Pressesprecher Marcus da Gloria Martins

Das sympathische Gesicht der Münchner Polizei

Der Pressesprecher, der kein Star sein mag: Marcus da Gloria Martins war das Gesicht der Polizei während des Amoklaufs von München im Juli. Jetzt hat er unserer Redakteurin Brigitte Strauß ein Interview gegeben.

Der Pressesprecher der Münchner Polizei Marcus da Gloria Martins (Bild: Sankt Michaelsbund/Schlaug)

München – Es waren bange Stunden an jenem 22. Juli, als ganz München Angst hatte, dass der Terror jetzt auch die Landeshauptstadt erreicht haben könnte. Am Ende stellte sich heraus, dass es ein einzelner Amokläufer war, der neun Menschen am und im Olympia-Einkaufszentrum umgebracht hatte. Aber das war bis spät in die Nacht hinein unklar. Einer hat währenddessen viele Menschen beruhigen können. Nicht, weil er verharmlost hat, sondern weil er alles, was er sagen konnte, auch gesagt hat. Und auch gesagt hat, warum er etwas nicht sagen darf. Und das Ganze auch noch so, dass jeder es verstehen konnte. Der Pressesprecher der Münchener Polizei, Marcus da Gloria Martins.

In den Tagen danach wurde er von allen Seiten hoch gelobt. Es gab eine Fanseite auf Facebook, die 60.000 Likes bekommen hat. Während eines Fernsehinterviews in der Münchener Fußgängerzone hielt ein Auto neben ihm, die Scheibe wurde heruntergedreht und jemand rief „Bravo“. Das alles war dem gebürtigen Rheinländer äußerst peinlich. Immer wieder hat er betont, dass nicht er die tolle Leistung erbracht hat, sondern die 2300 Kollegen, die in dieser Nacht im Einsatz waren.

Vorwürfe entkräftet

Jetzt im Nachhinein wird diese Leistung kritisiert. Warum so ein Riesenaufwand für einen Täter, warum hat die Streife, die Kontakt zum Täter hatte, ihn nicht gleich erschossen und warum sind Zivilbeamte mit gezückter Waffe durch die Stadt gelaufen? Da ist doch klar, dass es zu Fehlalarmen kommt. All diese Vorwürfe entkräftet Marcus da Gloria Martins immer wieder geduldig: Niemand wusste, wieviel Täter es waren, da sei der Aufwand genau richtig gewesen. Die Beamten, die Kontakt zum Täter hatten, seien ein Stockwerk unter ihm gewesen und er wäre keine stehende Zielscheibe gewesen, sondern sei gerannt. Zivilbeamte hätten entweder eine schusssichere Weste mit der Aufschrift „Polizei“ an oder zumindest eine andere Kennzeichnung und liefen niemals mit gezogener Waffe herum, weil es viel zu gefährlich sei.

Dabei wirkt er wieder unglaublich ruhig. „Bin ich aber gar nicht“, sagt er, „meine Kinder fanden diese Bezeichnung sogar ziemlich amüsant. Weil ich zu Hause der Blauhelmträger mit dem Auftrag der Friedenssicherung bin, wann immer in der Familie Chaos herrscht. Und dann erkläre ich mal eben, wo Norden ist“. Aber ein Choleriker sei er sicher auch nicht, sagt er dann lächelnd. Aber jetzt will er eigentlich gar keine Interviews mehr geben zu seiner Person. Für uns hat er noch einmal eine Ausnahme gemacht. (br)

Zu hören ist das Interview, das unsere Kollegin Brigitte Strauß mit ihm geführt hat, auf www.hauptsache-mensch-radio.de.

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