Verbandsarbeit auf dem Land

Die KLJB – auf in die Zukunft

In Zeiten von immer größeren Pfarreien und immer weniger Priestern ist auf dem Land die Katholische Landjugendbewegung, KLJB, immer noch ein Garant für Beständigkeit. Aber sind solche Organisationen beim Pfarrnachwuchs noch angesagt und zeitgemäß?

Von links: Hannah Wastlhuber, Mitglied im Kreisvorstand Traunstein, Jakob Sattler, ehrenamtlicher Diözesanvorstand und Katharina Bauer, ehrenamtliche Diözesanvorständin © SMB

München/Traunstein – Für Hannah Wastlhuber stellt sich die Frage nach der Aktualität der KLJB gar nicht. Sie ist sich sicher: die Landjugend hat ihren Mitgliedern immer noch einiges zu bieten. Das enthebe sie aber nicht der Verpflichtung sich weiterzuentwickeln, sich zu hinterfragen, meint die 20-jährige. Sie ist seit vier Jahren im Traunsteiner Kreisvorstand der KLJB. Und arbeitet hier unter anderem auch an den fünf großen Themen mit, die für die Landjugend zum Kern ihrer Identität gehören: Ökologie, Landwirtschaft, Internationale Solidarität, Pastorales und Politik.

An diesem Themenkanon, der eine klare Ausrichtung bei religiösen, gesellschaftlichen und politischen Diskussionen beinhaltet, soll sich auch nichts ändern, sagt die ehrenamtliche Diözesanvorständin Katharina Bauer. Aber natürlich würde die KLJB gerade verstärkt die Institution Kirche hinterfragen, vor allem ihre Machtstrukturen. Das soll auch Thema der nächsten Diözesanversammlung sein. Eng damit verbunden ist die Frage nach Traditionen: seit 1951 ist der Heilige Nikolaus von Flüe der Patron der Katholischen Landjugenden bundesweit. Im Rahmen des Reformprozesses in der Kirche überlegen jetzt die bayerischen Landjugendvertreter, ob es an der Zeit ist, sich einen neuen Patron/eine neue Patronin zu suchen. Nur weil es alte Tradition ist, wollen viele KLJB´ler nicht unbedingt an der Figur des hochverehrten, aber auch vieldiskutierten Mystikers festhalten.

Neues Schutzkonzept wird diskutiert

Allein diese Diskussion zeigt, wie ernst es der Jugendverband mit seiner Philosophie des Sich-Hinterfragens und der beständigen Weiterentwicklung meint. Diskutiert wird aber auch das Bildungskonzept und – in Zeiten der allgegenwärtigen Missbrauchsthematik – ein neues Schutzkonzept, um die körperliche und seelische Unversehrtheit der Kinder und Jugendlichen zu gewährleisten. Außerdem beschäftigt nicht zuletzt die Entwicklung der Landwirtschaft unter dem Stichwort „Nachhaltigkeit“ die Landjugend auf allen Ebenen im Erzbistum München und Freising.

Ob die Mitglieder in den Gemeinden damit automatisch naturnäher und ökologischer leben – da sind sich Hannah Wastlhuber und der ehrenamtliche Diözesanvorstand Jakob Sattler nicht so ganz einig: Sattler argumentiert mit den kurzen Wegen: die Jugendlichen auf dem Land sind schnell im Wald oder auf Radwegen in der Natur, kennen jemanden, der Landwirtschaft betreibt. Sattler glaubt auch, dass die junge Bevölkerung auf dem Land generell offener für Themen wie Nachhaltigkeit ist, weil sie im eigenen Umfeld stattfinden. Hannah Wastlhuber hält dagegen, dass das Leben auf dem Land mit seiner stärkeren Nähe zur Natur eher unbewusst stattfinde und nicht aus einer aktiven Entscheidung heraus, naturbewusster zu leben. Hannah bringt da auch die Mobilität ins Spiel und gibt zu bedenken, dass Bewegung auf dem Land sehr viel stärker vom Auto geprägt sei als in der Stadt. Und gerade, weil der KLJB diese Ambivalenz bewusst ist, spielen Nachhaltigkeit und Schöpfungsverantwortung eine große Rolle in ihrem Themenbereich „Ökologie“.

