher die Ausnahme. Aus heutiger Sicht und in Zeiten von Fake News könnte dieser Name aber auch durchaus programmatisch aufgefasst werden und den Anspruch ausdrücken, sauber recherchierte Nachrichten und Informationen zu bieten.

Kritik an der Medienbranche

In eine äußerst medien- wie gesellschaftskritische Richtung argumentierte 2008 der damalige Kardinal-Staatsekretär Tarcisio Bertone bei einem Gottesdienst in der Basilika Santa Chiara in Assisi. Der Anlass war die Ausrufung der Heiligen als Patronin des Fernsehens 50 Jahre zuvor. In seiner Ansprache meinte Bertone, die heilige Klara sei nicht nur die Patronin des Fernsehens, sondern könne uns zudem auch beibringen, in welche Beziehung man heute zu diesem Kommunikationsmittel treten könne.

Die Medienbranche tendiere dazu, ein kulturelles Einheitsmodell aufzuzwingen, das auf einer Logik des Konsums und des Relativismus beruhe. Und mit den Worten Benedikts XVI. warnte er vor den Gefahren der Manipulation der Wirklichkeit, der Unterwerfung unter die vorherrschenden Interessen, der zwanghaften Suche nach Einschaltquoten. Das klang dann doch ganz anders als noch in den 1950er Jahren.

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de