Arbeitsmarkt

Die Erzdiözese München und Freising als Arbeitgeberin

Die Erzdiözese München und Freising ist mit rund 16.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einer der größten und vielseitigsten Arbeitgeber in Oberbayern. Sie bietet pro Jahr mehr als tausend Jobs und berufliche Chancen in ganz verschiedenen Bereichen. Viel wird für die Gewinnung neuer Kräfte getan.

Die Kirche steht vor der Herausforderung neue Mitarbeiter zu finden.

München – Wenn in der Kirche bislang von Personalsorgen die Rede war, ging es in der öffentlichen Wahrnehmung meistens um die zurückgehende Zahl von Priestern und Seelsorgern in den Pfarreien. Tatsächlich aber steht die Kirche in nahezu allen Arbeitsfeldern vor der großen Herausforderung, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. Gut 16.000 Menschen beschäftigt das Erzbistum München und Freising derzeit in den verschiedensten Bereichen und gehört damit zu den großen Arbeitgebern in Oberbayern. Mit Blick auf die Personalentwicklung macht sich der Leiter des Ressorts Personal im Erzbischöflichen Ordinariat, Monsignore Klaus Peter Franzl, keine Illusionen. Die Generation der Babyboomer, die den Großteil der kirchlichen Mitarbeiter ausmacht, gehe in den nächsten Jahren in Rente, berichtet er. Auch der Fachkräftemangel und die aktuelle Vollbeschäftigung wirkten sich auf die Kirche aus, erklärt Monsignore Franzl weiter. Außerdem gebe es gerade bei jungen Katholiken oft keine enge Bindung an die Kirche. Damit fehle dann auch die Bereitschaft, die Kirche als lukrativen Arbeitgeber wahrzunehmen. Die Folge: immer weniger Bewerbungen gerade im Ausbildungsbereich.

Ansprüche an Arbeitsplatz

„Eine Analyse der Mitarbeiterzahlen für die kommenden zehn Jahre soll nun dabei helfen, im Personalbereich die Weichen für die Zukunft zu stellen", betont Monsignore Franzl. Die Erfassung des Ist-Zustands gehört zur Entwicklung einer Personalstrategie, die es so in der jüngeren Geschichte der Erzdiözese noch nicht gegeben hat. Die zielt neben dem pastoralen Bereich vor allem auf das pädagogische Personal in Schulen, Kitas und der Erwachsenenbildung ab und befasst sich auch mit den personalen Anforderungen in der Verwaltung. Dabei wolle man auch herausfinden, wie die zukünftigen potentiellen Mitarbeiter ticken. Denn auch die Kirche müsse sich darauf einstellen, dass gerade junge Arbeitnehmer bestimmte Ansprüche an ihren Arbeitsplatz haben.

Edda Hamm ist Leiterin des Fachbereichs Strategische Personalgewinnung, Berufe der Kirche im Erzbischöflichen Ordinariat.
Edda Hamm ist Leiterin des Fachbereichs Strategische Personalgewinnung, Berufe der Kirche im Erzbischöflichen Ordinariat. © EOM

Um bei jungen Leuten attraktiv zu bleiben, müsse man bereit sein, bestimmte Dinge zu ändern. Die Digitalisierung spiele da genauso eine Rolle wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch das generationenübergreifende Zusammenarbeiten werde immer wichtiger. In Seelsorge-Teams könne es zum Beispiel vorkommen, dass einschließlich der Ruhestandspriester bis zu vier Generationen miteinander auskommen müssen. Mit diesen Veränderungen werde man sich auseinandersetzen, betont Monsignore Franzl. In der Verwaltung habe man zudem bei den Auszubildenden die Erfahrung gemacht, dass „Ansagen von oben“ nicht mehr zeitgemäß seien. Junge Menschen verlangten eine Auseinandersetzung auf Augenhöhe, da sei ein neuer Stil in der Auseinandersetzung gefragt.

Betriebswirte, Juristen, Erzieherinnen

Wie drängend die Personalfrage für das Erzbistum ist, zeigt sich auch daran, dass bereits vor vier Jahren im Personalressort der Fachbereich „Strategische Personalgewinnung“ eingerichtet wurde. Dort sollen nun die Konzepte entwickelt werden, die auf die neue Situation in der Arbeitswelt reagieren. Fachbereichsleiterin Edda Hamm setzt vor allem darauf, kirchliche Berufe wieder bekannter zu machen. „Die meisten Menschen kennen vielleicht noch den Pfarrer oder den Mesner als Berufsbild“, erklärt Hamm. Dass die Kirche auch Betriebswirte, Juristen, Erzieherinnen oder IT-Experten benötigt, wüssten die wenigsten. Deshalb sei man verstärkt auf Messen präsent, um für diese Berufe zu werben. Außerdem habe man das Online-Stellenportal des Erzbistums ergänzt um eine Web-Seite, auf der man die Berufsbilder in Seelsorge, Pädagogik und Verwaltung ausführlich erkunden kann. „Es gibt Hochschulkooperationen, bei denen wir bei den Theologiestudenten für kirchliche Berufe werben“, sagt Hamm. Dabei handele es sich um ein Speed-Dating-Format, bei dem kirchliche Mitarbeiter in Kurz-Interviews den Studierenden Rede und Antwort stehen und erklären, was es genau heißt, für die Kirche in der Verwaltung, in der Kita oder in einer Bildungseinrichtung zu arbeiten.

Ordinariatsdirektor Domkapitular Monsignore Klaus Peter Franzl ist Leiter des Ressorts Personal im Erzbischöflichen Ordinariat.
Ordinariatsdirektor Domkapitular Monsignore Klaus Peter Franzl ist Leiter des Ressorts Personal im Erzbischöflichen Ordinariat. © EOM

Für eine Glaubensgemeinschaft arbeiten

Und natürlich wolle man auch die Vorteile aufzeigen, die eine Arbeitsstelle in der Kirche bietet. Im Vergleich zur freien Wirtschaft könne man mit einem guten Arbeitsklima und einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben werben, meint Hamm. Bei jungen Menschen sei es außerdem wichtig, sie durch Praktika und Freiwilligendienste an kirchliche Berufsmöglichkeiten heranzuführen. Und wenn ein Auszubildender nicht ganz so kirchennah ist, wie das früher der Fall war, böten die Ausbildungsleiter Orientierungstage und Exerzitien an, damit die Jugendlichen erkennen, dass sie nicht nur für eine Dienstgemeinschaft, sondern auch für eine Glaubensgemeinschaft arbeiten. „Eine gewisse Identifikation ist wichtig, damit Kirche auch weiterhin als besondere Marke auf dem Arbeitsmarkt wahrgenommen wird“, erklärt Hamm.

Ob die neue Personalstrategie dafür sorgt, dass die Kirche ihr bislang breit gefächertes Angebot auch noch in zehn Jahren aufrechterhalten kann, will Personalchef Monsignore Franzl nicht versprechen. Sicher sei nur, dass es Prioritäten geben wird, die man jetzt angehen müsse, berichtet Monsignore Franzl. Das gelte für die Erzdiözese insgesamt genauso wie für die Dekanate und Pfarrverbände. Zumindest auf Schwerpunktverschiebungen in einzelnen Bereichen müssten sich alle einstellen. Das stehe heute schon fest.

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de