Im Pfarrleben meist fest verwurzelt

Was die Landjugend ebenfalls nicht aufgeben will – trotz aller vielfältigen Anstrengungen, sich weiter zu entwickeln - ist die religiöse Erdung: die KLJB sei in vielen Gemeinden untrennbar mit dem Pfarrleben verbunden, verwurzelt im katholischen Leben im Ort, bekräftigt Diözesanvorständin Katharina Bauer. Das fängt bei seit langem eingeführten Projekten wie der „Aktion Rumpelkammer“ (Altpapier- und Altkleidersammlung für den guten Zweck) oder der Aktion Minibrot an Erntedank an, und hört bei der Weitergabe des Glaubens durch das Engagement bei der Firmvorbereitung auf. Das schreckt vielleicht das eine oder andere potenzielle KLJB-Mitglied ab, dem da unter Umständen zu viel Nähe zum katholischen Establishment mitschwingt. Aber, sagt Hannah Wastlhuber, sie habe eh den Verdacht, als sei der Eindruck über die KLJB in der Gesellschaft sowieso der eines erzkatholischen, festgefahrenen Vereins. Da könne sicher noch viel getan werden, um diesen Eindruck zu entkräften…Gegenbeispiele sind vielleicht nicht allzu häufig, aber sie zeigen, was die KLJB erreichen will und was sie kann: reißenden Absatz gefunden hat zum Beispiel das Osterheft der KLJB im Berchtesgadener Land. In Pandemiezeiten haben die Jugendlichen für alle Altersgruppen - Familien, Firmgruppen und Schulen - ein Angebot gemacht, das ihr Engagement für die „Kirche vor Ort“ gezeigt hat.

Kein Stillstand trotz Corona

Solche Projekte in Pandemiezeiten dürfen allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Corona auch an der Landjugend nicht spurlos vorüber gegangen ist, meint Diözesanvorstand Jakob Sattler. Beispiel „Mitgliedergewinnung“: „Es ist generell schwieriger, Menschen zu erreichen und sie zu motivieren, bei Veranstaltungen oder Projekten mitzumachen“, ist sich der ehrenamtliche Diözesanvorstand Jakob Sattler sicher. Der 22-jährige hat aber auch beobachtet, dass innerhalb der KLJB die Mitglieder wieder froh und glücklich sind, sich persönlich treffen zu können. Hannah Wastlhuber gibt ihm recht und weist darauf hin, dass diese „Begegnungs-Funktion“ der Landjugend nicht unerheblich ist: während auf der Kreis- und Diözesanebene viele programmatische Diskussionen angestoßen werden, ist es vielen Mitgliedern auf Ortsebene eher wichtig, sich zu treffen, Zeit miteinander zu verbringen und persönliche Themen zu besprechen.

Gleichzeitig, meint Jakob Sattler, hat natürlich die Pandemie auch dazu geführt, dass technisch sehr viel mehr möglich wurde: das schnelle Dazustoßen zu einer Online-Besprechung sparte lange Fahrtzeiten. Trotz Lockdown waren persönliche Begegnungen zumindest am Computerbildschirm möglich. Auch die programmatische Arbeit der KLJB ist in den vergangenen knapp anderthalb Jahren weiter gegangen. Eine Arbeit, die weit mehr ist als eine bloße Freizeitbeschäftigung, davon ist die KLJB-Kreisvorständin Hannah Wastlhuber überzeugt: „Die KLJB ist für mich ein Verband der vielen Möglichkeiten. Jeder kann sich herauspicken, womit er sich gerne beschäftigen möchte. Die KLJB macht viel von dem aus, was ich bin – und wie ich bin.“ 

Der Autor
Willi Witte
Radio-Redaktion
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