Auf geht’s zur Wiesn!

Die andere Seite eines Volksfestes

Es grenzt an ein Wunder, dass sich die Schausteller auf dem Oktoberfest trotz des vielen Trubels, um soziale Belange kümmern. Der Tourismusseelsorger der Erzdiözese München und Freising, Pater Paul Schäfersküpper, lobt ihren Gemeinsinn und die Solidarität auf der Wiesn.

Pater Paul Schäfersküpper leitet die Tourismusseelsorge in der Erzdiözese München und Freising (Bild: privat)

Es ist wieder soweit: Das Münchner Oktoberfest öffnet am 21. September seine Pforten. Wer sich in den Abendstunden vom Turm von St. Paul die Theresienwiese anschaut, ist von dem Lichtermeer beeindruckt, das sich ihm bietet. Und es fällt ihm auch auf, welch strenger Aufbau nötig ist, um einen reibungslosen Ablauf des Festes zu ermöglichen. Die so genannten Beschicker, alle, die auf der Wiesn arbeiten, und die Verwaltung leisten Großartiges, damit die fast 450.000 Gäste, die täglich kommen, sich amüsieren, essen und trinken können.

In 16 Tagen wollen fast sieben Millionen Besucher ihren Spaß haben. Wer von denen ahnt, welch immense logistische Leistung in Vorbereitung und Durchführung steckt, damit ein solches Fest gelingen kann? Ebenso wichtig wie die Organisation sind aber Gemeinsinn und Solidarität derer, die als Menschen die Strukturen aufgebaut haben. Das fängt bei kleinen Dingen an, dass ich mein halbes Geschäft noch einmal abbaue, um 30 Zentimeter nach rechts zu rücken, damit der Nachbar auch aufbauen kann, und hört gewiss auch dann noch nicht auf, wenn man endlich eine gemeinsame Lösung für den Unterricht der reisenden Schulkinder gefunden hat. Solidarität und ein Gespür für das Zusammenwirken sind die Grundlage jeden erfolgreichen Volksfestes. Alle profitieren davon. Auch die Gäste.

Es ist ein Wunder, dass die Beschicker bei ihrer Arbeitsbelastung noch dazu kommen, sich um soziale Belange zu kümmern. An jedem ersten Wiesnmontag öffnet das Fest für 1.000 Vorschulkinder zwei Stunden früher seine Pforten. Als persönliche Gäste der Beschicker tummeln sie sich auf der Wiesn, probieren dieses Fahrgeschäft aus, bekommen hier eine Limo und dort eine Bratwurst geschenkt. Die strahlenden Kinderaugen sind hier Lohn genug! So bringt der Autoskooter Besitzer Bernd Kollmann die Haltung aller zum Ausdruck.

Auch im laufenden Betrieb begegnen dem Besucher Gruppen von behinderten Menschen, Senioren oder Schulklassen, die auf Kosten der Beschicker einen unvergesslichen Wiesntag erleben können. Es sind diese Großzügigkeit und die Solidarität untereinander, die die Wiesn und alle unsere Volksfeste zu solchem Erfolg geführt haben. Darauf sollte man mal anstoßen: Prost!

Pater Paul Schäfersküpper leitet die Tourismusseelsorge in der Erzdiözese München und Freising