Katholische Bischöfe

Dem Rechtspopulismus widerstehen

Die katholische Bischöfe haben sich besorgt über rechtspopulistische Tendenzen bis weit in bürgerliche und kirchliche Milieus hinein geäußert. Dazu stellten sie nun ein Arbeitspapier vor, das Kirchengemeinden zum kritischen Dialog ermutigen soll.

Jedem Versuch, das Christentum "völkisch umzudeuten", müsse sich die Kirche laut den katholischen Bischöfen widersetzen. Im Bild eine Pegida-Demonstration in Dresden am 22. Dezember 2014.

Berlin – "Es ist uns ein Anliegen, ein Gesprächsangebot für alle Gläubigen zu formulieren - unabhängig von ihrer politischen Auffassung", sagte der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, der in der Bischofskonferenz für Migrationsfragen zuständig ist. Die Kirche trage auch für jene eine seelsorgliche Verantwortung, die mit rechtspopulistischen Tendenzen sympathisieren.

Die Bischöfe sehen vor allem seit der verstärkten Aufnahme von Flüchtlingen 2015 die Instrumentalisierung "diffuser Ängste und Unsicherheiten" durch Populisten, ohne bestimmte Gruppen oder Parteien zu erwähnen. Besonders bedenklich sei es "wenn solche Bewegungen sich als Verteidiger des christlichen Abendlands inszenieren und wesentliche Aspekte des christlichen Menschenbildes dabei ausblenden", warnte Heße.

Völkische Umdeutung

Im Papier heißt es auch: "Bisweilen behaupten rechtspopulistische Akteure dann im Widerspruch zu den Kirchen ihre 'Christlichkeit' und scheuen sich nicht, die kirchlichen Amtsträger oder sogar die Kirchen als Ganze des Verrats am Christentum zu bezichtigen." Doch jedem Versuch, das Christentum "als Mittel der Ausgrenzung von Menschen anderer Herkunft zu missbrauchen oder es gar völkisch umzudeuten, muss sich die Kirche weiterhin widersetzen".

Nach den Worten des Osnabrücker Bischofs und Vorsitzenden der Pastoralkommission, Franz-Josef Bode, geht es um eine Haltung, die einen "Umgang mit populistischen Tendenzen und eine Grenzziehung gegenüber gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ermöglicht". Dem dienten auch die vielen im Text aufgeführten Praxisbeispiele.

Für den Vorsitzenden der deutschen Kommission Justitia et Pax, den Trierer Bischof Stephan Ackermann, soll die Arbeitshilfe auch das universelle menschenrechtliche Denken stärken. Das Grundgesetz verdeutliche den Vorbehalt gegenüber einer Verabsolutierung der Volkssouveränität etwa als Herrschaft der Mehrheit besonders durch den Gottesbezug.

Position der Kirche wird verdeutlicht

Die 74-seitige "Arbeitshilfe zum kirchlichen Umgang mit rechtspopulistischen Tendenzen" steht unter dem Titel "Dem Populismus widerstehen". Das Dokument erläutert zum Beispiel die Charakteristiken des Populismus und sein Verhältnis zur Demokratie sowie typische Inhalte und Vorgehensweisen von Rechtspopulisten.

Bei Kernthemen wie Flucht- und Vertreibung, dem Eintreten gegen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit oder dem Verständnis von Ehe, Familie und Geschlechterverhältnis verdeutlicht das Papier die Position der Kirche und deren Kritik an populistischen Auffassungen. In der Frage von Heimat und Identität wenden sich die Bischöfe gegen ein exklusives Verständnis, das dem universellen Geist der Kirche und der gleichen Würde aller Menschen vor Gott widerspreche. (kna)