Impuls von Cosima Kiesner CJ

Der Weg zum Ziel

(Bild: imago)

Die Welt ist bunt und bietet mir vieles. Unzählige Möglichkeiten liegen vor mir. Täglich kann ich wählen, mich neu entscheiden zwischen vielen kleinen Dingen wie: „Stehe ich um 8 Uhr auf, obwohl ich heute frei habe, oder schlafe ich mich mal richtig aus?“ Oder: „Gehe ich heute ins Kino oder lieber mal wieder zum Italiener, um meinen freien Abend mit einem Freund zu genießen?“ Oft muss ich Gewichtigeres entscheiden: „Soll ich lieber die Ausbildung zur Optikerin machen oder studiere ich Pharmazie?“; „Reicht das Geld für dieses Auto-Modell oder spare ich doch noch ein wenig an der Ausstattung?“ Oft genug gibt es bei all diesen Wahlmöglichkeiten kein „Besser“ und „Schlechter“, kein „Richtig“ und „Falsch“. Die meisten Möglichkeiten, die sich mir bieten, sind neutral. Ich kann sie wählen oder lassen und breche doch kein Gesetz. Ich kann mir etwas gönnen oder auf etwas verzichten und werde doch, ganz gleich, welche der beiden Möglichkeiten ich wähle, nicht glücklicher oder unglücklicher. Von außen betrachtet, ist die Wahl zwischen verschiedenen Möglichkeiten fast immer beliebig.

Ja, so schaut es aus. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. In dem Moment, in dem ich mir ein Ziel gesetzt habe, werden die Wahlmöglichkeiten nämlich bewertbar. Das Ziel verändert alles. Mit der Zielsetzung kann ich die vielen Möglichkeiten auf eine Waagschale legen: Hilft mir diese Variante, das Ziel zu erreichen? Behindert
sie das Erreichen des Zieles? Oder ist sie einfach irrelevant für das Ziel? Ohne Ziel bleibt vieles beliebig. Erst das Ziel ermöglicht die Wahl des Besseren. Erst im Blick auf das Ziel erkenne ich das Richtige.Genau auf diese Tatsache weist Ignatius von Loyola in seinem „Prinzip und Fundament“ hin, einer Anweisung für eine Betrachtung in seinen „Geistlichen Übungen“. Bei den Geistlichen Übungen geht es um die Ausrichtung des eigenen Lebens auf Gott, aber die Anweisung lässt sich auch auf das alltägliche Leben anwenden.

In meiner persönlichen Übersetzung lautet der Rat aus der ignatianischen Spiritualität: „Viele Möglichkeiten sind in sich weder gut noch schlecht. Wähle das, was dich mehr zum Ziel führt, das du dir gesetzt hast. Das aber, was dich am Erreichen des Zieles hindert, das lass bleiben.“

Wer diesem Rat des Ignatius folgt, wird zielgerichtet unterwegs sein. Kleine Ziele lassen sich auf diese Weise zügig erreichen. Aber das persönlich wichtigste Lebensziel lässt sich auf diese Weise besser erreichen. Vielleicht schaffe ich es nicht immer mit der gleichen Klarheit und Kraft, die Möglichkeiten auf mein wichtigstes Ziel hin zu unterscheiden, aber wenn ich jedes neue Jahr mein Lebensziel in den Blick nehme und neu austariere, mit welchen Mitteln und Möglichkeiten ich am besten dorthin gelange, werde ich ankommen.