Bienenvölker

Der Ettaler Imker Frater Vitalis kämpft gegen das Bienensterben

Der Mönch hat 50 Jahre Berufserfahrung. Jedes Jahr probiert er neue Methoden aus, um seine Bienenstämme zu retten. Zum Beispiel mit Säure und Sauna

Ettal – Die Klausur des Benediktinerklosters Ettal (Dekanat Rottenbuch) dient den Ordensangehörigen als Ort der inneren Einkehr und Ruhe. Trotzdem tummeln sich dort gerade hunderttausende unruhige Mitarbeiter. Die stören aber keineswegs, sondern werden mit Wohlwollen beobachtet. Vom Fortbestehen ihrer Art hängt schließlich das Wohlergehen der gesamten Menschheit ab.

Die Varroa-Milbe

Es handelt sich um 15 Bienenvölker, deren Lebensgeister der Frühling gerade neu entfacht. In ihrem Bienenhaus werden sie von Frater Vitalis mit großer Sorgfalt gehegt. Schon im zarten Alter von fünf Jahren besaß er drei Wabenableger. Mit 13 Jahren nannte Vitalis sogar 17 Bienenvölker sein Eigen. Der imkernde Mönch schöpft also aus mehr als 50 Jahren Berufserfahrung. Trotzdem kann auch er dem großen Bienensterben nicht viel entgegensetzen. Über den Winter verlor er fünf Völker. Im Jahr zuvor waren es sogar 35. Pestizide, Nicotinoide und Herbizide spielen in diesem Fall eine untergeordnete Rolle, denn die werden auf den umliegenden klösterlichen Heuwiesen und Weiden nicht verwendet. Schuld ist vorrangig die Varroa-Milbe. Sie befällt die geflügelten Insekten und infiziert sie mit Viren. Ist ein Volk betroffen, steckt es schnell das nächste an. Die Folge: Die Bienen leiden an Orientierungslosigkeit und zunehmender Verhaltensänderung. Im schlimmsten Fall kommt es zum Völkerkollaps – dem Aussterben des ganzen Volkes.

Menschen fehlt Demut

„So etwas passiert, wenn der Mensch sich in die Schöpfung einmischt“, warnt Frater Vitalis. Denn die Milbe sei einst durch übereifrige Wissenschaftler von Asien nach Europa eingeschleppt worden. „Wir bekamen von Gott alles, was wir zum Leben brauchen“, mahnt er. „Alles greift wie Zahnräder präzise ineinander.“ Dass die göttliche Schöpfung immer wieder gestört werde, sei leider die Schuld des Menschen. „Es fehlt dem Menschen an Demut. Er will seine Endlichkeit auf Erden nicht wahrhaben.“

Frater Vitalis kämpft seit fast vierzig Jahren gegen die Varroa. Das ganze Ausmaß des Desasters wurde ihm erstmals 1980 bewusst. Er behandelte damals seine Bienen gegen Parasiten und traute seinen Augen kaum. „Die Milben fielen zu Tausenden ab. Man konnte sie unmöglich ignorieren.“ Seitdem hat der erfahrene Imker vieles versucht. Einmal verwendete er Thymol in Kombination mit anderen ätherischen Ölen. Im darauffolgenden Winter verlor er keinen einzigen Bienenstamm. „Ich habe mich so sehr gefreut, endlich das richtige Mittel gefunden zu haben“, erinnert sich der 58-Jährige. Doch dieselbe Anwendung funktionierte im nächsten Jahr schon nicht mehr. Sieben Völker starben. „Es ist wie Lotto spielen. Mal fruchten die Maßnahmen und manchmal nicht.“ Deshalb behandelt Frater Vitalis seine Bienen mit einer ganzen Palette natürlicher Methoden und hofft jedes Jahr das Beste.

Wunderwerk der Schöpfung

Die Varroa befällt bevorzugt die Drohnenzellen und schädigt dort die Brut. Oft schabt Frater Vitalis diese Waben aus und schmilzt sie ein. „So kann ich den Befall zumindest dezimieren.“ Zusätzlich unterzieht er die Insekten zwei bis drei Langzeitbehandlungen mit Ameisensäure und besprüht sie mit Oxalsäure. „Damit muss man rechtzeitig anfangen, denn bei Temperaturen unter 20 Grad wirkt das Ganze nicht mehr.“ In einer bergnahen Gegend wie in Ettal, wo es im Mai oft noch schneit und im September wieder kalt wird, ist dies ein Wettlauf gegen die Zeit. Vor zwei Jahren hat er sich eine Bienensauna zugelegt. In dem Kasten wird ein Volk für vier Stunden auf 40 Grad erhitzt. „Den Bienen macht das gar nichts aus. Aber die Milben zerkochen“, erklärt Vitalis. Allerdings stecke das Verfahren noch in den Kinderschuhen und der Apparat habe nicht genügend Kapazität, um alle Bienen zu behandeln.

Frater Vitalis muss also, wie alle betroffenen Imker im Land, weiterhin sämtliche Register ziehen, um das geflügelte Wunderwerk der Schöpfung zu bewahren. Schließlich könne der Mensch kein Gras essen. „Und er kann die Biene nicht ersetzen. Er riecht nicht, wann eine Blüte reif zur Bestäubung ist.“ In diesem Sinne zitiert er Heinrich den Löwen, der es beim Anblick eines Bienenvolkes nicht treffender hätte sagen können: „Deus in minimus maximus – Gott ist im Kleinen der Größte.“ (Beate Berger)

 

Bienen in der Bibel

Im Neuen Testament kommen die Tiere auffälligerweise nicht vor. Nur ab und zu ist vom Honig zu lesen, zum Beispiel, dass sich Johannes der Täufer von wildem Honig ernährt. Und am Ende des Lukas-Evangelium wird dem auferstandenen Jesus, Fisch mit Honigseim vorgesetzt, klingt ganz schmackhaft. Im Alten Testament ist dagegen immer wieder ausdrücklich von Bienen die Rede. Etwa im Buch Deuteronomium oder in den Psalmen. Sie schildern die Bienen immer wieder als ziemlich aggressive Wesen, die schmerzhaft zustechen können. Da sind sie also auch ein Bild für Feinde. Aber es gibt rundherum Anerkennung für den Honig, den sie herstellen.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Umweltschutz